Barbara König über ihr Projekt „Königskinder“

Barbara König

Gestern hatten wir es gemeldet: Unter dem Dach des Carlsen Verlags entsteht Königskinder: ein neues Imprint, für das Barbara König, seit elf Jahren Leiterin des erzählenden Kinder- und Jugendbuchprogramms bei Carlsen, die Verantwortung übernehmen wird [mehr…]. Im Herbst 2014 soll das erste Programm erscheinen. Wir haben nachgefragt, wie es aussehen soll.

buchmarkt.de: Die Nachricht ist noch ganz frisch – wie sind die ersten Reaktionen?
Barbara König: Es ist wunderbar, ich bekomme so viele Glückwünsche, so viele freuen sich über die „Königskinder“.

Über den Namen haben Sie sicher lange nachgedacht …

Oh ja, lange und in vielen Schleifen. Ganz viele Namen waren eben keine Königsnamen. Andere fand ich sehr reizvoll. Zum Beispiel „Hirntrost“. Aber ich dachte, wenn ich mal eine sehr ernste, traurige Geschichte habe, dann geht das nicht. „Königskinder“ ist neutraler und assoziativer.

Meine erste Assoziation war, dass es nicht gut endet mit den Königskindern …

Das ändern wir dann (lacht). Bei uns werden hoffentlich alle Königskinder zusammenfinden. Ich freue mich auf alle Königskinder, die zu uns kommen, wir machen Bücher für Königskinder …

Tun Sie das nicht schon? Warum machen Sie ein eigenes Label auf?

Ich bin seit elf Jahren bei Carlsen, und seit elf Jahren durchweg glücklich. Natürlich hat man auch mal einen schlechten Tag, aber Carlsen ist einfach besonders. Es gibt hier so viele leidenschaftliche Leute, und das ist ansteckend. Ich mag auch, dass der Verlag so breit aufgestellt ist. Es ist einfach inspirierend, wenn man sich zum Beispiel mal mit den Kollegen vom Comic über Zielgruppen unterhalten kann. Dennoch, nach elf Jahren wird’s dann auch mal langweilig.

Ein Luxusproblem.

Unbedingt ein Luxusproblem. Und jetzt etwas Eigenes machen zu können, dabei aber bei Carlsen bleiben zu können, ist etwas ganz Tolles. Besser geht’s nicht. Sie glauben gar nicht, was mir das bedeutet.

War das eigene Label Ihre Idee?

Ja, und Frau Herre und Herr Kaufmann haben darüber in Carlsen-typischer Art nachgedacht. Und entschieden, dass Carlsen eine weitere Programmfarbe gebrauchen kann.

Wie soll die Farbe denn aussehen?

Das ist – noch – ganz schwierig zu verbalisieren, denn es gibt ja noch nichts zu sehen. Ich habe ein starkes Gefühl zu den „Königskindern“, das auf meiner Berufserfahrung basiert. Aber leider bin ich eine grauenhafte Theoretikerin. Ich kann machen und zeigen. Was ich aber schon sagen kann: Ich glaube, dass es einen Typ Buch gibt, der in einem kleineren Programm mehr Raum und mehr Chancen hat. Solche Bücher wie „abends um 10“ von Kate de Goldi. Dieser so besondere Titel hat sich in der Größe des Carlsen-Programms doch etwas schwer getan.

Dabei war es Spitzentitel und Lese-Exemplar.

Ja, und das liebe ich so an Carlsen: Dass es möglich war, dieses Buch zum Spitzentitel zu machen. Inzwischen verkauft er sich im Taschenbuch besser als im Hardcover. Das sind Titel, die im englischsprachigen Raum große Hits sind, wie auch „Supergute Tage“ von Mark Haddon bei Blessing. In Deutschland setzen sie sich mittelfristig durch, es dauert eine Weile, bis man sagen kann, jetzt laufen sie gut.

Wird es solche Titel bei Carlsen dann nicht mehr geben?

Doch. Es bleibt ja eine banale Wahrheit: Programme werden von Menschen gemacht. Eine Grundregel in unserem Programm lautet: Wenn einer für ein Buch brennt, dann machen wir es. So hat zum Beispiel Franziska Leuchtenberger „Die Zeit der Wunder“ von Anne-Laure Bondoux entdeckt und sich dafür eingesetzt, das Buch, das nun schon so viele Preise bekommen hat. Wenn wir nun getrennt sind, weil sie bei Carlsen bleibt und ich die „Königskinder“ mache, werden diese Bücher ihren Weg gehen. Natürlich wird sich Carlsen unter der Leitung von Anne Bender neu justieren, weil sie ein anderer Mensch ist. Es wird ein anderer Chor sein, aber das Rückgrat bleibt.

Würden Sie bei den „Königskindern“ denn auch „Bis(s)“ machen?

Das ist schwierig zu beantworten. Wenn ich die ganzen Vampir-Bücher sehe, würde ich natürlich sagen: Nein.

Ich meine aber rückwärts gedacht.

Ich habe die Trennung zwischen kommerziellen Titeln und literarischen noch nie gemocht. Das ist sehr deutsch. Und natürlich wollen wir Geld verdienen.

Die Königskinder sollen also nicht der literarische Zweig des Carlsen Verlags werden?

Nein. Beides soll bei beiden möglich sein.

Aber Sie werden sich künftig auf die Zielgruppe ab zwölf Jahren konzentrieren?

Ja. Allerdings werde ich auch Kinderbücher ab acht Jahren machen, wenn es solche besonderen sind, die in keine Schublade passen, wie „Bär im Boot“ von Dave Shelton. „Der unsichtbare Wink“ von Emily Jenkins, das ich auch sehr liebe, würde hingegen nicht bei den „Königskindern“ erscheinen. Wir werden eine eigene Linie entwickeln.

Wer ist „wir“?

Kerstin Claussen kommt als Lektorin mit, dann werden wir noch eine Volontärin einstellen. Und ansonsten arbeiten wir mit den Carlsen-Abteilungen zusammen, wenn es um Herstellung, Vertrieb, Marketing und Presse geht.

Also eine kleinere Schublade und weiterhin das Prinzip „Wenn einer für das Buch brennt“?

Demokratische Entscheidungen sind doch Schlechteste, was man für ein Buch tun kann. Wenn einer das Buch toll findet, wird es auch einem weiteren gefallen.

Für Demokratie sorgt dann die Vertreter-Konferenz.

Ja, aber wir haben tolle Vertreter. Und nach elf Jahren kennen wir uns gut, da ist viel Vertrauen da.

Wie bei den Autoren. Wenn Andreas Steinhöfel ein neues Buch schreiben wird, wo wird das erscheinen?

Bei den „Königskindern“. Das war für Andreas Steinhöfel eine schwere Entscheidung – auf der einen Seite der Verlag, bei dem er seit 25 Jahren ist, auf der anderen die Lektorin, also ich, mit der er seit elf Jahren eng zusammenarbeitet. Letztlich folgt er seiner Lektorin, und das ist im Verlagsgeschäft gang und gäbe. Aber es war seine Entscheidung, ich werbe niemanden ab. Die Backlist wird bei Carlsen bleiben, neue Titel erscheinen bei den „Königskindern“ und gehen als Taschenbuch selbstverständlich zu Carlsen.

Gibt es schon Ideen zur Gestaltung der Königskinder-Bücher?

In mir brodelt es. Momentan arbeite ich parallel – am Carlsen- und am Königskinder-Programm. Alle Ideenkeime schreibe ich auf, um sie zum gegebenen Zeitpunkt wieder hervorzuholen. Ich habe mich damals, als ich als junge Lektorin angefangen habe, immer gefragt, ob es wohl einen Unterschied macht, ob man das richtige oder falsche Format, die richtige oder falsche Haptik für ein Buch verwendet. Und ich kann sagen: Immer, wenn wir innen wie außen alles richtig gemacht hatten, waren auch die Verkaufszahlen gut. Insofern ist mir die Gestaltung ganz wichtig. Und ebenso wichtig ist es mir, das auch aufs Digitale zu übertragen. Wir haben hier eine tolle Abteilung im Haus, die sich darum kümmert, mit Mareike Hermes und Markus Dömer. Die freuen sich schon auf die Zusammenarbeit.

Die Fragen stellte Susanna Wengeler

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