Die KrimiZeit-Bestenliste September – hier zum Ausdrucken

Heute ist die KrimiZEIT-Bestenliste September 2014 in der Wochenzeitung DIE ZEIT erschienen.

Hier können Sie die Liste downloaden und als Plakat ausdrucken:
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An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste September 2014 finden Sie neu:
Black Heart von Mike Nicol (original 2011: Black Heart)
Black Heart ist der abschließende Band der „Rache-Trilogie“, mit der der 1951 in Kapstadt geborene und dort lebende Mike Nicol seinen Einstand im Krimi-Genre gab. Zuvor war er als Romancier (auch als writer in residence in Deutschland), Lyriker und Biograph von Nelson Mandela hervorgetreten.

Die ehemaligen Waffenhändler des ANC Mace Bishop und Pylon Buso müssen für die Gewalt büßen, die sie einer jungen Frau während des Befreiungskampfes angetan haben. Inzwischen gehört diese Sheemina February zum südafrikanischen Establishment und nutzt wie eine schwarze Spinne ihre Verbindungen, um die beiden bürgerlich gesettelten Herren fertigzumachen. Sehr spannender Einblick in die Macht- und Gewaltstrukturen des demokratischen Südafrika von heute. „Meisterhaft evoziert Nicol in den Biographien von Sheemina und Mace das Dilemma seines Landes, in dem die Vergangenheit ständig neue Gewalt gebiert, bis es, so Nicol, ‚für niemanden mehr Sicherheit gibt‘. (Gunter Blank, Rolling Stone) „Wer payback und killer country mit Spannung gelesen hat (so wie ich), wird jetzt nicht aufhören können. Und alle drei Bände füllen einen ganzen Sommerurlaub.“ (Jochen Vogt, WAZ)

Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste September finden Sie wieder sechs weitere Titel, zwei amerikanische, einen englischen, einen australischen und zwei deutschsprachige:
Auf Platz 2: Lebt von Orkun Ertener
Lebt ist das Romandebüt eines Autors, der im Medium Fernsehen bereits erhebliche Erfolge vorzuweisen hat. Orkun Ertener erfand und konzipierte die Serie KDD – Kriminaldauerdienst, die 2007 bis 2009 in drei Staffeln vom ZDF ausgestrahlt und u.a. mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Lebt ist der Roman einer Recherche, die – obwohl fremdgesteuert und manipuliert – Unerwartetes aufdeckt, Verborgenes enthüllt und zu einem überraschenden Ergebnis führt: Can Evinman, als Ghostwriter Spezialist in der Ausgestaltung fremder Biografien, muss sich der einzigen Geschichte stellen, die er niemals erforschen wollte: seiner eigenen. Der Weg dorthin führt weit in die türkisch-deutsch-jüdische Geschichte und die Verbrechen des 20. Jahrhunderts zurück. Gemeinsam mit der Schauspielerin und Milliardärsgattin Anna, deren Biografie er verfassen soll, stößt er auf eine Raubaktion, die die Nazis an griechischen und türkischen Juden (und an der clandestin lebenden Sekte der Dönme) während der Besetzung Thessalonikis durchgeführt haben. Das Raubgut könnte die Grundlage für das Vermögen von Annas Mann gewesen sein – dies zu vertuschen Grund für eine Reihe von Morden in Annas und Evinmans Familien. In Lebt vertwistet Ertener atemberaubend reale, erfundene und mögliche Geschichte mit einem spannenden Verfolgungsplot und einer komplizierten Suche nach der eigenen wie der kollektiven Identität. Geschichtssattes Epos, komplexe Intrige – alles, was Kriminalliteratur kann, in einem starken Debüt.

Auf Platz 6: Galveston von Nic Pizzolatto (original 2011: Galveston)
Auch Galveston ist das Romandebüt eines Drehbuchautors. Der 1975 geborene Pizzolatto schrieb Galveston, bevor er zum Hauptautor der HBO-Serie True Detective wurde. Pizzolattos Ich-Erzähler Roy Cady erinnert sich. 1987 erhielt er die Diagnose Lungenkrebs (mit Röntgenbild im Buch), rettete aus einer misslungenen Erpressungsaktion nach Hinterlassung etlicher Leichen eine achtzehnjährige Nutte, floh mit ihr, gabelte auf dem Weg nach Galveston noch deren vierjährige Tochter auf, versuchte, in dem texanischen Badeort das Trio zur Kleinfamilie zu formen, scheiterte an der Achtzehnjährigen und seinen Verfolgern, Knast. Schnitt: 2008 ist der Totgesagte wieder frei, wird wieder verfolgt und erfährt so etwas wie eine Erlösung. Fazit dieses vom Verlag etwas misslich als Noir deklarierten, spannenden, höchst romantischen Romans: Ich-Erzähler sterben selten, und es lohnt sich doch, Gutes zu tun. Wenn man das noch erlebt.

Auf Platz 7: Bestie von Carlo Lucarelli (original 2013: Il sogno di volare)
Mehr als zehn Jahre ist es her, seit der letzte Roman von Carlo Lucarelli in deutscher Sprache erschienen ist. Der 1960 in Parma geborene und in Bologna lebende Lucarelli ist einer der wichtigsten und auch umtriebigsten italienischen Autoren. Comics, Fernsehserien über ungelöste Verbrechen, Romane sind sein Kerngeschäft. Allein in 3 Serien lotet er die Möglichkeiten der Kriminalliteratur aus, er experimentiert und ist erfolgreich zugleich. Freude also über den Versuch des Foglio-Verlags, mit Bestie Lucarelli wieder am deutschen Markt zu etablieren. Grazia Negro ist wohl die einzige weibliche Serienkommissarin der italienischen Kriminalliteratur, spezialisiert auf dem Kampf mit den Ultrabösen, den Serienkillern, die bei Lucarelli eigentlich immer Züge von Kampfhunden tragen. Faszinierend ist besonders die assoziative, multiperspektivische Erzählweise. Im Unterschied zum angloamerikanischen und deutschen psychopathischen Serienkiller hat Lucarellis Kampfhund einen Grund zum Töten, auf den der (im Original titelgebende) Song vom „Traum vom Fliegen“ verweist.

Auf Platz 8: Brennerova von Wolf Haas
Fünf Jahre nach seinem Showdown mit dem lieben Gott in einer Jauchegrube ist wieder ein neuer Brenner da: Brennerova. Die Frauen und das Frauliche geben nicht nur im Titel den Text vor. Brenner sehnt sich nach ihnen, sucht eine Brennerova im Russinnen-Portal, ist aber zugleich irgendwie damit einverstanden, von Herta, einer wegen Gewalt gegen missratene Schüler entlassenen Lateinlehrerin (Humanismus!) domestiziert zu werden. Sie ist es auch, die Brenner dazu bewegt, Nadeshda aus Nischni-Nowgorod zu heiraten und nach ihrer vermeintlich in den Klauen von Mädchenhändlern darbende Schwester zu retten.

Im achten Brenner-Roman sehen wir den immer schon widerwilligen Detektiv quasi ganz ohne Willen. Aus dieser perspektive gelingen dem Erzähler, jenes „Plappermaul“, für das Haas berühmt geworden ist etliche scharfe Seitenhiebe auf’s Gutfeministentum und etliche witzige Szenen. Aber irgendwie ist beim Brenner, der jetzt Sechzig ist, a bissl die Luft raus.

Auf Platz 9: Gangland von Howard Linskey
Howard Linskey kennt sich als gelernter Journalist nicht nur gut aus im Organisierten Verbrechen, mit dem zweiten Band um das kleine Gangstersyndikat von Newcastle und seinen Boss David Blake beweist er, dass er ein nüchterner, leicht zynischer und überhaupt verdammt guter Erzähler ist. In der 2. Folge der Firmengeschichte geht es um die Abwehr diverser Bedrohungen, die für sich allein genommen nicht gefährlich sind, trotzdem aber zum Zusammenbruch des kleinen Imperiums führen können, dessen Erträge Blake leider immer noch nicht in seinem schönen Bungalow in Thailand genießen kann. „Gangland ist konsequent, manchmal ein bisschen ruppig, ungefühlig (man kann an manchen Stellen sicher auch sagen: ein wenig herzlos) und sehr unterhaltsam.“ (Thomas Wörtche, CULTurMAG)

Auf Platz 10: Die Verlobung von Chloe Hopper (original 2012: The Engagement)
Sex, also fröhlicher, lustvoller, echter sexy Sex spielt in dem prüden Genre Kriminalroman kaum eine Rolle. Umso erfreulicher ist es, dass die Australierin Chloe Hopper sich der Sache in ihrem deutschsprachigen Debüt Die Verlobung mit Feinsinn und Raffinesse annimmt. Der Titel verspricht ja die Bändigung des Triebes, aber das ist nur eine der vielen Täuschungen, mit denen Hopper die Leser foppt. Die Mittdreißigerin Liese, dem spießigen England nach Australien entronnen, nutzt ihren Job im Immobiliengeschäft des Onkels, um diverse Variationen von „Sex ohne Verpflichtungen“ auszuprobieren. Mit Farmer Alexander, einem knochigen Experimentator mit dicker Brieftasche gelingt dies besonders gut. Liese lässt sich – alles Spiel – ihre Liebesdienste bezahlen und baut so ihren Schuldenberg ab. Alles bleibt ein Spiel, bis Alexander die vermeintliche Hure für eine schöne Summe auf seine entlegene Farm einlädt, um Verlobung zu spielen.

Unsere Dauerchampions:
Zum dritten Mal steht Olen Steinhauer mit Die Kairo-Affäre auf der KrimiZEIT-Bestenliste.

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