Die KrimiZeit-Bestenliste Oktober – hier zum Ausdrucken

Heute ist die KrimiZEIT-Bestenliste Oktober 2014 in der Wochenzeitung DIE ZEIT erschienen. Hier können Sie die Liste downloaden und als Plakat ausdrucken:

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An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste Oktober2014 finden Sie neu:
Lebt von Orkun Ertener
Lebt ist das Romandebüt eines Autors, der im Medium Fernsehen bereits erhebliche Erfolge vorzuweisen hat. Orkun Ertener erfand und konzipierte die Serie KDD – Kriminaldauerdienst, die 2007 bis 2009 in drei Staffeln vom ZDF ausgestrahlt und u.a. mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Lebt ist der Roman einer Recherche, die – obwohl fremdgesteuert und manipuliert – Unerwartetes aufdeckt, Verborgenes enthüllt und zu einem überraschenden Ergebnis führt: Can Evinman, als Ghostwriter Spezialist in der Ausgestaltung fremder Biografien, muss sich der einzigen Geschichte stellen, die er niemals erforschen wollte: seiner eigenen. Der Weg dorthin führt weit in die türkisch-deutsch-jüdische Geschichte und die Verbrechen des 20. Jahrhunderts zurück. Gemeinsam mit der Schauspielerin und Milliardärsgattin Anna, deren Biografie er verfassen soll, stößt er auf eine Raubaktion, die die Nazis an griechischen und türkischen Juden (und an der clandestin lebenden Sekte der Dönme) während der Besetzung Thessalonikis durchgeführt haben. Das Raubgut könnte die Grundlage für das Vermögen von Annas Mann gewesen sein – dies zu vertuschen Grund für eine Reihe von Morden in Annas und Evinmans Familien. In Lebt vertwistet Ertener atemberaubend reale, erfundene und mögliche Geschichte mit einem spannenden Verfolgungsplot und einer komplizierten Suche nach der eigenen wie der kollektiven Identität. Geschichtssattes Epos, komplexe Intrige – alles, was Kriminalliteratur kann, in einem starken Debüt.

Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste Oktober finden Sie drei weitere Titel, zwei deutschsprachige und einen englischen:
Auf Platz 3: Ein Bulle im Zug von Franz Dobler
Über Johnny Cash hat Franz Dobler (geb. 1959) geschrieben, sein erster Roman (1991 erschienen) hieß „Tollwut“, er ist ein Experte für Country-Musik, übersetzt aus amerikanischem Alltags-Englisch und ist ein gefragter DJ. Und jetzt auch noch der Autor eines seltsamen, sperrigen und faszinierenden Kriminalromans, dessen Titel alles und nichts verrät: Ein Bulle im Zug. Das klingt nach „Ein Bulle sieht rot“ und nach englischen Posträubern. Tatsächlich stammt das Motto von Ronald Biggs.
Oberkommissar Fallner hat einen achtzehnjährigen libanesischen Kleinkriminellen in vermeintlicher Notwehr erschossen. Die Waffe, die das Bürschchen gezogen hat, ist verschwunden, sein Partner, den schon beim Eindringen in die Wohnung ein Black Out befiel, kann sich an nichts Entlastendes erinnern. Fallner auch nicht, er ist suspendiert, seine waffengeile Polizistengattin zweifelt an ihm, da erfüllt er sich den Kindheitstraum einer ziellosen Bahnfahrt mit DB-Netzkarte 100. Zum Schein – oder weshalb auch immer – hat er auch einen Ermittlungsauftrag: Er soll Hinweisen auf einen möglichen Serienkiller nachgehen, der am Wochenende in der Nähe von Bahnhöfen sechs Frauen getötet hat. Seinem desolaten inneren Zustand entsprechend mischen sich in seine – oftmals bösartig präzisen – Beobachtungen des deutschen DB-Alltags Filmerinnerungen, Albträume, Fantasien und nicht zuletzt streunt der erschossene Maarouf durch die Szenen. Und die haben es in sich. Doblers von satirischer Alltagssprachmacht strotzendes Kunststück erinnert von ferne an die frühen Romane Norbert Horsts, der das Seelenleben des deutschen Polizisten Konstantin Kirchenberg per innerem Monolog erforschte. Aber Fallner fällt. Sein Held ist der Jazzmusiker Lee Morgan, den seine Frau 33jährig bei einem Auftritt erschoss. „Dobler hat unfassbare gute Augen und Ohren für den Irrwitz, die furchtbare Komik und den Wahnsinn nicht nur des gesellschaftlichen Pandämoniums, das in Zügen unterwegs ist. (..)Seine Mini-Porträts ganz ‚normaler‘ Zeitgenossen – von Barflies bis Bankiers, die sich Banker nennen – sind kleine, oft sehr komische, bissige und biestige Meisterwerke. (..) Ach, das Wichtigste wollen wir nicht vergessen: Ein Bulle im Zug ist ein kompletter, richtig guter Kriminalroman.“ (Thomas Wörtche, Plärrer)

Auf Platz 4: Lady Bag von Liza Cody (original 2013: Lady Bag)
Kenner wissen: Liza Cody (geb. 1944 in London) ist eine der ganz großen. Das ist keine Literatur für höhere Töchter, die ihren Latte mit ein paar feministischen Sahnehäubchen garnieren, solange die Factory-Outlets nicht geschlossen haben. Codys Heldinnen sind Analphabetin und Catcherin wie Eva Wylie (gehört in jede harte Krimibibliothek), rachedürstende abgehalfterte Rockerbräute wie Birdie Walker (in Gimme more) oder Obdachlose mit Hau wie die Lady Bag, die im aktuellen Kriminalroman – dem ersten nach einer Pause von elf Jahren – den Kampf mit dem Teufel persönlich aufnimmt. Als sie den Mann wieder erblickt, der aus ihr, der wohlsituierten Bankangestellten mit Eigenheim, die namenlose vorbestrafte Pennerin mit gebrechlichem Greyhound gemacht hat, will sie das neue blonde Opfer an seiner Seite retten. Doch statt Rettung Verfolgung: die Auserkorene ist ermordet, die Lady wird erst mit ihr verwechselt, dann wegen Mordes angeklagt – es wird wirr, wenn man von ganz unten gegen das Böse antreten muss. In Großbritannien wird Lady Bag als „novel with dogs“ gelabelt – nicht zu Unrecht: ohne Greyhound Elektra als Gefährtin würde die Lady nicht durchkommen. „Cody schildert das Leben einer Obdachlosen ohne Beschönigung: Die ständige Verachtung von Seiten der ‚anständigen‘ Bevölkerung und die Bedrohung durch andere Obdachlose (..). Aber Lady Bag trifft noch einen anderen Ausgestoßenen, einen exaltierten ‚Ladyboy‘, der sein Leben mit Prostitution finanziert und einen Hang zu brutalen Männern hat. Wie die zwei zutiefst beschädigten Menschen so etwas wie Empathie aufbauen ist rührend, spannend, witzig und endet keinesfalls in einer sentimentalen Alles-Wird-Gut-Scheinwelt. (..)Man würde Lady Bag gern wieder begegnen.“ (Ingeborg Sperl, krimiblog.at)

Auf Platz 10: Still von Zoran Drvenkar
SIE, DU, ICH – Zoran Drvenkar liebt die Personalpronomen und nutzt sie zur Spannungsverdichtung seiner Thriller. Drvenkars Figuren rücken dem Leser auf den Leib, ob er will oder nicht. DU ist ein Mädchen, das der undurchsichtigen, seit Generationen agierenden Kinderschänderbande SIE in die Hände gefallen und ihr entflohen ist. ICH ist ein Mann, der alles riskiert – bürgerliche Existenz, Ehe, Identität – um diese Bande zu unterwandern und Vergeltung zu üben. Wofür? Man ahnt es früh, auch wenn das Ende dieser Verschwörungs-Horror-Eugenik-Phantasmagorie aus dem Hochspannungslabor überrascht. „Still ist ein Meisterwerk, sprachlich brillant, verwegen konstruiert, exzellent komponiert. Ginge es gerecht zu in der Welt (des Literaturbetriebs), würde diese Geschichte in diesem Herbst mit dem Deutschen Buchpreis für den besten deutschsprachigen Roman des Jahres ausgezeichnet werden.“ (Ulrich Noller, WDR 5)

Unsere Dauerchampions:
Zum dritten Mal steht Mike Nicol mit Black Heart auf der KrimiZEIT-Bestenliste.

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