Junge Zielgruppe Trendbericht Kinder- und Jugenbuch 2005 / Klaus Willberg fordert Bilderbuch-Offensive

Bereits im frühesten Alter muss die Förderung des Lesens beginnen – dabei sind Bilderbücher unerlässlich. Eltern, Bildungsinstitutionen, Verlage, Buchhandlungen und Bibliotheken sollten das wertvolle Potenzial dieser Buchgattung für die frühkindliche Bildung noch deutlich besser ausschöpfen.

So lautet eine zentrale Forderung des Trendberichtes Kinder- und Jugendbuch 2005, den der Arbeitskreis für Jugendliteratur (AKJ), die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj), der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Stiftung Lesen eben auf einer Pressekonferenz im Rahmen der Leipziger Buchmesse vorgestellt haben.

“Kinder- und Jugendbücher spielen im deutschen Buchmarkt eine wachsend große Rolle”, so Anja zum Hingst, Leiterin Kommunikation im Börsenverein. Dies gelte vor allem für die Lizenzvergabe deutscher Bücher ins Ausland, wo das Segment mit 21,3 Prozent den größten Anteil habe (Belletristik: 14,6 Prozent). Mit einem Anteil von 12,7 Prozent am Gesamtmarkt der Bücher in Deutschland sei das Kinder- und Jugendbuch im Jahre 2004 außerdem wiederholt eine der stärksten Warengruppen gewesen (2003: 14,1 Prozent), wie der gemeinsam mit media control GfK International herausgegebene Branchen-Monitor BUCH nachweise. Ungefähr jeder sechste gekaufte Titel aus diesem Segment sei ein Bilderbuch gewesen.

Laut Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen wurden im Jahre 2004 umgerechnet 1,4 Millionen Bilderbücher an Endkunden verkauft; bei derzeit 4,5 Millionen Kindern im Alter unter sechs Jahren sind das 0,3 Bilderbücher pro Kind. “Das ist viel zu wenig, wenn man bedenkt, welch hohe Bedeutung Bilderbücher für die kindliche Förderung haben“, kritisiert avj-Vorsitzender Klaus Willberg. „Sie öffnen Kindern die Welt, fördern die Entwicklung ihrer sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und Vorstellungskraft, der ästhetischen Wahrnehmung und des sozialen Lernens. Der Bilderbuch-Notstand ist gleichbedeutend mit dem Bildungs-Notstand.”

Dies gelte auch für die Verlage, die vermehrt auf den schlechten Verkauf von Bilderbüchern reagieren, indem sie das klassische Bilderbuchprogramm reduzierten oder ganz aufgäben. “So fallen weit mehr als die Hälfte der Neuerscheinungen im Bereich Bilderbuch im Frühjahr 2005 nicht auf das klassische Bilderbuch, sondern auf die anderen Buch-Varianten wie Mini und Midi, Pappe und Stoff”, erläuterte Willberg und forderte eine “Bilderbuch-Offensive”, die Eltern, Verlage, Buchhandlungen, Kindergärten und Bibliotheken sowie die Medien gleichermaßen einbeziehe, um die Qualität und die Verbreitung von Bilderbüchern zu verbessern.

“Um das wertvolle Potenzial von Bilderbüchern bestmöglich nutzen zu können, bedarf es eines Konzeptes frühkindlicher Bildung”, bekräftigte auch die AKJ-Vorsitzende Dr. Hannelore Daubert. “Vorläuferkompetenzen des Schreibens und Lesens können und müssen bereits im Kindergarten erworben werden. Dies setzt eine Reform der Erzieher-Ausbildung voraus – mit neuen Ausbildungsinhalten und einer anderen Ausbildungsqualität.”

Auch die qualitative Buchauswahl spiele eine entscheidende Rolle. Daubert verwies auf den Deutschen Jugendliteraturpreis, der mit der jährlich erscheinenden Nominierungsliste Eltern, Erziehern und anderen Vermittlern eine seriöse und verlässliche Auswahl- und Orientierungshilfe biete, um in der fast unüberschaubaren Flut an Neuerscheinungen die Perlen zu finden. Die Nominierungen für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2005 werden direkt im Anschluss an die Pressekonferenz präsentiert.

Einen Bedarf an Orientierung sieht Heinrich Kreibich, Geschäftsführer der Stiftung Lesen, insbesondere bei der Auswahl der geeigneten Vorlesebücher. “Eltern halten sich in der Regel an die Bücher, die ihnen selbst als Kinder vorgelesen wurden. Das ist schade: 5000 neu erscheinende Kinder- und Jugendbücher pro Jahr bieten ein großes Potenzial an spannenden Geschichten für jede Altersgruppe.”

Hier und bei der Bedeutung des Vorlesens für die frühkindliche Bildung überhaupt sieht er großen Vermittlungsbedarf. “Nur in einem Drittel aller Haushalte mit Kindern im ‚klassischen Vorlesealter‘ von 0 bis 10 Jahren wird vorgelesen. Zwei Drittel aller Familien lassen sich damit eine einzigartige Chance entgehen, ihre Kinder fit für die Zukunft zu machen”, so Kreibich. Indem Eltern stärker unterstützt und motiviert werden, könne Deutschland diesen Zahlen zum Trotz ein vorlesefreundliches Land werden. “Rund 6.000 ausgebildete Vorlesepaten der Stiftung Lesen tun bereits etwas gegen die Vorlesemisere: Sie halten freiwillig Vorlesestunden in Kindergärten – und engagieren sich damit für den Bildungsstandort Deutschland.”

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