Gleiches Konzept – Neuer Stil Rebekka Kriegisch und Heike Kornfeld haben die Buchhandlung am Fellbacher Platz übernommen

In Berlin-Hermsdorf haben Rebekka Kriegisch und Heike Kornfeld die Buchhandlung am Fellbacher Platz übernommen. Das Konzept des allgemeinen Sortiments ist geblieben, die Einrichtung wurde völlig umgekrempelt.

Heike Kornfeld, Rebekka Kriegisch: Nach zwei Wochen Umbauphase ist in ihrer Buchhandlung der Frühling eingezogen

Es ist Frühling. Am Fellbacher Platz, im Zentrum von Berlin-Hermsdorf, stehen zwei Tische mit Narzissen und Stühle vor einem mit Natur- und Gartenbüchern dekorierten Schaufenster. Bunte Trinkbecher und eine knallgelbe Kaffeekanne laden Passanten zum Verweilen ein und machen neugierig auf den Eckladen hinter der Fensterfront: die Buchhandlung am Fellbacher Platz.
Anfang des Jahres haben Heike Kornfeld (54) und Rebekka Kriegisch (41) die einzige Buchhandlung in Hermsdorf übernommen. Beide Buchhändlerinnen kannten den Laden wie ihre Westentasche; denn zuvor hatten sie sieben bzw. sechs Jahre lang als Halbtagskräfte in der 2001 von Gabriele Nölder und ihrem Mann Dieter Hombach gegründeten Buchhandlung gearbeitet. Als das Ehepaar überlegte, das Geschäft in jüngere Hände zu übergeben, ließen sich Heike Kornfeld und Rebekka Kriegisch nicht lange bitten. Auch mit dem Vermieter wurde man sich schnell einig. Zielstrebig beteiligten sich die beiden am Businessplan-Wettbewerb der Investitionsbank Berlin, die Gründer bei der Erstellung ihres Geschäftskonzeptes unterstützt. „Letztendlich haben wir die Übernahme dann privat finanziert. Den Businessplan, der uns bessere Karten bei Bankengesprächen verschaffen sollte, nutzen wir jetzt für uns“, erzählt Heike Kornfeld, die ebenso wie ihre Partnerin eine sympathische Zufriedenheit ausstrahlt.

Viel Liebe zum Detail

Von ihrem Standort in Hermsdorf, einem Ortsteil des Bezirks Reinickendorf im Nordwesten der Hauptstadt, sind die beiden überzeugt. Die rund 15.000 Einwohner leben im Grünen und sind mit der S-Bahn doch schnell im Zentrum Berlins. „Die Gegend ist bei jungen Familien sehr beliebt“, so Heike Kornfeld. „Es wird hier viel gebaut, und allein in unserer Nachbarschaft gibt es zwei Grundschulen.“
„Wow, haben Sie es hier schön gemacht“, staunt eine Kundin, die ihren Kinderwagen in den geräumigen Kinderbuchbereich im hinteren Teil des Ladens schiebt. Ein Kompliment, das die beiden Inhaberinnen von den Stammkunden häufig hören. Wegen des Umbaus blieb die Buchhandlung nach der Übernahme für zwei Wochen geschlossen – bis zur Wiedereröffnung am 15. Januar. Rebekka Kriegisch und Heike Kornfeld entschieden sich für ein helles, großzügiges Ladenkonzept. Da die großen Fenster nun nicht mehr verstellt sind, dringt mehr Licht in den Laden, und es gibt Sitzecken zum Blättern, Schauen und Lesen. Eine zuvor als Abstellraum genutzte Fläche der insgesamt 120 Quadratmeter großen Geschäftsräume (Verkaufsfläche: 90 Quadratmeter) steht den Kunden als gemütliches Lesezimmer zur Verfügung.
Mit Herzblut, viel Liebe zum Detail und der tatkräftigen Hilfe ihrer Familien haben die beiden Inhaberinnen 14 Tage lang gewerkelt, gestrichen und gehämmert. Der dunkelgrüne Teppichboden wurde durch robustes Vinyl in Holzoptik ersetzt, die einzige Arbeit, die ein externer Handwerker übernahm. Auch die Regale in Buchenfurnier sind verschwunden. „Wir hatten zunächst vor, sie weiß zu überstreichen, doch davon haben uns selbst Experten abgeraten“, sagt Rebekka Kriegisch. Die meisten der alten Regale haben nun ein neues Zuhause in einem Hamburger La-kritzladen gefunden.
Weiße Platten auf Böcken und ein großer, weiß gestrichener Tisch bieten viel Raum zur Frontalpräsentation. Rebekka Kriegischs Mann, ein Tischler, baute den Tresen, und eine befreundete Tischlerin entwarf kleine Bäume aus Holz, die an den hellen Wänden die Blicke auf sich ziehen. Geblieben ist die Beleuchtungsanlage in der Decke, die jedoch durch den Einsatz von LED-Leuchtmitteln eine ganz neue Wirkung entfaltet, so die beiden Gründerinnen.
Akzente setzen sie mit Farbtupfern: Bunte Teppiche, monochrome Leinwände und jede Menge Sitzkissen und Blumen geben der Buchhandlung ein freundliches Gesicht. „Zunächst waren wir geschockt, als hinter den alten Bilderbuchschütten ein Stück Mauerwerk zum Vorschein kam. Doch nach dem ersten Schreck haben wir beschlossen, dass die Wand so bleiben darf“, erzählt Heike Kornfeld. Hier haben nun die kleinen Kunden Platz zum Spielen und Schmökern.

Treffpunkt Fellbacher Platz

Am bewährten Konzept des allgemeinen Sortiments mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendbuch hat sich nichts geändert. „Aber natürlich schlagen sich unsere persönlichen Vorlieben nieder“, sagen die beiden, die nun auch bibliophilen Ausgaben und Graphic Novels Platz einräumen. „Hier bewährt sich das Bezugsmodell Anabel. So haben wir die Chance, das Sortiment zu durchmischen und fühlen uns frei, auch mal Experimente zu machen“, betonen die beiden, die auch den eBuch-Onlineshop geniallokal nutzen. „Die meisten Neuerscheinungen bestellen wir aber nach wie vor gerne bei den Verlagsvertretern. Dieser Kontakt ist uns sehr wichtig.“
Neu eingeführt wurde auch ein Veranstaltungsprogramm, zu dem in diesem Frühjahr Autorinnen wie Lucy Fricke und Sabine Ludwig erwartet werden. Und die Open-Air-Lesung mit Anne Reinecke findet – schönes Wetter vorausgesetzt – im grünen Innenhof des Hauses statt. Mit der Übernahme bekam die Buchhandlung auch ein eigenes Logo verpasst. Der Clou: Autoren, die in der Buchhandlung am Fellbacher Platz lesen, bekommen als Dankeschön Pralinen mit dem Logo des Ladens.
Die beiden Frauen sind nun bei Facebook und Instagram aktiv, wo sie bereits den Umbau ausführlich dokumentiert haben; Werbung in Anzeigenblättern und eine feste Rubrik in jeder Ausgabe des Hermsdorfer Stadtmagazins machen die Bewohner des Viertels zudem regelmäßig auf die Buchhandlung aufmerksam.
Damit der Fellbacher Platz direkt am S-Bahnhof Hermsdorf lebendig bleibt, sind Ideen gefragt. Und die werden den beiden stilsicheren Frauen wohl so schnell nicht ausgehen. Sie sind bereits mit ihren Nachbarn, darunter eine Papeterie, eine kleine Boutique und Schmuckdesignerinnen im Gespräch, um den Fellbacher Platz noch lebenswerter zu machen.
Margit Lesemann

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