Das Buch für unzufriedene Arbeitnehmer: Isabell Prophet liefert eine Anleitung zum Glücklichsein

Immer freitags hier ein Autorengespräch: Heute mit Isabell Prophet zu ihrem  Buch „Die Entdeckung des Glücks“ (Mosaik, ET 11.09)

Isabell Prophet, geboren 1986, arbeitet als Journalistin. Sie studierte zunächst VWL, Wirtschaftsrecht und Wirtschaftsgeschichte und arbeitete nebenbei bei der Celleschen Zeitung, wo sie später volontierte. Während ihrer Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule waren sie und Kollegen mit dem Zeit Online-Projekt „Einsame Spitze“ für den Deutschen Reporter-Preis 2014 nominiert. Die Entdeckung des Glücks (Mosaik) ist ihr erstes Buch, in dem sie klar machen will:

„Jeder kann lernen glücklich zu sein“

Wir fragten bei der Autorin  nach, wie genau das funktioniert:

BuchMarkt: Frau Prophet, worum geht es in Die Entdeckung des Glücks?

Isabell Prophet: „Ich habe beim Schreiben an alle Arbeitnehmer gedacht. An die Menschen, die ganz zufrieden sind, aber nicht wirklich glücklich“

Isabell Prophet: In dem Buch berichte ich von den Forschungsergebnissen von Wissenschaftlern aus der ganzen Welt. Neurologen, Psychologen, Ökonomen, Soziologen und noch viele andere stellen sich in den letzten Jahren die Frage nach dem Glück. Was ist Glück? Wie werden wir glücklich? Und was hindert uns daran? Diese Fragen sind aus verschiedenen Perspektiven bereits beantwortet. Ich erzähle, wie die Wissenschaftler geforscht haben,  von Experimenten und spannenden Einblicken in unsere Köpfe.

Alles nur Theorie?

Graue Theorie ist die moderne Forschung längst nicht mehr. Da werden die Probanden auch schon mal zum Joggen gezwungen, sollen Tagebücher schreiben oder nett zu ungeliebten Kollegen sein.

Wie entstand die Idee zum Buch?

Ich habe beobachtet, dass durch alle Altersgruppen hinweg die Menschen abends nach Hause kommen und erst einmal erzählen, was heute Unangenehmes passiert ist. Natürlich nicht nur, das wäre ja schlimm. Aber doch viel öfter, als eigentlich nötig wäre. Und dann habe ich gemerkt, dass bei vielen Menschen um die 30 ein erster Knick entsteht. Das ist der Zeitpunkt, an dem wir fünf, vielleicht zehn Jahre im Berufsleben sind und vielleicht schon ein oder zwei Mal den Job oder die Firma gewechselt haben.  Und dann stellen viele fest: Ich bin hier nicht glücklicher als vorher. Die Arbeitswelt ist dann entzaubert. Schuld daran tragen auch ein bisschen die hohen Erwartungen. Ich höre oft diese Aufforderung: „Finde einen Job, der dich glücklich macht.“ Dann grätsche ich rein uns sage: Warum sollte dein Job dich glücklich machen? Und durch wen? Den Chef, die Kollegen, die Kunden? Warum sollten die das tun? Und wie sollen sie das schaffen, wenn du nicht ein bisschen vorarbeitest?

Es liegt also ganz bei uns selbst?

„Glück ist nichts, das uns gegeben wird. Glück ist etwas, an dem wir arbeiten müssen, etwas das wir lernen können“

Nur beigebracht hat es und niemand. Also sollten wir zu Autodidakten werden.  Wir Europäer sind gar nicht so unglücklich. Eigentlich geht es uns ganz gut. Aber wir haben noch Potenzial, gerade wenn es um unsere Arbeit geht. Und die nimmt nun einmal einen großen Teil unseres Lebens ein. Ein wissenschaftliches Buch über Glück und Arbeit gibt es noch nicht.  Da war mir klar: Ich möchte eines schreiben.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Durch Klick aufs Cover geht’s zum Buch

Dieses Buch sammelt die Menschen genau mit dem Gefühl ein, mit dem sie in die Buchhandlung gekommen sind. Oder ticke nur ich so? Ich denke dabei an diese langen Arbeitstage, nach denen ich spontan noch an einer Buchhandlung anhalte und dann stehe ich da. Ich sehe die Romane, die mich in andere Welten oder andere Leben entführen. Ich sehe die Romane, die mich in andere Welten oder andere Leben entführen. Ich sehe die Ratgeber, die mir vielleicht mit meinem Leben helfen. Ich sehe die Wissenschaftsbücher, die mir etwas über das Leben verraten und die Welt in der wir leben. Und dann gehe ich mit einem neuen Buch unter dem Arm nach Hause und freue mich auf Tee, meine Kuscheldecke und das, was der Autor oder die Autorin mir Neues erzählt.

Bei genau diesen langen Arbeitstagen, die so ein kleines Fluchtbedürfnis auslösen, setzt das Buch an. Jeder hat mal diese Tage. Und jeder hat Freunde, Schwestern oder Eltern, die diese Tage haben. Für sie ist dieses Buch. Ich glaube ja, Buchhändler erkennen diese Art von Kunden an der Nasenspitze, sobald sie durch die Tür treten. Würde ich das Buch selbst verkaufen würde ich sagen:

„Nimm es mit, lies es, aber lies es nicht nur. Arbeite damit. In diesem Buch findest du Antworten auf Fragen, die Andere für dich gestellt haben. Es wird dich glücklicher machen und unterwegs darfst du sogar über das Glück lachen.“

Welche Leserschaft wollen Sie ansprechen?

Ich habe beim Schreiben an alle Arbeitnehmer gedacht. An die Menschen, die ganz zufrieden sind, aber nicht wirklich glücklich. Ich vermute ja, dass es vor allem Frauen sind, denen dieser Punkt irgendwann bewusst wird. Gleichzeitig fragen mich auch Männer nach dem, was ich von den Wissenschaftlern gelernt habe. Profitieren kann jeder von der Wissenschaft vom Glück – vor allem so mancher Chef oder Teamleiter kann mit diesem Wissen seine Kollegen glücklicher und produktiver machen.

Was lesen Sie persönlich gerne/aktuell?

erschienen bei Rowohlt

Meine letzten Bücher waren tatsächlich zwei Werke, die sich mit dem Glück befassen.  Carline Mohr schickt in Küssen kostet extra ihre Protagonistin Fanny als Kellnerin in ein Bordell. Dort lernen wir verschiedene Charaktere kennen, die ihr Leben leben und ihre Kunden glücklicher machen, jedenfalls meistens. Und Fanny will am liebsten ihre Kollegen glücklicher machen. Das Buch ist übrigens autobiografisch inspiriert, die Autorin hatte einst genau diesen Job. Eine wirklich herrliche Bettlektüre.

erschienen bei Goldmann

Davor habe ich Anika Landsteiners Gehen um zu bleiben gelesen. Landsteiner erzählt von ihren Reisen um die Welt, und wie sie sich selbst dabei kennengelernt hat. Ich halte das für einen zentralen Punkt bei der Suche nach dem Glück: sich selbst kennenlernen. Das können wir aus ihrem Buch lernen.

 

In der vergangenen Woche sprachen wir mit dem Autorenpaar Sue&Wilfried Schwerin von Krosigk

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.