Für den Roman "Was für ein Wunder" (litradukt-Verlag) James Noël wird zusammen mit der Übersetzerin Rike Bolte mit dem Internationalen Literaturpreis 2020 ausgezeichnet

Diese Entscheidung für den ersten Roman Was für ein Wunder des haitianischen Dichters James Noël begründet Jurymitglied Heike Geißler so: „Was für ein Wunder zeigt sich in jedem Wort als Insistieren auf Poesie, Liebe und Selbstbehauptung. Auf die Erschütterung des Erdbebens, das Haitis Hauptstadt Port-au-Prince 2010 zerstörte und bis zu 500.000 Todesopfer forderte, folgen andere: Katastrophenökonomie, Medienschlacht, Cholera. James Noël hat einen Battle von Mensch gegen Erde, Bevölkerung gegen Hilfsorganisationen geschrieben und legt es in jeder Zeile darauf an, den Katastrophen und der Berichterstattung darüber die eigene Stimme entgegenzusetzen. Rike Boltes umsichtiger, um Grenzen und Möglichkeiten wissender Übersetzung ist es zu verdanken, dass Noëls sprachgewaltiges und zugleich leichtfüßig anmutendes Ringen, seine präzise, unermüdliche Anklageschrift auch in deutscher Sprache empowernd und nachhaltig beeindruckend auftritt.“

Der Preis wird heute im Haus der Kulturen der Welt in Berlin verliehen. Er ist mit 3.000 Euro dotiert, einem Sechstel der gesamten Preissumme, die in diesem Jahr an alle Bücher der Shortlist geht.

Die Jury begründet das so: „In einer Zeit, in der so deutlich wird, wie sehr es auf Solidarität ankommt, sei es auf zwischenmenschlicher, sei es auf globaler Ebene, war es der Jury wichtig, anstatt einen der Titel gesondert herauszuheben, die gesamte Shortlist als Konstellation von sechs ausgezeichneten Büchern aufzufassen und das Preisgeld unter allen aufzuteilen. Der Internationale Literaturpreis gilt also in diesem Jahr einer Art Kammerchor, der immerhin vier Kontinente einschließt: Afrika, Asien, Europa und Nordamerika. Mit Blick auf die Gegenwart und mit Blick in die Geschichte erzählen unsere sechs Bücher davon, wie Menschen mit Konflikten umgehen, wie sie an ihnen wachsen und scheitern, wie sie sie herbeiführen und von ihnen überrollt werden. Das tun sie mal leise, mal komisch, mal schräg und mal laut, aber vor allem tun sie dies so erschütternd wie erhellend. Was für ein Wunder, was für ein glücklicher Fall.“

 

 

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