Die zehn besten Krimis im April

Bereits zum zweiten Mal erscheint die KrimiZEIT-Bestenliste in der neuen Kooperation von ZEIT, ARTE und NordwestRadio. Diesmal stehen sechs neue Titel auf der KrimiZEIT-Bestenliste April 2011:

Platz 1: Peter Temple: Wahrheit wurde mit dem bedeutendsten australischen Literaturpreis ausgezeichnet und ist dennoch ein harter, brillanter Krimi.
Platz 2: Friedrich Ani: Süden. In seinem Comeback nach sechs Jahren ermittelt Vermisstensucher Tabor Süden in eigener Sache, er sucht seinen Vater, und nach einem verschwundenen Durchschnittsmenschen
Platz 4: Linus Reichlin: Er ist ein Roman über die Eifersucht und ihre Folgen
Platz 8: Arne Dahl: Opferzahl. Im Jahr der Bombenanschläge auf die Londoner U-Bahn spielt Dahl intelligent einen ähnlichen Fall für Stockholm durch. Showdown: am Holocaust Mahnmal in Berlin.
Platz 9: Didier Decoin: Der Tod der Kitty Genovese rekonstruiert den Mord, bei dem der „Bystander-Effekt“ – Zeugen, die nicht eingreifen – erstmals beschrieben wurde.
Platz 10: Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten ist ein Roman über gestohlene Identitäten und vertauschte Biografien im Deutschland des Kalten Krieges.

Hier die komplette KrimiZEIT im April:

1. (-) Peter Temple: Wahrheit; C. Bertelsmann
Nackte Tote in gläserner Wanne. Drei Räuber gefoltert. Vaters Haus vom Waldbrand bedroht. Wahlkampf in Victoria. Tochter auf Droge. Stephen Villani, Leiter der Mordkommission, ist klug, kein mutiger Mann, aber tapfer im Sturm des Jetzt. Ausgezeichnet: Bester australischer Roman 2010.

2. (-) Friedrich Ani: Süden; Droemer
Nach sieben Jahren Exil in Köln kehrt Tabor Süden zurück. Sein verschwundener Vater war am Telephon. Ex-Kommissar und Neu-Detektiv Süden sucht wie nie zuvor: nach dem verschollenen Vater, nach Mundl, dem vermissten Kneipier. Südens Comeback zu den Verlorenen. Einzig, großartig.

3. (3.) Daniel Woodrell: Winters Knochen; Liebeskind
Tief in den Ozarks. Jessup, bester Meth-Koch im Tal, ist verschwunden, sein Haus für die Kaution verpfändet. Die sechzehnjährige Ree muss des Vaters Tod beweisen, sonst landet sie mit Mutter und kleinen Brüdern auf der Straße. Ree steht’s durch, härter als alle. Country Noir, original vom Erfinder.

4. (-) Linus Reichlin: Er; Galiani
Eifersucht ist Tod auf Raten, Affektmordmotiv. Operative Fallanalyse geschwächten Mannestums. Ex-Inspecteur Hannes Jensen traut der neuen Zufallsliebsten nicht und ermittelt wg. Betrugsverdacht. Schäfer Angus flieht die Schmach. Zwei Mal Er – dazwischen Lea unnahbar autonom.

5. (1.) Elmore Leonard: Road Dogs; Eichborn
Im Knast von Miami waren Bankräuber Foley (George Clooney in Out of Sight) und Dealer Cundo Rey Kumpel: Road Dogs. Draußen in Los Angeles wird die Freundschaft getestet. Von den Umständen. Und von Cundos Frau. Wer überlebt? Der am schnellsten redet und denkt. Super.

6. (7.) Heinrich Steinfest: Wo die Löwen weinen; Theiss
Stuttgart 2010. Oben – unten. Nur ein Deus ex Machina kann helfen. Steinfest lässt gleich drei auftreten: unterirdisch, überirdisch und mit Scharfschützengewehr. „Dichter denken, was wir uns selbst nicht zu denken trauen.“ Krimi als präziser Traum zu Stuttgart 21: poetischer Spiegel, Realitätsdurchleuchtung, doll.

7. (5.) Richard Stark: Sein letzter Trumpf; Zsolnay
Ein Casinoschiff wird kommen. Parker und Kollegen rauben den Weekendgewinn, weggeschafft in der Closchüssel eines Rollstuhls. Rauben ist schwer, die Beute sichern schwerer. Parker und Co. sind nicht allein, gierige Idioten mischen mit. Und Parker hat einen Fehler gemacht. Sehr kühl.

8. (-) Arne Dahl: Opferzahl; Piper
Im Sommer der Anschläge wird auch in Schweden gebombt. Terrorismus, missglückter joke? Die Ermittlungskünstler des A-Teams dröseln an zig Fäden, tasten im Nirgendwo ihrer Vorurteile, Hypothesen. Hommage an Ed McBain: Im police procedural entblättert sich Systemzerfall. Hochriskant.

9. (-) Didier Decoin: Der Tod der Kitty Genovese
New York 1964. Rekonstruktion eines berühmten Verbrechens: 35 Minuten währt der mörderische Überfall auf Kitty. 38 Nachbarn waren Zeuge, ohne einzugreifen – erstmals der „Bystander-Effekt.“ Präzise und delikat erzählt Decoin zurück zum lebendigen Ursprung dieses Begriffs. True & crime.

10. (-) Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten; List
Im Stasi-Waisenhaus auf Rügen werden 1985 zwei Mädchen vertauscht, Knoten deutsch-deutsch-amerikanisch-russischer Geheimoperationen. Retrospektiv aufgedeckt von einer Spezialistin für Todesfolgenbeseitigung. Jüngste deutsche Geschichte bravourös kolportiert.

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