Perspektiven Was sollte 2020 (oder wenigstens in diesem Jahrzehnt) passieren?

Sabine Kahl: „Könnte es nicht endlich auch einen neuerlichen Versuch der Zusammenarbeit zwischen KNV Zeitfracht und LIBRI beim Einsatz der Wannen geben?“

Sabine Kahl, Inhaberin der Schmargendorfer Buchhandlung in Berlin, hat sich Gedanken gemacht, welche Themen aus Sicht des unabhängigen Buchhandels jetzt anstehen – „für 2020 (oder wenigstens in diesem Jahrzehnt“: 

Im Angesicht von Klima-Krise und der Suche nach Nachhaltigkeit sind zweifellos schon eine Menge Anstrengungen auf den Weg gebracht worden, auch in der Buchbranche. Eine ebenso naheliegende wie wirksame Option wurde m.W. bisher nicht thematisiert: Die Belieferung in den Wannen der Barsortimente LIBRI und KNV Zeitfracht. Ganz frei von Pappe und immer wieder verwendbar.

Erfreulicherweise können die beiden Auslieferungen VVA und Prolit seit einiger Zeit die Wanne von LIBRI einsetzen, so dass wir unsere Warenbezüge aus diesen Auslieferungen nur dann in Papp-Verpackung erhalten, wenn wir – selber Schuld – eine Kleinst-Bestellung ausgelöst haben. Leider hat die Auslieferung der HGV-Verlage Sigloch zwar nach langem Drängen eine (erfolgreiche) Test-Belieferung in der LIBRI-Wanne mit uns realisiert und testet jetzt nach eigenen Worten mit weiteren Kunden, aber ich rechne mit weiterer Wartezeit bis ein Angebot von dieser Auslieferung in die Praxis kommt.

Übergreifend stelle ich mir die Frage, ob es nicht endlich auch einen neuerlichen Versuch der Zusammenarbeit zwischen KNV Zeitfracht und LIBRI beim Einsatz der Wannen geben könnte. Wir schicken unsere Remissionen an KNV Zeitfracht-Verlage seit geraumer Zeit in LIBRI-Wannen an KNV Zeitfracht und dieser Weg scheint zu funktionieren. Könnte KNV Zeitfracht uns nicht umgekehrt auch in LIBRI-Wannen beliefern?

Selbst wenn das nicht ginge (und es sollte mit dem neuen Eigentümer von KNV Zeitfracht keine Frage von Animositäten mehr sein), würde ich auch gerne die KNV Zeitfracht-Wanne nehmen – Hauptsache, die elende Pappe würde mir erspart. Zumal die KNV Zeitfracht Verlagsauslieferung Papp-Kartons verwendet, die nach einmaliger Nutzung wirklich nur noch entsorgt werden können – was für ein ökologischer Schwachsinn!! Bitte, setzt Euch zusammen und versucht, eine Lösung für unser Klima zu finden.

Sollte es an der Frage der Anschaffungskosten zusätzlicher Mengen dieser Wannen „klemmen“, wäre ich (wie sicher viele andere Sortimenter auch) gerne bereit, mit meiner Jahres-Ersparnis an Entsorgungskosten für Pappe in Höhe von € 500,- behilflich zu sein.

Gerade werden die neuesten Zahlen zum Thema Preis-Entwicklung kommuniziert und zufrieden festgestellt, daß in 2019 immerhin knapp 2% Steigerung erreicht werden konnten. Liebe Verleger, das ist viel zu wenig!! Da ich selber viele Jahre an Preisfindungs-Runden in unterschiedlichen Verlagen teilgenommen und die vielfältigen Überlegungen, die dort angestrengt werden, bestens in Erinnerung habe, erlaube ich mir, hier die Sicht einer stationären Sortimenterin zu formulieren:

Meine Miete steigt jährlich, meine Strom- und Heizkosten steigen jährlich, die Transportkosten steigen und hin und wieder wollen auch meine Mitarbeiter mal eine Gehaltserhöhung haben: Das ist mit 2% Preis-Steigerung leider nicht abzubilden. Haben Sie den Mut, bei den Titeln, deren wahrscheinlichster und dominanter Absatzweg der Buchhandel ist, die Preise deutlich anzuheben!! Bei Büchern, die sie für den LEH oder den Bahnhof produzieren können Sie ja gerne die dort geforderten Preispunkte einhalten. Verzichten sie bei dieser Gelegenheit gleich auch darauf, Preise auf 99 Cent enden zu lassen – die stationären Händler zahlen satte Gebühren bei den Banken für das Beschaffen und Vorhalten von Münzgeld, was bei den kleinsten Münzen besonders ärgerlich ist!

Und wenn sie sich schon an Preis-Steigerungen heranwagen, tun sie es mit Nachdruck. Denn sie sollten in Zukunft die Lieferung ihrer Bücher an das Sortiment nicht nur in einer Wanne der Bücherwagendienste durchführen, sondern auch portofrei liefern. So, wie sie alle ja auch Amazon von Anfang an portofrei beliefert und damit ein Scherflein zum ungebremsten Wachstum dieses Marktteilnehmers beigetragen haben. Nur sie können die steigenden Kosten „einpreisen“, dann tun sie es bitte auch gleich richtig.

Ich bin sicher, daß die Bücherwagendienste, die der Branche ja sehr günstige Transportkosten ermöglichen, auch Verlage als Auftraggeber abrechnen können, sie müssen also nicht mit den Kosten von DHL oder anderen Anbietern kalkulieren.

Sabine Kahl

 

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