Die KrimiZeit-Bestenliste Juni – hier zum Ausdrucken

Heute ist die KrimiZEIT-Bestenliste Mai 2014 in der Wochenzeitung DIE ZEIT erschienen. An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste finden Sie Oliver Bottinis Ein paar Tage Licht (DuMont).

Hier können Sie die Liste downloaden und als Plakat ausdrucken:
download(06-KrimiZEIT_Bestenliste_Juni_2014.pdf)

Ein paar Tage Licht von Oliver Bottini
In seinem siebten Roman begibt sich Oliver Bottini noch weiter als bisher auf das Terrain des internationalen Politthrillers. Ein paar Tage Licht erreicht in seiner Vielschichtigkeit und Verzwicktheit der Intrige die Komplexität vergleichbarer Romane aus jüngster Zeit, etwa von Robert Wilson oder Michael Robotham. In Algerien suchen und verfolgen einerseits Militär und Geheimdienst, andererseits der ins Ausland abgeordnete BKA-Beamte die Spuren des entführten deutschen Rüstungsingenieurs Peter Richter und seiner Entführer. Diese geben sich als Islamisten aus, gehören jedoch zu einer geheimen, eher an westlich-demokratischen Werten orientierten Widerstandsbewegung an. Parallel zu diesem, durch internationale Liebes- und Loyalitätsverwicklungen weiter aufgeladenen Handlungsstrang zerren in Deutschland entgegengesetzte politische und wirtschaftliche Kräfte an neuen Rüstungsdeals mit dem arabischen Land, das als Bollwerk gegen islamistische „Fehl“-Entwicklungen der Arabellion strategische Bedeutung hat. Bottini gelingt es, komplizierte politische, kulturelle und kriminelle Aktivitäten spannend und intellektuell anregend zu erzählen.

Auch die Rangplätze 2 und 3 sind unverändert: Ross Thomas: Fette Ernte und Dominique Manotti: Ausbruch

Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste Juni finden Sie drei Titel, zwei deutsche und einen amerikanischen:

Auf Platz 5: Drohnenland von Tom Hillenbrand
Tom Hillenbrand (*1972) ist bisher als Verfasser von verbraucherkritischen Sachbüchern und drei „Food-Krimis“ (Selbstaussage) bekannt geworden. Überraschend sein gelungener Wechsel ins Politfach: Drohnenland fasziniert durch die apokalyptisch genau ausgemalte Vision einer nahen Zukunft, in der die reale durch die virtuelle Welt beherrscht wird. Alle flachen Gebiete Europas stehen unter Wasser, das Vereinigte Königreich ist endgültig auf dem Weg der Sezession, die blutige Kriege um die Kontrolle der nordafrikanischen Solarquellen scheinen abgeschlossen. Hauptkommissar Aart Westerhuizen von Europol untersucht den Mord an einem Europaabgeordneten mit den Mitteln der Zukunft: virtuelle Rekonstruktion des Geschehens am Tatort, Datenanalyse durch Superrechner TEREISIAS. Es sind nur kleine technische Fehler der unfehlbaren Rechenmaschinen, die bei genauer polizeilicher Recherche offenbaren: Der ermordete Abgeordnete war der letzte in einer langen Kette. Europa soll vor der Verabschiedung der neuen Verfassung passend strukturiert werden. Westerhuizen und seine schlaue Assistentin haben sich mit der Macht angelegt, ohne es zu wissen und zu wollen. „Showdown und Auflösung geraten Hillenbrand konventionell, aber bis dahin beweist er wundersames Talent für Spannung und Detail. Gern würde man aber Drohnenland weniger überzeugend finden.“ (Sylvia Staude, Frankfurter Rundschau)

Auf Platz 6: Roter Mond von Benjamin Percy (original 2013: Red Moon)
Benjamin Percys Roter Mond kann leicht als Phantasy-Roman über Werwölfe unterschätzt werden – Cover und Verlags-Schublade (Penhaligon) legen das nahe. Tatsächlich handelt es sich um ein Epos oder einen politischen Roman über das Thema „Das Fremde und wir und wir in ihm“. Lykaner sind keine Werwölfe, sondern Menschen, die an einem Virus erkrankt sind und sich unter bestimmten, darunter besonders hoch emotionalen Bedingungen in wolfsähnlichen Gestalten verwandeln, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren. Percy verfolgt eine Gruppe von Figuren, darunter gemäßigte und revolutionäre Lykaner, Politiker, Antilykaner usw. im Kampf um friedliches Nebeneinander, um Deutungshoheit und Beherrschung und spiegelt mit hoher erzählerischer Intensität die ganze Klaviatur von Rassismus, Fremdenfurcht, Philoxenie, Harmoniesucht, Ausgrenzung usw. die die Geschichte der USA (und der westlichen Zivilisation) bestimmt und bestimmt hat. „Roter Mond erzählt von kalten und unwirtlichen Gegenden, von Blut und Elend und Gewalt, von Kalkül und Exzess – sein Lichtmilieu ist düster, seine Hauptpersonen sind allesamt beschädigt, orientierungslos, gehetzt und immer existentiell gefährdet. Und die meisten wünschen sich doch nur ein ‚normales‘ Leben. Ein brillantes, düsteres Buch, eine Dystopie von Rang.“ (Thomas Wörtche, Plärrer)
Sehr informativ der Essay von Alf Mayer: http://culturmag.de/rubriken/buecher/benjamin-percy-roter-mond/80658

Auf Platz 10 Tribunal von André Georgi
Der Bosnien-, bzw. der Balkankrieg nach dem Zerfall Jugoslawiens ist bereits mehrfach der „Krieg im Spiegel“ deutscher Kriminalromane geworden. Erinnern wir an Ulrich Ritzels Schlangenkopf von 2011, Oliver Bottinis Der kalte Traum von 2012 oder neuerdings Eberhard Nembachs Gypsy Blues. Georgi geht in seinem Thrillerdebüt (bisher war er ausschließlich Drehbuchautor) auf’s Ganze: Keiner hat bisher die exzesshafte Gewalttätigkeit, den Machismus und die Ohnmacht des „zivilisierten Europa“ so krass dargestellt. Der Fall ist einfach: Um den Kriegsverbrecher Kovać, der bisher alle Zeugen einschüchterte oder umbrachte, überführen zu können, lässt sich die Ermittlerin Jasna Brandič auf eine lebensgefährliche Recherche nach den Resten von Kovać‘ Bande ein.
„Andre Georgis Roman Tribunal beschreibt die Angst vor einem Mann, der noch im holländischen Gefängnis die Macht hat, Zeugen seines Massakers auslöschen zu lassen, und nur der Weg zurück in den Schmerz, der erlitten wurde, kann diese Angst besiegen helfen. Wie hoch der Preis dafür ist, verschweigt dieser kluge Roman (..) nicht, und als Europäer werden wir uns diese Auseinandersetzung mit Verlust und Schmerz nicht ersparen dürfen.“ (Lore Kleinert, Nordwestradio)

Unsere Dauerchampions:
Zum vierten Mal steht Daniel Woodrell mit In Almas Augen auf der KrimiZEIT-Bestenliste. Zum dritten Mal sind Oliver Bottini mit Ein paar Tage Licht und Mukoma wa Ngugi mit Nairobi Heat dabei.

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