Der Messe-Mayer Sonntag: Ich habe meine Mama mitgebracht und Google beim Aufräumen geholfen

Liebe Freunde,

und dies war die 68. Frankfurter Buchmesse. Nicht meine 68., bitte. Aber sie hat wieder viel Spaß gemacht, sie hat mich satt gemacht und doch neuen Hunger geweckt; sie hat mich müde gemacht und wachsam für Neues zurückgelassen. Mein Sonntagsbericht wird außer hohlen Phrasen noch zum weiteren Inhalt haben:

  • wichtiges zum Illumat!
  • das CosPlay
  • letzte Dringlichkeiten
  • zwei tolle Interviews
  • endlich Essen aus den Niederlanden (und Flandern)
  • wahnsinnige Angst vor dem neuen Homepage-Provider
  • und alle Fotos, die zu schlecht waren für die ersten fünf Tage .

 

Bob Dylan war nicht da. Bob Dylan hat, glaube ich, bis jetzt noch gar nicht auf seinen Nobelpreis reagiert.

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Bob Dylan sieht ein wenig aus wie Gandalf in jung.

Auch am Publikumssonntag war es so voll, dass mir alle Walk Acts in den Hallen leid taten. Schauen Sie nur, wie der arme Rabe Socke sich in Halle 3.0 plagt.

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Wohl eher der „Rabe Arme Socke“.

Wichtiges zum Illumat:

Es wird wieder einen Illumat-Kalender 2017 geben! Er hat nur diesmal leider keine ISBN und keinen Verlag, aber es wird ihn geben! In limitierter Auflage, und ich zum Beispiel stehe schon mal ganz oben auf der Vorbestellerliste.

Wenn Sie auch den neuen Illumat-Kalender 2017 haben wollen, dann senden Sie bitte eine Mail an den Illumat! Ich versuche, Ihnen hier einen Link zu basteln.

Ähm…LINK…?

So, ich glaube, das hat schon mal geklappt.

Ich habe heute meine Mutter mit auf die Messe gebracht. Sie ist gleich zum Illumat gerannt und hat einen Zettel eingeworfen, auf dem steht, dass der Messe-Mayer seine Mutter mit auf die Messe gebracht habe.

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Und die haben es dergestalt gezeichnet.

Und genau so läuft das dann auch mit Muttchen. Aber dazu später mehr.

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Der Illumat von innen: Vier anspruchlose und pflegeleichte Zeichenroboter

Von Buchbloggerinnen und Booktuberinnen
Bei Carlsen lerne ich Lea Kaib kennen, die unter Liberarium.de ihre Buchliebe im Netz auslebt. Carlsen hat die neugierige, wache junge Frau engagiert, damit sie den Carlsen-Messeblog betreibt. Und ich durfte sie am Carlsen-Stand treffen!

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Und jetzt bloggen wir uns gegenseitig. Oder sagt man da „einander“?

CosPlay mag sie, seit sie laufen kann (als Leverkusenerin ist ihr die Bütt ja nicht fremd), sie bloggt seit zwei Jahren, und als Carlsen jemanden mit Sach- und Fachkenntnis suchte – sprich jemanden, der jugendlich ist, die Medien beherrscht und trotzdem Bücher mag – da war Lea Kaib gefunden.

Und tatsächlich ist sie als TARDIS verkleidet.
Und tatsächlich ist sie als TARDIS verkleidet.

Ich habe keine Ahnung, was SnapChat bedeutet, was Instagram Stories sind oder wie elektrisches Licht funktioniert, aber es hat mir großen Spaß gemacht, über Doctor Who und die Buchmesse zu plaudern. Und wahrscheinlich komme ich jetzt irgendwo auf InstaBook und Facetwitter vor. Ab mit mir in die Cloud.

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Wieder andere Bloggerinnen schicken Ihr Plüschschwein vor

Das ist das Plüschschwein Limes. Aber nicht wie der römische Limes, sondern englisch gesprochen, so ähnlich wie der Bösewicht in „Der dritte Mann.“

Harry Lime war das, und das ganze Gerenne wird ihm nichts nützen
Harry Lime war das, und das ganze Gerenne wird ihm nichts nützen

 

Das Who’s Who des Messesonntages

Das ist keine repräsentative Liste. Der Messesonntag leidet zwar immer schwer am Promischwund, aber gerade dann gilt es, die Perlen zu finden und aufzuzeigen. Bei Lübbe zum Beispiel sorgt Mona Kasten für Autogrammjägerschlangen, die zweimal um den ganzen Stand herumreichen.

Mona Kasten: Auch wieder eine junge Frau, die vor lauter Erfolg nicht mehr zum Bloggen kommt
Mona Kasten: Auch wieder eine junge Frau, die vor lauter Erfolg nicht mehr zum Bloggen kommt

Wie schon viele andere Stars vor ihm: Ein Mann namens Ross Antony konnte bei Random House glaubhaft machen, er sei Kinderbuchautor.

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Ross Antony im Signier- und Frierzelt

Bei Droemer Knaur hat man extra Sebastian Fitzek angekettet, damit Sonntags noch ein wenig Star Power zu sehen ist.

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Beachten Sie auch, wie meine Mutter sich bei Fitzek als Fotobombe macht

Außerdem habe ich mir für heute das Interview mit Harold Faltermeyer aufgehoben, und ich hatte Ihnen gestern einen Star-Komiker in Aussicht gestellt.

Beides mache ich nun wahr.

INTERVIEW 1 VON 2: HAROLD FALTERMEYER

Der Komponist und Produzent pendelt zwischen München und Hollywood und ist dankbar für das große Glück, seine kleine Musik machen zu dürfen. Sein Synthesizer-Hit „Axel F“ gehört seit 1984 zum Popmusikerbe der Menschheit, einige von uns erinnern sich auch noch an die erste „Formel-1“-Titelmusik vor Yello. Bei Lübbe hat der zufriedene und bodenständige Glückspilz seine Biographie herausgebracht.

Faltermeyer
Faltermeyer grüßt Gott und Hollywood

BuchMarkt: Welche berühmten Harolds bringt man mit Hollywood in Verbindung?

Harold Faltermeyer: Harold and Maude?

Oh, stimmt. Ich hatte Harold Lloyd und Harold Ramis auf dem Radar.

Zuviel der Ehre.

Sie haben so viel komponiert und wurden für so viele Werke ausgezeichnet – wurmt oder freut Sie, dass man Sie immer wieder auf „Axel F“ reduziert?

Nein, das freut mich natürlich. „Axel F“ ist für mich ja so etwas wie eine musikalische Visitenkarte. Es ist etwas ganz Großartiges, wenn man eine Melodie geschaffen hat, die über die Jahrzehnte hinaus bekannt ist. Ich weiß nicht, wieviele Coverversionen es mittlerweile erfahren hat.

Ich war 14, als „Beverly Hills Cop“ in den Kinos lief. Heute kennt mein eigener 14jähriger Sohn“Axel F“ aus „Monsters vs. Aliens“

Das passiert mir auch immer wieder, dass meine Werke aus allen möglichen unterschiedlichen Richtungen quasi zu mir zurückkommen. Die Handygeneration hält „Axel F“ für den Klingelton von Crazy Frog.

Ihr Meisterwerk altert also nicht.

Jede Generation kann es zumindest für sich neu entdecken. Das ist natürlich ein Geschenk für einen Komponisten. Und nicht nur finanzieller Art. Ich habe mit ein paar sehr simplen Noten ohne Text eine Menge Aufmerksamkeit erzeugt und viele Leute damit erfreut.

Egal wieviele Teile (oder gar Remakes) man also von Beverly Hills Cop drehen will, dem Lied „Axel F“ ist immer eine Verwertung sicher. Nur macht das ja die Filme nicht besser. Macht Ihnen das nichts aus?

Bedingt. Der dritte Beverly Hills Cop war wirklich der schlechteste, das muss man einfach sagen. Da hatte ich auch abgelehnt, den Soundtrack zu schreiben, aber die durften „Axel F“ verwenden und haben ein paar interessante Arrangements daraus gemacht. Die Orchesterversion finde ich dann ganz pfiffig. Der vierte Teil liegt im Grunde schon in der Schublade, Eddie Murphy hat unterschrieben, Jerry Bruckheimer wird produzieren, aber die kriegen bis jetzt kein gutes Drehbuch hin, das Eddie Murphy auch gerecht wird.

Vielleicht ist es ja nicht schlecht, wenn dieses Projekt noch ein wenig reift. Gibt es so etwas wie einen Bruckheimer-Sound?

Nein. Jerry Bruckheimers Produktionen sind sehr unterschiedlich. Er hat eine sehr klare Vorstellung davon, wie ein Film klingen soll, obwohl er nicht musikalisch ist. Er kann sich auch nicht musikalisch artikulieren. Aber er hat durchgesetzt, dass wir Beverly Hills Cop komplett elektronisch machen. Das war damals unvorstellbar: ein Comedyscore ohne Orchester, sondern nur mit einem Münchner am Syntheszier? Und das war eine wichtige Entscheidung damals. Eddie Murphys Karriere sollte mit diesem Film abheben, da wurde viel Geld reingesteckt. Und da musste man Bruckheimers Ohren einfach vertrauen. Aber es gibt nicht den Bruckheimer-Sound.

Die Provinz und die Welt sind in Ihnen und in Ihrem Buch angelegt. Ihre Mutter ist „Muttl“, und Ihr Vater ist „Dad“. Finden sich diese zwei Welten auch in Ihrer Arbeit wieder?

Ja, unbedingt. Der bayerische Anteil und meine wunderschöne Heimat haben großen Anteil an meiner Kreativität. Wenn ich in Amerika arbeite, dann bin ich auch kreativ, aber das Umfeld und die Stimmung, dieses Städtische, Amerikanische haben dann wieder anderen Einfluss. Ich beginne eine Komposition gerne daheim, und dann in der „neuen Welt“ und in der „großen Stadt“ suche ich Stimmungen, die es komplettieren und vollenden sollen. Und es ist wunderbar, dass es diese beiden Pole gibt.

Jetzt erwarte ich also ein Buch über das Leben in der Unterhaltungsbranche, ich freue mich auf Anekdoten aus Hollywood – und es beginnt erst mal mit Hitler und dem Krieg.

Leider war unser Leben aber so. Meine Familie hatte im Krieg dieses vorteilhaft gelegene Anwesen direkt an der Bundesstraße, und das wählten die Amerikaner als taktisches Hauptquartier aus. So kam ich ja auch zu dem englischen Namen „Harold“, der kein bayerischer „Harald“ war.

Sie haben Ihren Grammy zuhause, Sie arbeiten in Hollywood – ist so eine Buchmesse für Sie überhaupt etwas Großes?

Das ist meine erste Buchmesse, und ich finde es unglaublich groß. Ich war zwar einmal in Leipzig auf der Buchmesse in ganz anderer Mission – ein Videospiel wurde dort präsentiert, zu dem ich die Musik gemacht hatte. Aber dieses Jahr konnte ich mich auch ein wenig umschauen und finde es grandios. Ich bin überwältigt. Und man fühlt sich als Autor – zumal als Anfänger – auch sehr, sehr klein, wenn man sieht, was da alles geschrieben und verlegt wird.

Lübbe hat ja viele Autoren im Programm, deren hauptberufliches Metier sicher nicht das Schreiben ist. Hat man Ihnen eine Ghostwriter angeboten?

Ich hatte schon einen an meiner Seite, bevor ich überhaupt einen Verlag gefunden habe. Ich habe das Buch nämlich zuerst in Englisch geschrieben, weil ich auf Englisch viel eher meinen Tonfall finden konnte, wie ich mich artiklulieren möchte. Die englische Sprache findet sehr schön in einen leichten, modernen Tonfall hinein. Englisch ist natürlich die Musikersprache. Als das englische Manuskript fertig war, haben wir angefangen es ins Deutsche zu übersetzen, aber wir wollten die Leichtigkeit nicht verlieren. Dabei hat mir auch meine Frau sehr geholfen, die selbst Autorin ist.

Wie konnte Ihre Frau da behilflich sein?

Die hat mir geholfen, nicht nur langweilige Fakten aufzulisten, sondern hat ein wenig das Gelebte und das Erlebte aus mir herausgekitzelt. Dass ich einen Grammy gewonnen habe, ist gut und schön; aber wie habe ich mich dabei gefühlt? Wer hat bei der Verleihung vor mir gesessen? Das sind die Dinge, wo eine Frau nachhakt.

Wer hat denn vor Ihnen gesessen?

Das war Dionne Warwick. Und dann erst fällt einem auch Qunicy Jones wieder ein, weil er neben ihr saß, und so weiter. Und da sagt meine Frau dann: „Ja, das musst Du doch aufschreiben!“

[Das würden viele Autoren gar nicht gerne zugeben: Dass auch die Sprache ein Instrument ist, das gespielt und beherrscht werden will.

Doch, freilich!

Sind Sie heute noch nervös, bevor Sie auftreten?

Vor jedem Auftritt. Lampenfieber, Zittern wie beim ersten Mal. Aber der Kick muss sein, denn sonst macht es ja keinen Spaß.

Mein fast zweijähriges Töchterlein singt schon komplette Melodien sehr exakt nach. Ist das ungewöhnlich?

Oh ja.

Ein Grammypreisträger attestiert also meinem Kleinkind musikalisches Talent!

Doch, das ist fürs Alter schon erstaunlich. Mit vier oder fünf wäre das normal. Wenn da eine Begabung ist, dann sollte man sie auch fördern.

Und jetzt würden Sie meinem Baby raten, eine Karriere im Musikbusiness anzustreben?

Man muss das machen, was einem liegt, keine Frage – aber das Musikbusiness ist heute ganz anders als früher. Musik wird gestreamt, nicht gekauft, der Markt verändert sich stark. Wenn das Kind erst mal einen ordentlichen Beruf lernt und die Musik trotzdem im Auge behält, wäre ich beruhigter.

Jetzt muss sie ja erst mal zwei werden. Was ist für Sie die Mutter aller Soundtracks?

Da muss ich in die Klassik zurückblicken. Eine der wichtigsten Tondichtungen für unsere Generation ist Prokofjews „Peter und der Wolf“. Wie dort die Bedrohlichkeit des Wolfs, die Listigkeit des Fuches oder die Drolligkeit einer Ente, die Leichtigkeit eines Vogels vertont wurden, ist göttlich skizziert. Das finde ich meisterhaft.

Sozusagen der Vorläufer zum Darth-Vader-Theme. Und wenn Sie in die Moderne blicken?

Dann sind Henry Mancini und Ennio Morricone wegweisend gewesen. Die plakativen Melodien von „Spiel mir das Lied vom Tod“ – das ist sicher unerreicht. Und Mancini hat wie kein anderer das Spaßige und das Spannende nicht nur komponiert, sondern auch orchestriert, und das auf so hohem Niveau mit einer anscheinenden Leichtigkeit! Dass sich im Pink Panther Jazz und Comedy auch musikalisch treffen, das gab es ja so noch nicht.

Letzte Frage: Wie läuft Ihr Oktoberfest-Musical an?

Sehr gut, auch wenn wir das erst mal bewusst klein gehalten haben. Die Amerikaner stehen ja auf so etwas: Schunkeln, History, Tunes – alles ein wenig Disney. Wir haben es erst mal im kleinen Rahmen Off-Sunset gestartet und bauen die Produktion nun in anderen Ländern aus.

Davon werden wir noch hören: Weißes Rössl meets Titanic.

(Faltermeyer muss sehr lachen.)

 

München - Hollywood - Halle 3.0: Harold Faltermeyer
München – Hollywood – Halle 3.0: Harold Faltermeyer

 

Interview 2 von 2: Michael Mittermeier

Da habe ich nicht zuviel versprochen: „Star-Komiker“ trifft hier definitiv zu. Mittermeier war in den frühen 90ern einer der ersten, der Stand Up salonfähig machte. Mit Thomans Herrmanns‘ Quatsch Comedy Club war über Nacht eine neue Generation von Komikern über Deutschland hereingebrochen. Der bayerische Grandseigneur der Komikerjugend hat bei Kiepenheuer & Witsch eine Biographie herausgebracht, die am Thema „Anfang“ entlangwächst.

 

Michael Mittermeier: Die Welt für Anfänger
Michael Mittermeier: Die Welt für Anfänger

 

BuchMarkt: Was ist Dein Lieblings-Single-Malt?

Michael Mittermeier: Das ist schwer zusagen. Einer der besten Single Malts ever, die ich je getrunken habe, war ein 21jähriger Bruichladdich Stillman’s Dram. Von dem konnte ich noch zwei Flaschen ergattern, dafür würde man tatsächlich jemanden von der Brüstung schubsen. Und ansonsten sage ich zu keinem Ardbeg je nein.

Hat Deine Mutter inzwischen überwunden, dass der kleine Michi seiner Mama zu seiner Firmung eine Riesenszene gemacht hat, weil er ihr Kleid so hässlich fand?

Eigentlich ja, wir lachen heute natürlich darüber, aber sie hat das nicht vergessen. Sie weiß sogar noch, welche Farbe das Kleid hatte. Mütter vergessen nichts. Das sind die Elefanten unter den Elternteilen.

Wer sind Deine Hausgötter?

Das waren zuerst natürlich Leute wie Otto Waalkes, wie Emil Steinberger, den frühen Polt. Dann kamen aber auch schon bei mir sehr früh die amerikanischen Stand Ups, so wie Lenny Bruce, den hier leider keiner kennt. Steve Martin, als er noch Stand Up gemacht hat. Da habe ich noch sehr viele Vinylplatten. Die Mischung aus amerikanischem Stand Up und deutschem Kabarett hat mich inspiriert.

So wie in Klimbim?

Ich habe Klimbim geliebt! Und nach Klimbim kam eigentlich gar nichts nach, dass dieses Niveau halten konnte. Wie Otto Waalkes war das „alone standing“ in der Landschaft, und dann kam jahrzehntelang nichts. Wo waren die alle?

Früher, in unserer Kindheit, gab es eine große Otto-Show im Jahr, und da hat das Publikum mächtig darauf hingefiebert. Heute haben wir 40 Fernsehsender, und auf jedem läuft was anderes Lustiges. Ist das eine Inflation?

Für manchen mag das so sein, aber ich bin kein Kulturpessimist. Was einem nicht gefällt, soll man auch nicht einschalten. Gibt es zuviel Comedy? Naja, es gibt auch zuviele Liebesromane und zuviele Arztserien, aber jeder soll doch das schauen, was ihm gefällt.

Es gibt eine Folge South Park, die von Panflötengruppen in Fußgängerzonen handelt. Kennst Du die?

Nein, habe ich nicht gesehen. Aber die war sicher nicht sehr nett. Meine Zeit mit den Kollegen aus den Anden in der Fußgängerzone war auf jeden Fall schwierig. Die waren wahnsinnig unkollegial. Die haben dich halt in Grund und Boden gespielt. Ich stand da mit meiner Gitarre, und ein Platz mit Spielgenehmigung war in München schwer zu ergattern, und da haben die sich dann neben Dich gestellt und so lange „El Condor pasa“ gespielt, bis Du aufgegeben hast und weggingst. Die waren halt lauter.

Du sagst, gute Comedy soll nicht jedem gefallen. Ist es ein Humorkonzept, einen kleinen Teil des Publikums von vornherein auszuschließen, damit der andere sich als In-Group verstanden fühlt?

So cool würde ich das nicht formulieren. Gute Comedy braucht Ecken und Kanten. Wenn etwas allen gefällt, dann fehlen diese Ecken und Kanten, dann ist es ganz rasch gefälliger Mainstream oder seicht. Nichts gegen Mainstream, das brauche ich auch in meinem Programm. Ich habe Nummern, die ich wahrscheinlich auch beim Musikantenstadl unterbringen könnte, aber ich will mich nicht über den größten gemeinsamen Nenner definieren.

Für wen schreibst Du denn Deine Gags? Für alle oder für ein paar wenige?

Ich habe nie nach der Zielgruppe geschrieben. Mir ist es immer egal gewesen, wem was gefällt. Wichtig war mir, was mir selber gefällt. Was finde ich selber lustig? Und das habe ich dann gemacht. Im Grunde schließt man immer jeden aus, der einen anderen Humor hat. Das meine ich auch nicht böse. Es gibt genügend Comedians, die man sich ansehen kann, wenn man den Mittermeier nicht mag. Es ist wie bei der Musik: Nicht jedes Lied macht jeden gleich atemlos.

Wie reagieren Leute, die Dich gut finden?

Ganz oft kommen Menschen und wollen mir Witze erzählen, die ich ins Programm einbauen soll. Ich habe noch nie einen guten gehört.

Und wie reagierst Du dann?

Ich bin immer sehr nett und sage meistens „Ach – den kannt‘ ich schon.“ Dann muss ich mir kein Lachen abquälen und bleibe trotzdem freundlich.

Was ist das schönste im Umgang mit Fans?

Meine Fans sind eigentlich immer sehr zurückhaltend und freundlich. Ich komme irgendwo hin, und Leute lächeln mich an. Dass ich Leute zum Lachen bringe und sie gut gelaunt mache, das ist das schönste. Ein muslimischer Taxifahrer lobte mich neulich, weil ich mich traue, auch politische Dinge auszusprechen und trotzdem alle zum Lachen bringe. Ich glaube ja sowieso, dass Lachen und näher zu Gott bringt, und der muslimische Taxifahrer sagte: Und egal, zu welchem Gott. Und Gott müsste doch dann zufrieden sein, wenn die Menschen miteinander fröhlich sind.

Witz in schweren Zeiten ist kein Tabu?

Nein, im Gegenteil. Als die Anschläge von München neulich stattfanden, hatte ich am selben Abend ganz in der Nähe einen Auftritt. Ich war entschlossen auf die Bühne gegangen und habe die Menschen sehr bewusst zum Lachen gebracht. Wir können den Fundamentalisten und den Extremisten unsere Kultur aufzeigen, können Ihnen doch zeigen: So lachen wir mit- und übereinander. Auch wir selbst erfahren Befreiung im Lachen und im Humor. In der katholischen Kirche gab es im 15. Jahrhundert den Brauch des Osterlachens. Meinen Hass werden sie nicht kriegen.

 

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Spaß-Ikone der 90er erscheint im vergleichweise reifen Verlag: Michael Mittermeier bei Kiepenheuer & Witsch

 

 

Würdigung der Gastlandküche

Das ist mir ja jedes Jahr besonders wichtig. Ich will mich ja hier nicht nur durchschmausen, sondern dabei auch etwas über die Küche und Literatur des Gastlandes lernen. So geht es auch dem Accente-Offizier Matthias Seuring, der sich jede neue Buchmesse als kulinarisches Ehrgeizprojekt vornimmt. Wobei die Niederlande (und Flandern) jetzt nicht unbedingt eine herkulische Herausforderung darstellen. Ich habe den spaßigen Genießer mit meiner Mutter besucht.

 

Matthias Seuring, Oregano und Rosmarin
Matthias Seuring, Oregano und Rosmarin. Meine Mutter ist leider nirgends auszumachen.

 

Ein leckeres niederländisches Gulasch mit Soße von belgischem Bier, dazu belgische Pommes, und dazu einen Maasdamer Käsesalat. Zum Nachtisch eine ordentliche Waffel.

 

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Dass es sich leicht anhört, schließt nicht aus, dass es delikat war. De-li-kat, sage ich!

 

Leider musste ich mit meiner Mutter teilen, die plötzlich hinter dem Rosmarin hervorgesprungen kam. Und ich habe bereits heute erfahren, dass für das Gastland Frankreich 2017 natürlich eine Quiche geplant ist und ein Coq-au-Vin.

(Falls man Gulasch mit Pommes und Salat überhaupt noch übertreffen will, kann und sollte.)

 

 

CosPlay in Frankfurt

ist nicht totzukriegen, obwohl die Messe alles tut, damit wir uns in Sachen Manga & Anime vor Leipzig schämen müssen. Und so habe ich auch heute wieder die Unverdrossenen fotografiert, die sich für den Effekt und fürs Meet & Greet jede Qual auferlegen, die sich mit Make Up und synthetischen Textilien erreichen lässt.

 

Exklusives Peter-Wohlleben-Kostüm
Exklusives Peter-Wohlleben-Kostüm

 

Sie wissen ja, dass ich als Doctor-Who-Fan ein Auge habe auf alle Entwicklungen in diesem exzentrischen Sektor. Dass de Carlsenbloggerin heute mit TARDIS-Kleid aufgetaucht ist, ist schon mal viel wert.

 

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Aber dieses TARDIS-Girl setzt noch einen drauf, denn ihr Licht funktioniert.

(Als wäre es nicht ohnehin ein abstraktes Unterfangen, sich als Telefonzelle zu verkleiden.)

 

 

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Zeitreisende unter sich: Galifrey wartet

 

 

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Und Ihr seid sicher, dass der nicht aus Lego ist?

(Der Typ im Blaumann links ist sicher der Mechaniker, der die kleine Klappe im Todesstern offen gelassen hat, durch den die Rebellen dann die Bombe werfen.)

 

Jede Saison hat sicher ihr Kostüm. Jahrelang war hier alles voller Hogwarts, bis dann irgendwann dauernd Hobbits herumliefen. Die dann irgendwann wieder von Wolverine abgelöst wurden. Und diese dann von hunderten von Deadpools. Und dieses Jahr gehört ganz eindeutig Harley Quinn.

Die Freundin des Jokers war eine lizensierte TV-Erfindung, die bei den Fans so dermaßen gut ankam, dass sie es vom Nebenmarkt in die Comics hineinschaffte.

 

Dr. Harley Qinn
Dr. Harley Qinn

 

Dr. Harley Quinn
Eine andere Harley Quinn

 

 

Harley Quinn mit Jared Letos Joker
Harley Quinn mit Jared Letos Joker

 

Spar-Harley-Quinn
moderate Spar-Harley-Quinn

 

Harley Quinn: Der derzeit angesagteste Weg, sich wie ein Flittchen anzuziehen.

 

Aber meine Lieblinge sind immer die Kostüme, die so retro sind, dass ich sie kenne, oder die so gelungen sind, dass ich beeindruckt bin.

 

Unbequem & unpraktisch (1): Baymax
Unbequem & unpraktisch (1): Baymax

 

 

Unbequem & unpraktisch (2): T-Rex
Unbequem & unpraktisch (2): T-Rex

 

 

Unbequem & unpraktisch (3): Jack Skellington
Unbequem & unpraktisch (3): Jack Skellington

 

 

Hauptsache, die Deadpools haben Spaß
Hauptsache, die Deadpools haben Spaß

 

Die drei allerbesten Kostüme prämiere ich hier:

 

Henri Dunant
Henry Dunant

 

 

Schneewittchens Stiefmutter
Schneewittchens Stiefmutter

 

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…und die verdammten Beatles. Hut ab.

 

 

Mein letzter Gang durch die Hallen

Interessant, was alles bis Sonntag liegenbleibt. Oder sich gar erst am letzten Tage ergibt. Egal wie, es gibt eigentlich keine Entschuldigung dafür, anderen am letzten Tag noch Arbeit zu machen.

 

Und trotzdem noch einen Schlüsselanhänger von der Türkei ervouchert
Und trotzdem habe ich noch einen Schlüsselanhänger von der Türkei ervouchert

 

Hologramm überm Buch: Das braucht man im Schaufenster
Hologramm überm Buch: Das braucht man im Schaufenster.

 

 Falls Leia Organa mal die Rebellen informieren will.
Falls Leia Organa mal die Rebellen informieren will.

 

Auf das Autorensofa kann man sich übrigens auch selber draufsetzen!
Auf das Autorensofa kann man sich übrigens auch selber draufsetzen!

 

blv
Eines der wenigen Dinge, die man am BLV-Stand nicht essen konnte

 

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Qualitative Zunahme im Ausstellerniveau der Gourmet Gallery

 

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Das wird hier auf der Messe verteilt: IQ 130 blisterweise

 

Wissen die, wieviele Robins von Batman verschlissen wurden?
Wissen die, wieviele Robins von Batman verschlissen wurden?

 

Schluss mit Facebook!
Genau! Endlich Schluss mit Facebook!

 

Bei Google wollte ich noch einen Kugelschreiber erbetteln. Meine Frau sagte, ich solle nur dort welche holen, weil die echt gut schreiben würden.

 

Leider war Google bereits fast mit Zusammenpacken fertig
Leider war Google bereits fast mit Zusammenpacken fertig

 

Aber ich konnte noch eine Kiste lang mithelfen
Aber ich konnte noch eine Kiste lang mithelfen

 

So, und jetzt hat meine Frau genügend Googleschreiber für die nächsten paar Jahre.

 

Jetzt noch die schlechten Fotos:

Glauben Sie ja nicht, dass ich hier nur fotografische Meisterwerke zusammentrage. Sehen Sie sich nur dieses total misslungene Foto von Martin Walker an:

 

Martin Walker blinzelt sich durch den Pausenraum vom Blauen Sofa
Martin Walker blinzelt sich durch den Pausenraum vom Blauen Sofa

 

Und übrigens: Wissen Sie, was an der Schweiz schon mal gut ist?

 

Die Flagge ist ein großes Plus.
Die Flagge ist ein großes Plus.

 

Oder was soll ich mit solch einem Bild anfangen:

 

Vielleicht kann das irgendein CosPlayer brauchen?
Vielleicht kann das irgendein CosPlayer brauchen?

 

Und wie bemüht bitteschön ist denn das hier:

 

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Oh nein, Joppich hat seinen Bart vergessen!

 

Und diese Sprüche braucht doch wirklich kein Mensch:

 

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Obwohl er ja recht hat, der virtuelle Mayer

 

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Aber das geht zu weit.

 

Überraschenderweise habe ich etliche Rückmeldungen bekommen, dass meine versehentliche Effekteinstellung an der Kamera gut ankam. Ich erinnere an diese nur schlechten Cartoon-Andeutungs-Effekte, die sich am Mittwoch eingeschlichen hatten.

 

Hier die Jim-Knopf-Spieluhr, die mein schönstes Messegeschenk war
Hier die Jim-Knopf-Spieluhr, die mein schönstes Messegeschenk war

 

 

Und das war die Frankfurter Buchmesse 2016

 

Wie beendet man eine Buchmesse? Man setzt sich in der letzten Stunde irgendwo hin, wo andere Leute sitzen, die man mag, und macht die happieste aller Hours. Dieses Jahr war das am Stand von Droemer Knaur, wo sich etliches Hobbitvolk traf.

 

Gemütlich war's
Gemütlich war’s. Frau von Bostel, Frau Ongsiek, Herr Kilian, mei Mudder sei Gesischt, Herr Roggenkamp, Frau Schenkel.

 

Fast wie Weihnachten, nur ohne Streit
Fast wie Weihnachten, nur ohne Streit

 

Matthias
Matthias Kuhlemann, Droemer Baden-Württemberg, und Matthias Mayer, sind jetzt auch befreundet

 

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Fassungslos: Folkert Roggenkamp (Delius Klasing) und ich haben tatsächlich das gleiche, miese Zwanzig-Euro-Handy

 

Die letzte Umarmung auf dieser Messe
Die letzte Umarmung auf dieser Messe

 

Die andere Seite der Umarmung
Die andere Seite der Umarmung

 

Danke, Maren Ongsiek. Ohne Dich wäre es nicht derselbe Messe-Mayer, nicht dieselbe Messe, und zwar nicht nur für mich, sondern für eine Menge Leute.

Ich bitte um Verzeihung bei allen, für die ich keine Zeit mehr hatte. Ich danke allen, die mir geholfen haben. Damit der Messe-Mayer funktioniert, bin ich zutiefst dankbar für die Hilfe einer Menge Leute, die mich hier mit Nahrung, Terminen, Asyl, Fotos, Informationen, Zug- und Eintrittskarten und Auskünften versorgen.

Ich freue mich sehr auf Leipzig 2017.

Ihr und Euer

Matthias Mayer

 

Abgelehnte Covervorschläge berühmter Maler aus den Niederlanden (und Flandern),
Teil 6 von 6: Piet Mondrian

Für so ziemlich jedes Buch der Welt ungeeignet
Für so ziemlich jedes Buch der Welt ungeeignet

 

herrmayer@hotmail.com

www.herrmayer.com

 

 

Kommentare (3)
  1. Sehr geehrter, lieber Herr Meyer,
    dies war die 68. Buchmesse nach dem 2. Weltkrieg in Frankfurt am Main. Die erste fand 1949 in der Paulskirche in Frankfurt am Main statt. Also gibt es 2018 die 70. Ausgabe der Frankfurter Buchmesse.
    Nichts für Ungut und beste Grüsse Ulrich Fritz.
    PS: Grüsse bitte auch an CvZ.

  2. Danke für das tolle Gespräch und die schöne Zeit beim Interview – es hat so viel Spaß gemacht, mit dir über Doctor Who und das Bloggen zu quatschen! Und was für ein cooler Messe-Bericht mal wieder ;)

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