Sie hat es geschafft, den Verlag Klaus Wagenbach als unabhängige, private Institution, die sich ausschließlich der Qualität verpflichtet fühlt, in sicheres Fahrwasser zu leiten Susanne Schüssler ist Verlegerin des Jahres

Susanne Schüssler © Denise Sterr

Seit 1994 zeichnet BuchMarkt im Dezember den Verleger/ die Verlegerin des Jahres aus. In diesem Jahr fiel die Wahl der Jury, die sich ausschließlich aus den bisherigen Preisträgern zusammensetzt, auf Dr. Susanne Schüssler, Verlegerin des Verlags Klaus Wagenbach in Berlin. Sie leitet das 1964 von Klaus Wagenbach gegründete Unternehmen seit 2002.

Seither wurde das Programm internationaler, der neugierige Blick schweift nicht nur nach Italien, Frankreich und in die frankophonen Länder, sondern auch nach Spanien und vermehrt nach Lateinamerika. Es sind die Neuentdeckungen, für die die Lektoren brennen, und die spannendste Literatur kommt von den „Rändern“, wie es Susanne Schüssler formuliert. Damit meint sie Autoren, die in zwei Kulturen zuhause sind. Etwa die junge Österreicherin Milena Michiko Flašar, die ihre Romane in Japan, der Heimat ihrer Mutter, ansiedelt, und so Geschichten erzählt, die in ihrer Ferne ganz nah wirken. Sowohl Ich nannte ihn Krawatte als auch Herr Katō spielt Familie waren große Buchhandelserfolge. Es erscheinen mehr Bücher von Frauen, die junge deutschsprachige Literatur hat sich als fester Bestandteil des Programms etabliert – preisgekrönt und von der Presse hoch anerkannt. Und aus England kam der erste Bestsellerlistentitel der Verlagsgeschichte, Alan Bennetts geistreiche Erzählung Die souveräne Leserin, in der die Queen als passionierte Büchernärrin auftritt – in zehn Jahren wurden davon über 400.000 Exemplare verkauft. Aber auch das Sachbuchprogramm hat sich verändert: Lag der Fokus in der Kunstgeschichte früher vor allem auf der italienischen Renaissance, so erscheint jetzt eine 900-seitige Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Der Verlag pflegt den kontinuierlichen Kontakt zum Sortiment, zählt auf Buchhändlerinnen und Buchhändler, die z.B. ein ständiges SALTO-Regal einrichten (von den in dreißig Jahren erschienenen knallroten, fadengehefteten Leinenbänden sind über zweihundert, also mehr als die Hälfte lieferbar, und die Backlist der Reihe macht bis zu 80 Prozent des Umsatzes aus), die sich in den neuesten Wagenbach-Roman verlieben und ihn empfehlen. Wie in diesem Jahr Francesca Melandris Alle, außer mir, das von den unabhängigen Sortimentern zum Lieblingsbuch gewählt wurde: ein großartiger Familienroman vor dem Hintergrund der italienischen Kolonialgeschichte und ihren Folgen für unsere Zeit. „Das Buch der Stunde“, wie ttt kommentierte.

Susanne Schüssler ist die Verlegerin des Jahres 2018, weil sie es geschafft hat, den Verlag Klaus Wagenbach, gewissermaßen die Mutter aller Verlagsneugründungen der letzten 60 Jahre, als unabhängige, private Institution, die sich ausschließlich der Qualität verpflichtet fühlt, in sicheres Fahrwasser zu leiten.

Ein ausführliches Porträt der Verlegerin des Jahres lesen Sie in der Dezember-Ausgabe von BuchMarkt, die morgen erscheint. Hier geht es zum ePaper. Und hier finden Sie die Verleger und Verlegerinnen der Vorjahre.  

 

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