Im Oktober auf Platz 1: Antonia Grunenberg

1. (-) 73 Punkte

ANTONIA GRUNENBERG: Hannah Arendt und Martin Heidegger – Geschichten einer Liebe
Piper Verlag, 480 Seiten, 22,90 EUR
mittelschwere Lektüre

Ein verführter Denker, der den Führer führen wollte, eine junge, kluge jüdische Studentin, die 1924 das Sprechzimmer des Professors betrat. Der Beginn einer lebenslangen, unvorstellbare Beziehung über den Holocaust hinweg: der eine, reuelos und – wenn auch später distanziert – immer auf der Seite der Täter. Die andere, Paria, zum Opfer bestimmt, Exilantin.

2. (-) 60 Punkte

SILVIA BOVENSCHEN: Älter werden. Notizen
S. Fischer Verlag, 154 Seiten, 17,90 EUR
mittelschwere Lektüre

„Eignungsanmaßung. Jetzt, Anfang 2006: Warum glaube ich an meine besondere Zuständigkeit für dieses Thema? Weil ich alt bin. 60!“ Kein Essay, keine wissenschaftliche Abhandlung, Persönliches zu einem Thema, das täglich weniger ein Thema und mehr ein Bekenntnis ist.

3. (-) 50 Punkte

WOLF HAAS: Das Wetter vor 15 Jahren
Roman. Verlag Hoffmann und Campe, 224 Seiten, 18,95 EUR
mittelschwere Lektüre

Niederschlagsmengen, Luftdruckschwankungen, Wolkenbewegungen – Vittorio Kowalski weiß alles über das Wetter. Und dann wird er auch noch Wettkönig
bei „Wetten dass…?“. Nur eine weiß, woher die Leidenschaft fürs Wetter herkommt. Die einstige Liebe Anni.

4. (-) 49 Punkte

HUBERT FICHTE: Die zweite Schuld – Die Geschichte der Empfindlichkeit Band III
Glossen. S. Fischer Verlag, 339 Seiten, 22,90 EUR
leichte Lektüre

„So ist der Abschluss von Hubert Fichtes „Geschichte der Empfindlichkeit“ ein außergewöhnliches Zeitdokument geworden, eine Quelle ersten Ranges. Durch die merkwürdig lässige und vorläufige Edition erkennt man erst auf den zweiten Blick, welcher Schatz in dieser „Zweiten Schuld“ verborgen liegt.“ (Helmut Böttiger)

5. (-) 46 Punkte

ERNST-WILHELM HÄNDLER: Die Frau des Schriftstellers
Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, 640 Seiten, 25,00 EUR
schwierigere Lektüre

Laura – nach Dante – heißt die Frau des einen Schriftstellers, Beatrice – nach Petrarca – die Geliebte des anderen. Seit der Renaissance ist Literatur Erfindung, Fiktion. Aber was geschieht, wenn der eine Schriftsteller den Auftrag erhält, die Biographie des schreibkrisengeschüttelten anderen zu beenden und seine eigene Geschichte zu lesen bekommt? Ist das erfunden oder wahr? Ein Roman über die Krise der Fiktion.

6. (6.) 44 Punkte

JOHN BANVILLE: Die See
Roman. Aus dem Englischen von Christa Schuenke.
Verlag Kiepenheuer & Witsch, 224 Seiten, 17,90 EUR
mittelschwere Lektüre

„Das Meer ist nie einsam.“ (Canetti) Darum fährt der Kunsthistoriker Max nach dem Krebstod seiner Frau an die See. Dahin, wo er als Kind seine ersten sexuellen Erfahrungen machte. Dahin, wo alles begann.

7. (-) 41 Punkte

BOTHO STRAUSS: Mikado
Carl Hanser Verlag, 176 Seiten, 25,90 EUR
mittelschwere Lektüre

„Zu einem Fabrikanten, dessen Gattin ihm während eines Messebesuchs entführt worden war, kehrte nach Zahlung eines hohen Lösegelds eine Frau zurück, die er nicht kannte und die ihm nicht entführt worden war.“ Kalendergeschichten, in denen es ums Ganze geht. Jede die kleine Pforte, durch die das ganz Andere unserer Wirklichkeit treten kann.

8. – 9. (-) 39 Punkte

JOHN BERGER: Hier, wo wir uns begegnen
Aus dem Englischen von Hans Jürgen Balmes.
Carl Hanser Verlag, 224 Seiten, 17,90 EUR
leichte Lektüre

Zum 80. Geburtstag des großen britischen Erzählers, ein Erinnerungsbuch, eine Lebensgeschichte: Ortsbegehungen, Totenbeschwörungen; das Wiedererscheinen wichtiger Menschen, von gestern, von heute.

8. – 9. (-) 39 Punkte

THOMAS HÜRLIMANN: Vierzig Rosen
Roman. Ammann Verlag, 350 Seiten, 19,90 EUR
leichte Lektüre

Marie Katz ist eine talentierte Pianistin, Max Meier einer, der Karriere machen will. Sie lehrt ihn die gesamte Klaviatur des Auftritts. Er wird zum Virtuosen des Aufstiegs. Aber was bleibt dem Ich? Und was der Liebe?

10. (-) 34 Punkte

THOMAS GLAVINIC: Die Arbeit der Nacht
Roman. Carl Hanser Verlag, 400 Seiten, 21,90 EUR
mittelschwere Lektüre

Einer wacht morgens auf. Und ist allein. Ganz allein. Warum? Und wo sind die anderen? Kann man ohne Mitmenschen leben? Seine Suche beginnt.

Persönliche Empfehlung im Oktober von Caroline Neubaur

SUDHIR & KATHARINA KAKAR: Die Inder
Porträt einer Gesellschaft
C.H. Beck Verlag, 208 Seiten, 19,90 EUR

„Von deutschen Philosophen hielt nur Schelling Theorie für erzählbar. Sie kannten nicht Sudhir Kakar, der zusammen mit der Religionswissenschaftlerin Katharina Kakar, „die“ Inder in einer großartigen Erzählung porträtiert. In einem Land, wo „die Unterbrechung einer Geschichte als ebenso große Sünde galt wie der Mord an einem Brahmanen“, konnte die Erzähltradition naturgemäß nicht abreißen Farben, Farben, Farben und dennoch Klarheit und keine Spur von Ethnokitsch.“ (Caroline Neubaur)

Die ‚Bestenliste‘ im Fernsehen

‚Literatur im Foyer‘ mit Thea Dorn
Freitag, 13. Oktober 2006 um Mitternacht im SWR Fernsehen

Sonntag, den 15. Oktober 2006 um 7.30 Uhr im SWR Fernsehen
Gast: Literaturnobelpreisträger Imre Kertész

Freitag, 27. Oktober 2006 um Mitternacht im SWR Fernsehen

Sonntag, 5. November 2006 um 13.30 Uhr in 3sat
Gast: Ayaan Hirsi Ali

‚Literatur im Foyer‘ mit Martin Lüdke
Dienstag, 3. Oktober 2006 um Mitternacht im SWR Fernsehen

Sonntag, 8. Oktober 2006 um 13.30 Uhr in 3sat
Gäste: Bodo Kirchhoff, Thomas Hürlimann, Donna Leon u.a.

Freitag, 20. Oktober 2006 um Mitternacht im SWR Fernsehen
Gäste: Norbert Scheuer, Gianna Zocco, Madeleine Giese u.a.

Diskussionssendung zur ‚Bestenliste‘ im Hörfunk:

SWR2 RadioART: Literatur
Dienstag, 3. Oktober um 21.03 Uhr
Über Bücher der Oktober-Bestenliste diskutieren Helmut Böttiger, Peter Hamm, Caroline Neubaur. Moderation: Eberhard Falcke

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.