Bester Krimi 2009: „Kap der Finsternis“ von Roger Smith

Einmal im Jahr präsentiert die KrimiWelt-Jury aus 19 Literaturkritikern ihre Auswahl der Auswahl: Die zehn besten Krimis der vergangenen zwölf Monate.

Hier die komplette Liste:

1. Roger Smith: Kap der Finsternis. Tropen
Kapstadt: Entführung, Erpressung, Mord. Immer rasender dreht sich das Karussell der Gewalt. Die Welt fliegt ihnen um die Ohren: dem Ex-Knacki und Nachtwächter, dem flüchtigen Ami und seiner Familie, dem frömmelnden Killerbullen. Harte Schnitte. Scharfer Blick auf Südafrikas Metropole des Verbrechens und Austragungsort des WM-Halbfinales.

2. Fred Vargas: Der verbotene Ort. Aufbau
Paris/London/Kiseljevo: Der großartigste aller Vargas-Romane beginnt mit 17 Schuhen. Darin abgeschnittene Füße, die in den Londoner Friedhof Highgate wollen. Die Überreste eines in hunderte Stückchen zermatschten Mannes führen Kommissar Adamsberg an einen Geburtsort europäischer Gewalt zwischen historischer Wirklichkeit und Wahn.

3. David Peace: Tokio im Jahr Null. Liebeskind
Tokio 1946: In den Trümmern der Stadt liegen zwischen Kriegsleichen die Opfer eines Frauenschänders. Erniedrigte Polizisten, demütigende Alliierte. Entmenschlichung? No, Menschenleben. Volume 1 von 3 schwarzen Gesängen aus Tokio. Erschütternd. Ein wahrer Fall. Große Literatur. Kein Spaß. Entspannung? Nicht mit Peace.

4. Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott. Hoffmann und Campe
Wien/Kitzbühel: Brenner hat den sechsten Krimi überlebt, nun also der siebte. Der Ex-Polizist und Ex-Detektiv ist Chauffeur und kriegt sein Mündelkind entführt. Vom lieben Gott vielleicht, zur Strafe für Mama Doktors Abtreibungsklinik. Simon sucht Helena – und findet Gott. Welch Wunder! Oh jaa. Haaaas!

5. Don Winslow: Frankie Machine. Suhrkamp
San Diego/Hawaii: Frankie ist der Sonnyboy vom Anglerladen und der Frieden stiftende Sheriff auf dem Touristenpier. Doch wer sich mit ihm anlegt, lernt ihn als Frankie Machine kennen. Als ausgebufften, kaltblütigen Killer. Ein flotter Ritt durch die West-Coast-Abteilung der amerikanischen Mafia. Winslows Landung in Germany.

6. Friedrich Ani: Totsein verjährt nicht. Zsolnay
München: Seit sechs Jahren ist Scarlett verschwunden, ein Nachbarjunge als Mörder verurteilt. Ihre Leiche wurde nicht gefunden – und jetzt hat ein Schulfreund Scarlett auf dem Marienplatz gesehen. Polonius Fischer sucht die Verlorene. Ani ganz bitter: Deutschland, ein Fiasko. Nach einem realen Fall. Bayrische Brachialjustiz und frische Trauer.

7. Tana French: Totengleich. Scherz
Dublin/Glenskehy: Detective Cassie Maddox schlüpft in die Rolle einer getöteten Frau, die ihr nicht nur gleicht, sondern auch den Namen trägt, unter dem Cassie Jahre zuvor als Undercover-Agentin niedergestochen wurde. Und gerät in eine Melange aus Kleinmädchenabenteuer und Außenseiterepos. Schön lang. Very Irish.

8. Richard Stark: Keiner rennt für immer. Zsolnay
Massachusetts: Parker tötet einen verdrahteten Spitzel, das ist der Anfang. Beim Versuch, das Geld einer Bank zu rauben, verheddern sich Parker und Kumpel in den Ambitionen der beteiligten Amateure. So wird man nicht reich. Zum Schluss sind hunderttausend Dollar auf seinen Kopf gesetzt. Doch Parker kann man nicht schlagen. Soo gut!

9. Pete Dexter: Paris Trout. Liebeskind
Cotton Point, Georgia: Paris Trout, Geschäftsmann und Kredithai, ist sein eigenes Gesetz. Das ihm erlaubt, zwei schwarze Frauen abzuknallen, seine Frau zu misshandeln, keine Steuern zu zahlen. Lakonischer Bericht von Trouts Herrschaft und Untergang, von Aufbegehren, Unterwerfung, Rassenwahn. Ein Meisterwerk, revidiert, vervollständigt, ungeheuer.

10. James Sallis: Dunkle Schuld. Heyne
Im Hinterwald des Südens: Turner, Ex-Cop, Ex-Sträfling, Ex-Therapeut, hat sich aus allem zurückgezogen. Bis der Ritualmord an einem Tramp alles wieder aufwühlt. Das verpfuschte eigene Leben kommt bei der Suche nach dem Täter wieder hoch: Rückzug impossible. Großartiger erster Band der Turner-Trilogie.

Vorgestellt wird die KrimiWelt – Die zehn besten Krimis 2009 im NordwestRadio unter www.arte.tv/krimiwelt mit Kommentaren des Jurysprechers („What’s New?“), Kurzrezensionen der Juroren („Zurufe“) und weiteren Informationen zu Büchern und Autoren („Krimiautoren A-Z“) sowie in der Literarischen Welt am 30.1.2010.

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