Kaffeehaussitzers Netzrückblick Fundstücke aus den Literaturblogs – März 2020

Uwe Kalkowski

Vor einem Monat beendete ich den Netzrückblick des Monats Februar 2020 mit den Sätzen »Die Leipziger Buchmesse steht vor der Türe und vielleicht sieht man sich dort. Ich würde mich freuen.« Es sollte nicht sein; seitdem hat sich die Welt verändert und alles ist anders geworden. Die Corona-Krise hat unsere Branche schwer getroffen und niemand von uns weiß, was die Zukunft bringen mag.

Dieser Rückblick mit Fundstücken aus den Literaturblogs wird sehr kurz; ich stelle diesmal nur sieben Texte vor, die sich aber auf unterschiedlichste Art und Weise mit der aktuellen Situation auseinandersetzen.

Einen äußerst lesenswerten Blogbeitrag gibt es auf Zeichen & Zeiten. Unter dem Titel »Im Kokon – Gedanken zur Zeit« schreibt Constanze Matthes über ihren persönlichen Umgang mit den Herausforderungen der Krise. Und berichtet über die Chancen, die die Verlagerung des kulturellen Lebens ins Digitale bieten kann.

Blogger Marius Müller möchte auf Buch-Haltung das Jahr 2020 umgehend in die Tonne befördern. Vor allem, aber nicht nur wegen des Corona-Virus. Auch aus ein paar unterschiedlichen Gründen mehr …

Tobias Nazemi erläutert auf buchrevier sieben Gründe, warum die Corona-Krise vielleicht auch eine Chance für die Buchbranche sein kann.

Im Blog 54Books gibt es zwei empfehlenswerte Texte. Bloggerin Isabella Caldart hat dort einen Gastbeitrag veröffentlicht, in dem sie über den Corona-bedingten kompletten Zusammenbruch der US-amerikanischen Indie-Buchhandelsszene berichtet. Es sind dramatische Zahlen.

Ebenfalls auf 54Books findet sich eine Momentaufnahme mit dem Titel »Wie betrifft die aktuelle Situation Menschen im Kulturbetrieb«. Hierzu wurden die unterschiedlichsten Stimmen eingefangen, u.a. berichten John Cohen, Leona Stahlmann, Benjamin Quaderer oder Ulla Lenze von ihrer momentanen Lage.

In ihrem Blog Fräulein Julia hat Julia Schmitz eine Lektüreliste mit Buchtipps zusammengestellt – alle Titel beschäftigen sich auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema Social Distancing. Auf jeden Fall ein interessanterer Ansatz, als jetzt Camus‚ »Die Pest« zu empfehlen – und es ist eine sehr interessante Bücherliste zusammengekommen.

Eine weitere Lektüreliste gibt es im Blog Poesierausch. Dort hat Stefan Diezmann über Bücher zum Thema Flucht und Migration geschrieben – denn auch wenn uns das Corona-Virus gerade ziemlich in Schach hält, gibt es auch andere Themen, die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Daher schließe ich den Netzrückblick mit dieser Leseempfehlung.

Wie angekündigt, ist die Kolumne kürzer ausgefallen als sonst, doch ein Business-as-usual-Netzrückblick ist diesmal nicht möglich gewesen. Vielleicht noch ein zumindest etwas tröstlicher Gedanke zum Schluss: Noch nie waren quer durch alle Medien so viele Aufrufe zu lesen, im Buchhandel vor Ort zu kaufen – hoffen wir, dass diese Erkenntnis auch nach der Krise bestehen bleibt.

Ich wünsche uns allen, dass wir diese Zeit gut überstehen. Bitte bleiben Sie gesund.

Uwe Kalkowski ist seit über 25 Jahren in der Buchbranche tätig und kennt sie aus unterschiedlichen Perspektiven: Als Buchhändler, als Absolvent des Studiengangs Verlagswirtschaft in Leipzig und als Mitarbeiter verschiedener Verlage. Seit August 2019 arbeitet er als Produktmanager für den Eichborn Verlag. In seinem Blog Kaffeehaussitzer schreibt er über Bücher, Literatur und Leseerlebnisse und stellt in der monatlichen Kolumne »Kaffeehaussitzers Netzrückblick« auf buchmarkt.de lesenswerte Fundstücke aus den unterschiedlichsten Literaturblogs vor. „Vollkommen subjektiv, handverlesen und rein persönlich ausgewählt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit, denn eine solche kann es in einer so vielschichtigen Szene gar nicht geben“, wie er sagt.

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