Beckmann kommtiert Es gibt nichts Gutes, außer man tut es: Wie der Börsenverein der ganzen Branche mit gutem Beispiel vorangegangen ist und Gutes getan hat, indem er den Friedenspreis an Jaron Lanier für „Wem gehört die Zukunft?“ verleiht

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist der bedeutendste Literaturpreis unseres Landes, mit einer Ausstrahlung weit über die Grenzen unseres Landes hinaus. In diesem Jahr wird er einem Autor verliehen, der seiner besonders würdig ist, für ein Buch, das dem Sinn und Zweck dieses Friedenspreises in außergewöhnlicher Weise dient. Denn Jaron Lanier engagiert sich mit seinem Werk Wem gehört die Zukunft? (Hoffmann und Campe) für die Rückgewinnung und Wahrung geistiger und bürgerlicher Freiheiten wie der gesellschaftlich notwendigen Grundlagen zur Existenzsicherung und Möglichkeit eines Lebens in Freiheit und Würde für alle – für den sozialen Frieden, der durch den blindwütigen Techno-Imperialismus der heutigen Internet-Industrie weltweit massiv bedroht ist und – wenn er nicht in die Schranken gewiesen wird –, vorab in den USA, global schon bald zerbrechen könnte.

Mit dieser Botschaft – einer philosophisch, politisch, wirtschaftswissenschaftlich und soziologisch solide und breit fundierten – Botschaft erweist sich das Buch wieder einmal als Kernmedium auch in heutiger Zeit. Als unabhängiger, vom Konformismus im Kielwasser von industrial-military-political Systemkomplexen unberührt funktionierender Generator zur Erzeugung von Kernenergien für die Ingangsetzung von Richtungsänderungen in der öffentlichen Meinung, wenn sie massiv fehlorientiert und missgeleitet wird – wie zur Zeit durch die IT-Industrie, ihre Lobbyisten und Propagandisten wie der Massenmedien von Presse und Rundfunk bis Fernsehen, wie es Glenn Greenwald in seinem Werk Die globale Überwachung [mehr…] beschreibt.

Laniers Wem gehört die Zukunft? entlarvt die IT-Industrie in ihrer gegenwärtigen Form und Entwicklung, die sich als Anführer einer revolutionären Bewegung mit dem Ziel einer Befreiung des gemeinen Mannes von den Ausbeuter-Strukturen des noch existenten kapitalistischen Produktions- und Handelssystems aufführen, als totalitäre soziale Blutsauger mit einer Raffgier und Reichtumsmanie, die mit den Allmachtsphantasien der gewinnsüchtigen modernen Finanzwelt vergleichbar ist (die eben auch mit IT-Technologien und Algorithmen operiert). Die IT-Industrie maskiert sich als Interessenvertreter der Bevölkerung, die sie – wie Lanier eindringlich aufzeigt, in die Verarmung führt.

Mit Wem gehört die Zukunft? erweist sich das gute alte Buch erneut als wesentliches Instrument und Rüstzeug wahrer Demokratie – der, wenn auch keineswegs perfekten, so doch besten politischen und wirtschaftlichen, und darum unverzichtbaren Gesellschafsform. Nur ein Buch – so ein Buch – kann die IT-Macher und –Propheten, die sich zu Garanten eines demokratischen Empowerment, zum Wegbereiter der demokratischen Teilhabe aller Menschen aufgeschwungen haben, als politische und soziale Bankrott-Präparatoren an den Pranger stellen – als falsche Profeten, als Verführer, welche die Menschheit an den Abgrund führen. (Hat der verbissene Kampf des Online-Konzerns Amazon gegen das traditionelle, gedruckte Buch vielleicht auch damit zu tun?)

Nur freie, unabhängige Autoren – die kreativen Arbeiter und gediegenen Handwerker des öffentlichen geistigen Lebens, denen Amazon in den USA zur Zeit mit allen Mitteln das Handwerk legen will – können Leuchttürme und Garanten der Demokratie und eines Daseins in Würde sein. Jaron Lanier ist das Musterbeispiel eines solchen Autors.

Mit der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels an Jaron Lanier hat der Börsenverein sich an die alte Maxime gehalten: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Er hat genau das Richtige im richtigen Moment getan.

Es wäre gut und richtig und wichtig, wenn nun auch alle Buchhändler im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Richtige für die Zukunft des Buches tun würden – indem sie dieses Buch
auch unters Volk bringen.

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