Der Messe-Mayer Der Messe-Mayer Leipzig 2017 Tag 3 von 5

 

Endlich mit Klaus Schöffling!

 

 

 

Liebe Freunde,

 

herzlich willkommen zu meinem Freitag an Ihrem Samstag. Samstag bedeutet den Personen-Overkill, denn als publikums- und jugendfreundliche Messe, die zugleich auch der Manga-Comic-Con und ihrem Publikum ein Dach bietet, wird es am Wochenende richtig, richtig voll. Und Sie sind bereits mitten drin.

Aber ich noch nicht, denn ich muss erst meinen Freitag von der Festplatte putzen. Aber so ist eben „Leipzig liest“: Messe allüberall.

Mehr als einen Tisch und ein paar Getränkekisten braucht es nicht, und schon hat man eine Lesung.

 

Sogar eine Flasche Wasser steht auf dem Tisch!

 

Der Freitag und sein Wetter hätten schöner nicht anfangen und enden können. Ich weiß nicht, wie es da war, wo Sie gerade sind, aber hier in Leipzig war herrlichstes, blaubewölktes Frühlingswetter.

 

„Kaiserwetter“ darf man laut Definition erst sagen, wenn die Wolken weg sind.

 

 

 

Also mindestens ein Musikantenwetter war das.

 

 

Allerdings herrscht auch in den Hallen selbst nicht durchgehend Sonnenschein. Im Gegenteil erwartet mich ein gerechtes Donnerwetter, weil ich wieder mal frech war. Bei BLV zieht man mir die Ohren lang, weil ich ein Foto des leeren Standes als paradiesische Stille mit Abwesenheit aller Damen begründet habe.

Und das geht gar nicht. Ich bitte sehr um Entschuldigung, krieche zu Kreuze und werde den Redakteur finden, der diese Meldung nicht verhindert hat.

Bitte entschuldigt, BLV.

 

Auuu! Auuuuu! (In Wahrheit erregt es mich ein wenig)

 

Ich hoffe, ich darf auch in Zukunft noch Gast bei Euch sein und alle Häppchen kosten.

 

 

Neue Messefee

Oh je. Leider musste ich mich von meiner alten Messefee verabschieden. Leute wie ich brauchen natürlich immer eine Messefee. Das ist jemand, der immer ein kaltes oder heißes Getränk, einen guten Rat, eine Information, einen neuen Kontakt oder einen Weg, der zu Nahrung führt, parat haben. Früher war das die unersetzliche Maren Ongsiek, Sales Managerin von der Frankfurter Buchmesse.

Doch leider hörte Frau Ongsiek auf eigenen Wunsch bei der Messe auf. Und damit also auch bei mir. Soll sie doch gehen.

 

Da brauchen Sie gar nicht zu heulen, das war ja Ihr eigener Wunsch. Auf Wiedersehen.

 

Dafür habe ich nun beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels eine neue, jüngere und bessere Messefee gefunden: die neue Leiterin Ressort Buchhandlungen, Maren Ongsiek!

 

 

So jemanden brauche ich. Da kann die alte Messefee sich eine Scheibe abschneiden.

 

 

Ich bin mir nur nicht mehr sicher, ob das Ressort Buchhandlungen den Titel Messefee noch rechtfertigt. Von der Messe zum Börsenverein, das macht Frau Ongsiek nunmehr zu meiner: Branchenfee.

Ich freue mich auf die interessanten Begegnungen mit der neuen Leiterin Ressort Buchhandlungen beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

So ähnlich wie bei Gandalf, der als Gandalf der Graue ging und als Gandalf der Weiße zurückkam.

 

Apropos Mittelerde: Zu uns an den Tisch setzte sich der Berliner Unternehmensberater Dieter Durchdewald. Der Mann hat mir total Angst gemacht, als er sagte, dass wir ein Nachhaltigkeitsproblem haben.

Ich hasse es, wenn Leute eine Diskussion mit einer Unumstößlichkeit anfangen. So als würde ich einen Raum betreten und sagen: „Die Abhängigkeit von Sauerstoff ist es doch, die uns zum Atmen zwingt.“

 

sagte der Mann mit dem Entenhausener Namen

 

Und später sagte er dann noch ganz entschlossen „Ich habe noch einen Apfel in der Tasche.“ Das fand ich wiederum sehr lustig.

Ich fragte, ob das eine Redewendung sei, ein Regiolekt, den man mir erklären müsse. Vielleicht so etwas wie Trumpf im Ärmel oder As im Schuh oder so.

 

Und dann holte er diesen Apfel aus seiner Tasche.

 

Ich habe noch einen Selfie versucht, der aber auf charmante Art misslungen ist:

 

 

Erstens verdecke ich den Entenhausener, und zweitens gucken Sie nur, wie Frau Ongsiek lugt!

 

 

Und wie könnte es anders sein, wird Herr Durchdewald sogleich vom nächsten Störenfried abgelöst. Mein Messeleibarzt, der Medizinalrat Dr. Johannes Monse ist überraschend auf dieser Messe und an Frau Ongsiek aufgetaucht!

 

Und schon war er auch wieder weg.

 

Herr Monse ist nun Vertriebsleiter bei readbox unipress. Der ehemalige Verleger hat durch die IG-Wort-Regelung den Verlag Monsenstein & Vannerdat verloren, und wir vermissen ihn und Herrn van Endert sehr.

 

 

Interview mit Volker Kutscher

Die Gereon-Rath-Krimis im Verlag Kiepenheuer & Witsch sind längst keine Geheimtipps mehr. In Zeiten, wo alle Krimis aus den Alpen, aus dem Allgäu, von der Ostsee oder der Nordsee kommen, kommen seine Krimis aus der Weimarer Republik.

Wir schreiben das Jahr 1929, es ist die Zeit der Moderne und der Wunder. Manche haben sogar schon eines dieser neumodischen Telefone, andere besitzen ein Automobil. Berlin 1929 ist ein Babylon, und ausgerechnet der Westfale Volker Kutscher nimmt uns seit zehn Jahren mit dorthin.

Bei KiWi ist nun mit Lunapark der sechste Band erschienen. BuchMarkt las den ersten und traf Kutscher am Stand.

 

 

BuchMarkt: Wenn man vor einem Interview nur ein einziges Buch von Ihnen gelesen haben sollte, welches wäre wichtiger: der erste Gereon Rath oder jetzt der aktuelle, sechste?

Volker Kutscher: Der erste Gereon Rath mag nicht mein bestes Buch sein, aber vielleicht doch mein wichtigstes, weil die Serie da beginnt. Wenn Leute mich um Empfehlungen bitten, sage ich immer „Der nasse Fisch“. Fangt vorne an.

Warum?

Auch wenn es abgeschlossene Kriminalfälle sind, gibt es in den 30er Jahren ja genügend historische und politische Veränderungen oder charakterliche Entwicklungen in den Figuren, die von Band zu Band geschehen. Und da ist es sinnvoll, vorne anzufangen.

Sinnvoll schon, aber ich will ja auch wissen, welchen Band Sie unabhängig von der Reihenfolge selber am liebsten mögen.

Auch „Der nasse Fisch“. Das erste Baby aus einer Reihe bleibt immer ein Liebling, auch wenn ich ein paar Dinge heute anders schreiben würde.

Dann liege ich wenigstens richtig, denn ich habe für dieses Interview den „Nassen Fisch“ gelesen und nicht den „Lunapark.“

Da trifft es sich doch gut, dass „Der Nasse Fisch“ gerade als Graphic Novel herausgekommen ist! Somit hat es wieder an Aktualität gewonnen.

Wie hat Ihnen die Graphic Novel gefallen?

Sehr gut. Das PDF habe ich ja selber auch zuhause auf dem Rechner, aber ich habe es heute zum ersten Mal in physischer Form gesehen, also als echtes Buch in der Hand gehabt. Aus Papier ist es noch viel schöner, die haben auch ein wunderbares Papier gewählt, ein tiefes, sattes Schwarz, wirklich ein Genuss.

Hat der Zeichner eng mit Ihnen zusammengearbeitet?

Ja, Arne Jysch und ich, wir kennen uns ohnehin schon etwas länger. Gerade am Anfang haben wir eng zusammengearbeitet. Ich habe ihm meine Berlin-Bildbände zur Verfügung gestellt, er hat mir seine frühen Skizzen gezeigt, seinen ersten Entwurf; was fliegt raus, was macht er anders? Das hat er alles sehr geschickt gelöst und in eine Bilderzählung übertragen.

Haben Sie sich über das Aussehen der Figuren beraten?

Nur ein bisschen, aber ich habe ihm das überlassen. Ich kenne und mag ja seinen Stil.

Sie sagten, das sei nur am Anfang so gewesen. Und nach dieser Phase?

Irgendwann hat er sich dann zurückgezogen. Monatelang. Und nur gezeichnet, gezeichnet und gezeichnet. Er ist in Klausur geblieben, bis er dann fertig war.

Hat man mit Pedanten zu tun, sobald man historisch schreibt?

Ab und zu bekommt man Leserbriefe in dieser Art, ja. Aber ich finde es in historischen Themen sehr sinnvoll, korrigiert zu werden. Wo es sinnvoll und machbar war, habe ich Fehler in der nächsten Auflage auch geändert.

Und wo nicht?

Wenn ich eine Sache absichtlich so schreibe, dass es der Erzählung dient. Ich will natürlich schon die damalige Zeit so genau wie möglich abbilden, also stimmig und authentisch. Aber ich flechte ja auch reale Personen ein und lasse sie in meinem Roman mitspielen. Dafür ist es ja ein Roman. Aber ich achte z.B. darauf, dass es das Wort „Bulle“ schon in der Weimarer Republik gab und nicht erst auf den „Straßen von San Francisco“.

Das klingt nach viel Kleinarbeit. Wie findet man so etwas heraus?

Fritz Langs Film „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ stammt aus dieser Zeit, und da fiel das Wort „Bulle“ bereits.

Lieber gut erfunden als schlecht recherchiert?

Auf jeden Fall. Die Fiktion hat hier Vorrang, ich schreibe kein Sachbuch.

Vieles aus „Ihrer“ Weimarar Republik kommt mir modern vor.

Das ist Absicht. Gereon Rath lebt in einer modernen Welt, es gibt Mickey Mouse, es gibt Sinalco-Plakate.

Manche haben sogar ein Telefon oder eines dieser Automobile! Wie schwer ist es, sich in diese Vergangenheit hineinzufühlen?

Ich bin in den 60ern geboren, und so viele technische Umwälzungen hatten wir seit den 20ern und 30ern nicht. Sicher sind die Dinge besser geworden, günstiger und weiter verbreitet, aber wir sprechen im Grunde noch von der gleichen Technik. Wir haben immer noch Autos und Radios und Fernseher. Die Technik des neuen Jahrtausends hat viel mehr Wandel gebracht. Der Sprung von den 80ern zu den 90ern war größer als der von den 20ern zu den 70ern. Derrick und der Kommissar mussten ebenfalls in die Telefonzelle gehen oder von der Wohnung des Opfers aus telefonieren.

Also auch ein Krimi, der bloß in den 80ern spielt, wäre schon ein historischer Roman?

Definitiv. Zumindest hätte der Autor heute die gleichen Probleme zu lösen wie ich mit der Weimarer Republik: Sein Held hätte ebenfalls kein Smartphone und kein Handy und kein Internet.

Sie schreiben Ihren rauchenden Gereon Rath so, also wüssten sie, worüber sie da schreiben. Rauchen sie selber?

Nicht mehr. Ich war Kettenraucher und habe ganz aufgehört. Aber ich lasse Gereon Rath stellvertretend für mich rauchen.

 

Volker Kutscher am Stand bei Kiepenheuer & Witsch

 

BuchMarkt dankt an dieser Stelle auch dem Carlsen-Verlag, der mir die Graphic Novel für dieses Interview zur Verfügung gestellt hat.

 

Messegesamtpaket: Buch, Comic und Gespräch mit dem Autor. Fehlt nur noch das Kokain.

 

 

Mein Gang durch die Hallen

kann für Freitag nur spärlich ausfallen, denn heute habe ich alle Interviews zusammengetragen, die Sie in den nächsten Tagen lesen werden. Und bei einem Sprung von einem Regal ist meine Gewandung entzwei gegangen, was mich zum Abbruch des Tages zwang. Fotos davon kommen leider nach, so ich es nicht verhindern kann.

 

Dennoch muss ich Ihnen u.a. einen meiner Maulwürfe präsentieren:

 

Und hier ist meine NEUE neue Messefee!

 

…und andere Kuriositäten:

 

Bei dieser ARD-Messefee dachte ich zuerst, das wäre ein Dirndl aus Dieter-Moor-Tüten

 

 

 

3sat-Kameramann filmt heimlich beim mdr mit

 

 

 

Alexander Elspas (früher Kein & Aber), Viola Schröder (Carlsen) und Tim von Zittwitz (BuchMarkt) sitzen für ein gelungenes Foto da

 

Elspas angeschnitten, Carsten Tergast (früher BuchMarkt) torkelt völlig unnatürlich davon, die Frau ist gar nicht auf dem Foto, Tim zappelt: Das ist kein gutes Bild.

 

 

Der neue Fitzek: Spannung unter meinem Radar

 

 

Zum Geleit

 

Meinen schönsten Rüffel bekam ich heute – nicht von BLV, obwohl man sich kaum wünschen kann, schöner gerüffelt zu werden als bei BLV. Nein, es war der Wunderverleger Klaus Schöffling, der am Rand des Messegangs stand. Seit Jahren ignoriere ich Klaus Schöffling, weil ich einen so niveauvollen Mann doch nicht einfach durch meinen Kakao ziehen kann.

Aber genau das warf er mir vor!

„Da geht der Messe-Mayer, der mich seit Jahren ignoriert!“

 

Und das hat jetzt ein Ende.

 

Damit er aufhört zu greinen und mich mit Trockenfrüchten zu bewerfen, hat Herr Schöffling hier seinen Auftritt im Messe-Mayer. Sie sehen links Autor Burkhard Spinnen, daneben Kurt-Wolff-Preisträger und Verleger des Jahres 2016 Klaus Schöffling, der nebenbei auch die Frankfurter Verlagsanstalt in den 80ern gegründet hatte.

Da hätte ich auch keine Zeit, mich zu rasieren.

Herr Schöffling, die Ehre liegt ganz bei mir.

 

Und das war’s für heute. Wenn Sie das lesen, haben wir den Samstag noch vor uns. „Schluck!“ würde der Entenhausener nun sagen. Also nicht nur der, den ich heute getroffen habe.

Ich aber sage schlicht: Gutes Wochenende auf der Messe! Nehmen Sie einfach eine Sprühflasche CosAway mit, das hilft.

 

 

Leipziger Sonnenuntergang durch das Glasdach nach Feierabend

 

 

Die Lichter der Großstadt spiegeln sich auf dem Wasser der Messe

 

So feine Fotos kriege ich noch am Abend nur von meiner neuen Branchenfee. Spielen Sie beim Betrachten ruhig so etwas wie „Horse with no Name“ oder noch besser „Bali Ha’i“ aus „South Pacific“.

 

Jetzt habe ich meinen inneren Soundtrack preisgegeben. Aber bitte nichts der IG Wort verraten.

 

Beste Grüße in das Messewochenende,

 

Ihr Matthias Mayer

 

Litauer, die Sie nicht sofort auf dem Radar hatten, Teil 3 von 5:

Charles Bronson gilt als der litauische Charles Bronson

 

(Karolis Dionyzas Bučinskis, der als Cop und Cowboy weltberühmt wurde, ritt bei den Glorreichen Sieben mit und spielte beim Lied vom Tod Morricones berühmtes Lied vom Tod.)

 

Hier geht’s zum Vortag

Hier geht’s zum nächsten Tag

Hier geht’s zu den Kolumnen im Überblick

 

herrmayer@hotmail.com

www.herrmayer.com

 

 

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.