Dita Zipfel erhält den Korbinian – Paul Maar-Preis für junge Talente Großer Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur geht an Heinz Janisch

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur gibt ihre diesjährigen Literaturpreise bekannt: Die Akademie verleiht den von der Unterfränkischen Kulturstiftung des Bezirks Unterfranken in Höhe von 5.000 Euro gestifteten Großen Preis an den Schriftsteller Heinz Janisch. Zur Begründung erklärt die Akademie:

„Still sein und lesen. Das sind schöne Stunden. Man liest – und ist alles gewesen. Man hat nichts gesucht – und hat alles gefunden.“ So lautet eines der schönsten Gedichte von Heinz Janisch1, der im Januar 2020 seinen 60. Geburtstag gefeiert hat. In Würdigung seines umfassenden und vielseitigen kinderliterarischen Schaffens erhält Heinz Janisch, einer der wichtigsten österreichischen Lyriker der Gegenwart, den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.

Heinz Janisch, 1960 im Burgenland geboren, begann schon als Kind damit, Geschichten für Kinder zu schreiben, seine seit dem Ende der 1980er-Jahre erscheinenden zahlreichen Werke, und hier in erster Linie illustrierte Erzählungen und Gedichtbände, wollen bei den Kindern (und auch den Erwachsenen) ein Bewusstsein für die vielen Facetten von Sprache wecken und ihnen zugleich die Scheu vor Gedichten nehmen. Ein Konzept, das offensichtlich von großem Erfolg gekrönt ist, denn in den vergangenen 30 Jahren ist Heinz Janischs Werk mit wichtigen Literaturpreisen ausgezeichnet worden, darunter mit dem Österreichischen Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur, dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis, dem Bologna Ragazzi Award sowie dem Österreichischen Kunstpreis für Kinder- und Jugendliteratur, und zudem – bei Lyrik immer noch eine Seltenheit – in zahlreiche Sprachen übersetzt worden.

In seinen Gedichten und Erzählungen bringt Janisch zeitlose Themen aus der Lebenswelt von Kindern in poetischer Weise zur Sprache: die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Glück, der Traum jemand ganz anderes zu sein, die Bedeutung von Freundschaft, auch zwischen den Generationen, Angst haben und mutig sein, Schutz suchen und Beschützer sein. So breit sich das Spektrum von Heinz Janischs Themen gestaltet, so groß ist auch die Bandbreite der Gattungen: Lyrik und kurze Prosaformen, darunter Kurz- und Kürzestgeschichten, religiöse und biblische Erzählungen, Tiermärchen. Wollte man versuchen, Heinz Janischs Werk auf einen Nenner zu bringen, so wäre es die überbordende künstlerische Gestaltungskraft, die alle seine Texte in einzigartiger Weise auszeichnet. Sie vor allem hat dazu beigetragen, dass Heinz Janisch neben Kindern auch immer Erwachsene zu seinen begeisterten Leser:innen rechnen konnte.

Mit dem Volkacher Taler werden in diesem Jahr Heidemarie Brosche und Prof. Dr. Dr. h. c. Kaspar Spinner ausgezeichnet. Dazu die Akademie:

Heidemarie Brosche war rund 40 Jahre als Lehrerin in der Haupt- bzw. Mittelschule tätig. Ihr Augenmerk gilt insbesondere der Heranführung von Kindern und Jugendlichen an Kinder- und Jugendbücher, die auf die Bedürfnisse der jungen Leser:innen inhaltlich und sprachlich abgestimmt sind und sie in ihrer Lebenswirklichkeit abholen. Aus diesem Grund hat sie sich 1989 entschieden, selbst Autorin zu werden. Seither sind zahlreiche Erzählungen, Sachbücher, Ratgeber, Unterrichts- und Lernmaterialen erschienen, die sich sowohl an Kinder und Jugendliche als auch an Erwachsene richten.
Ihre Leidenschaft gilt der Leseförderung und Bildungsgerechtig- keit aller Kinder und Jugendlichen, insbesondere derjenigen mit Schul- und Lernschwierigkeiten (www.lesezündstoff.de). Für ihr Engagement in der Leseförderung in Haupt- und Mittelschulen ist sie von der Akademie bereits 2010 für ihr Schul- und Buchprojekt HEAVEN, HELL & PARADISE (Wissner Verlag) ausgezeichnet worden.
Der Akademie ist sie all die Jahre stets eine verlässliche Partne- rin bei Lesungen, Fortbildungsveranstaltungen, Seminaren sowie Sonderprojekten, beispielsweise Wie der Löwe ins Kinderbuch flog. Geheimnisse erfolgreicher Kinder- und Jugendbuchautoren (edition zweihorn 2011) gewesen. Dies gilt es zu würdigen.

Der 1941 im schweizerischen Biel geborene Germanist Kaspar Spinner zählt in Deutschland zu den bekanntesten Literaturdidaktikern seiner Generation. 1968 an der Universität Zürich von Emil Staiger promoviert, lehrte Kaspar Spinner als Professor für Germanistik sowie Didaktik der deutschen Sprache und Literatur seit Mitte der 1970er-Jahre an den Hochschulen in Kassel und Aachen sowie zuletzt an der Universität Augsburg.

Einen Schwerpunkt in seinen zahlreichen literaturdidaktischen Veröffentlichungen bildete die Auseinandersetzung mit handlungs- und produktionsorientierten Verfahren, an deren Etablierung innerhalb der Deutschdidaktik er in maßgeblicher Weise beteiligt war. Eine breite Rezeption erfuhren vor allem Spinners Arbeiten zur Lesekompetenz sowie die von ihm entwickelten „Elf Aspekte literarischen Lernens“ über das literarische Lernen mit (kinder- und jugend-)literarischen Texten. Für seine großen Verdienste um die Literaturdidaktik wurde Kaspar Spinner bereits 2011 mit der Ehrendoktorwürde der Pädagogischen Hochschule Weingarten ausgezeichnet; nun ehrt ihn die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur mit dem Volkacher Taler des Jahres 2020. Der Akademie stand er als Referent stets aufgeschlossen gegenüber, wofür wir ihm sehr herzlich danken.

Bereits zum elften Mal hat die Akademie den Korbinian – Paul Maar-Preis für junge Talente ausgeschrieben. Auch in diesem Jahr stiften der Kinderbuchautor Paul Maar und das Bayernwerk das Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro. Im Jahr 2020 wird der Preis der Autorin Dita Zipfel für ihren Roman Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte (illustriert von Rán Flygenring, Hanser 2019) zuerkannt (zur Nominierungsliste geht es hier). Die Akademie:

Dita Zipfel wurde 1981 im Norden geboren, kurz darauf in den Süden verfrachtet, um von dort wieder in den Norden aufzubrechen. Jetzt lebt sie mit ihrer Familie und unzähligen Ideen im Süden Frankreichs im kleinsten Schloss und im Norden Deutschlands in der größten Besenkammer der Welt. In ihrem Roman „Wie der Wahnsinn mir die Welt erklärte“ geraten wir mitten in die Welt der 13-jährigen Lucie. Und Lucie ist völlig genervt: von ihrem Zuhause, dem neuen Freund der Mutter und von ihrer Mutter selbst. Klug, sensibel und humorvoll erzählt Dita Zipfel von der Phase zwischen Kindsein und Jugend, von den Wirrungen der ersten Liebe, den Veränderungen im Leben sowie der Suche nach Wahrheit. Dafür wählt sie ein ungewöhnliches und starkes Figurenensemble, eine einzigartige Sprache voller Ironie sowie schrägen Illustrationen, die der Geschichte weitere Perspektiven eröffnen. Ein Roman, der einer Achterfahrt ähnelt und neue Akzente setzt: temporeich, innovativ!

Die Vergabe der Auszeichnungen findet am Freitag, 20. November 2020, um 18 Uhr in der Mainschleifenhalle in Volkach statt. Coronabedingt wird neben dem Großen Preis und den Volkacher Talern auch der Paul Maar-Preis 2020 ausnahmsweise an seinem Geburtsort Volkach verliehen. Die Laudatio auf Heinz Janisch spricht Arne Rautenberg, Träger des Josef Guggenmos-Preises 2016. Die musikalische Gestaltung übernimmt der Gitarrist Johannes Öllinger.

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