Dotiert mit insgesamt 36.000 Euro 12. Internationaler Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt: Die Preisträger stehen fest

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW), die Stiftung Elementarteilchen und die Jury haben sich entschieden, im Ausnahmejahr 2020 nicht ein einzelnes Buch auszuzeichnen, sondern alle sechs Titel der Shortlist gleichermaßen:

  • Glückliche Fälle von Yevgenia Belorusets, aus dem Russischen von Claudia Dathe (Verlag Matthes & Seitz Berlin, 2019)
  • Der Zirkel der Literaturliebhaber von Amir Hassan Cheheltan, aus dem Farsi von Jutta Himmelreich (Verlag H.Beck, 2020)
  • Die Sanftmütigen von Angel Igov, aus dem Bulgarischen von Andreas Tretner (Verlag eta, 2019)
  • Was für ein Wunder von James Noël, aus dem Französischen von Rike Bolte (Verlag Litradukt, 2020)
  • Das Weinen der Vögel von Chigozie Obioma, aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner (Verlag Piper, 2019)
  • Geile Deko von Isabel Waidner, aus dem Englischen von Ann Cotten (Verlag Merve, 2019)

Die Shortlist wurde heute in der Sendung Lesart im Programm von Deutschlandfunk Kultur bekanntgegeben. Der Preis ist mit 36.000 Euro dotiert, die Preisträgerinnen und Preisträger erhalten jeweils 3.000 Euro.

Statement der Jury: „Was für ein Wunder, Der Zirkel der Literaturliebhaber, Glückliche Fälle, Die Sanftmütigen oder Geile Deko: Die meisten Bücher, die in diesem Jahr auf der Shortlist des Internationalen Literaturpreises stehen, tragen versöhnliche, hoffnungsvolle und sogar enthusiastische Titel. Wenn sich auch in Yevgenia Belorusets Glückliche Fälle nicht alle Fälle als so glücklich erweisen, und wenn in Angel Igovs Die Sanftmütigen nicht unbedingt jeder Nachsicht walten lässt, so haben sie alle doch mit Chigozie Obiomas Das Weinen der Vögel eines gemein: Sie zeigen uns die Welt als großen Möglichkeitsraum, in dem nicht alles auf Reproduktionszahlen heruntergerechnet werden kann. Sie zeugen von der großen Vielstimmigkeit der Welt, egal in welcher Sprache geschrieben wird, denn jedes der sechs Bücher hat dank der jeweiligen Übersetzerin, dem jeweiligen Übersetzer einen eigenen Ton und eine ganz eigene sprachliche Gestalt. Ob es um die Siegerjustiz in Bulgarien 1944 geht, um das große Erdbeben von Haiti oder eine Liebe in Nigeria: Was die sechs ausgezeichneten Bücher miteinander verbindet, ist ihre erzählerische Qualität, die jeweils sehr spezifische Art und Weise, wie sie ihre Gegenstände fassen. Sei es durch ein kollektives Erzähler-Wir, sei es in Bezug auf die klassische persische Poesie oder im Dialog mit den Text begleitenden Fotografien.

In einer Zeit, in der so deutlich wird, wie sehr es auf Solidarität ankommt, sei es auf zwischenmenschlicher, sei es auf globaler Ebene, war es der Jury wichtig, anstatt einen der Titel gesondert herauszuheben, die gesamte Shortlist als Konstellation von sechs ausgezeichneten Büchern aufzufassen und das Preisgeld unter allen aufzuteilen. Der Internationale Literaturpreis gilt also in diesem Jahr einer Art Kammerchor, der immerhin vier Kontinente einschließt: Afrika, Asien, Europa und Nordamerika.

Mit Blick auf die Gegenwart und mit Blick in die Geschichte erzählen unsere sechs Bücher davon, wie Menschen mit Konflikten umgehen, wie sie an ihnen wachsen und scheitern, wie sie sie herbeiführen und von ihnen überrollt werden. Das tun sie mal leise, mal komisch, mal schräg und mal laut, aber vor allem tun sie dies so erschütternd wie erhellend. Was für ein Wunder, was für ein glücklicher Fall.“

Die Jury 2020: Robin Detje, Heike Geißler, Tobias Lehmkuhl, Verena Lueken, Daniel Medin, Elisabeth Ruge und Daniela Seel.

Weitere Informationen zum Internationalen Literaturpreis unter: hkw.de/literaturpreis

 

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