Die KrimiZeit-Bestenliste April – hier zum Ausdrucken

Die KrimiZEIT-Bestenliste April 2015 aus der Wochenzeitung DIE ZEIT. Hier können Sie die Liste downloaden (download(04-KrimiZEIT_Bestenliste_April_2015.pdf)) und als Plakat ausdrucken:

An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste April 2015 finden Sie weiter auf Platz 1: Die Suche nach Tony Veitch von William McIlvanney (original 1977: The Papers of Tony Veitch)
Die Suche nach Tony Veitch ist der zweite Band der Serie um den Glasgower Detective Inspector Jack Laidlaw, die unter Kennern, in Großbritannien und vor allem in Schottland Kultstatus genießt. Der Kunstmann-Verlag bringt nach und nach in der herausragenden Übersetzung von Conny Lösch alle drei, insgesamt einen Zeitraum von knapp einem Vierteljahrhundert umspannenden Bände heraus, von denen der vorliegende und der folgende bisher nicht auf Deutsch vorlagen – großer Tusch! Interessierten Lesern ist unbedingt der vorausgegangene Klassiker Laidlaw (1977/2014) zu empfehlen, in dem der 1936 geborene William McIlvanney (auf der dritten Silbe „McIlvánney“ betont) epigrammatisch seine Haltung als zeitgenössischer Kriminalschriftsteller zu zentralen und immer noch aktuellen Fragen wie Schuld, Vergeltung, Polizeiarbeit, Ausgrenzung, Monstrosität, Ursprung des Verbrechens formuliert.

Die Suche nach Tony Veitch knüpft zeitlich an den Vorgänger an und variiert das – von McIlvanney zur kritischen Überwindung des Whodunnit-Schemas kunstvoll eingesetzte – Motiv der Suche. Suche nach der Wahrheit heißt hier: Abwehrkampf gegen den das traditionelle Gut-Böse-Schisma zur Ermittlungsgrundlage nehmenden Vorgesetzten Milligan, Eintauchen in Selbsttäuschungen und gesellschaftliche Vorurteile. Gesucht wir der wohlhabende Student Tony Veitch, der verdächtigt wird, einen Obdachlosen und einen Kleingangster umgebracht zu haben, gefunden wird Chaos, Verwirrung, Irrtum.
„Laidlaw ist die alles sehende Sonde, mit der sich McIlvanney in die Sedimentschichten seiner Stadt gräbt.“ (Elmar Krekeler)
„Diese Welt, das weiß Laidlaw, wird niemals in Ordnung kommen, ob er den Mörder findet oder nicht, denn Tat, Täter und Opfer sind nur Symptome einer kaputten Gesellschaft: ‚Verbrechen klärt man nicht auf. Man begräbt sie unter Fakten.‘“ (Marcus Müntefering)

Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste April finden Sie diesmal fünf Titel mit rund 3400 Seiten, drei amerikanische, einen italienischen, und einen irischen. Die beiden Romane von James Lee Burke und Greg Iles setzen sich beide mit den Folgen des Wirbelsturms Katrina auseinander. Sie spielen 2005.

Auf Platz 3: Perfidia von James Ellroy (original 2014: Perfidia)
Mit Perfidia kehrt James Ellroy zurück zu seinen Wurzeln. Das LA-Quartett, Handlungszeitraum 1946 bis 1958, hat ihn berühmt gemacht. Der 1948 geborene Autor schreibt seit den späten achtziger Jahren an einer Geschichte der USA in ihren Verbrechen, den faktischen und vor allem den seinen Obsessionen entsprungenen fiktiven. Perfidia versteht er als den ersten Band eines zweiten LA-Quartett, das vor dem ersten, zum Teil mit den entsprechend jüngeren Protagonisten des folgenden, spielt. Der Roman umfasst in gewohntem Stakkato-Stil die Tage vor und nach dem Überfall auf Pearl Harbour im Dezember 1941 sowie die ersten Maßnahmen zur Internierung der japanischen Bevölkerung. In diesen Horizont eingebettet ist die rituell scheinende Ermordung der Familie Watanabe und die Suche nach ihren Mördern, erzählt wird aus den Perspektiven der Polizisten Dudley Smith und William Parker (später Polizeichef in LA), des Copgroupies Kay Lake und des japanischen Forensikers Hideo Ashida.
„Los Angeles, die Stadt der Engel, wird bei Ellroy zu einem Ort der Verdammnis. Die Korruption hält die Stadt im Klammergriff, keiner kommt dagegen an, eigentlich versucht es auch niemand wirklich. Manchmal scheint Ellroy selbst der Abstand zu fehlen, scheint er sich allzu lustvoll im Schmutz zu wälzen. James Ellroy schreibt wie ein Boxer auf Speed: Sätze wie Hiebe, immer auf maximale Wirkung ausgelegt.“ (Marcus Müntefering)

Auf Platz 5: Suburra von Giancarlo de Cataldo und Carlo Bonini (original 2013: Suburra)
Römer und informierte Italiener können Suburra als Schlüsselroman lesen, der die Hintermänner und Strukturen des größten Betrugs- und Korruptionsskandals aufdeckt, den Rom in den letzten Jahren gesehen hat. Der investigative Journalist Bonini und der Richter de Cataldo sind aufs Genaueste mit diesen Machenschaften vertraut. Diese Realitätskenntnis ist die Basis für einen höchst spannenden Kriminalroman über die Versuche von Vorstadtgangsterbanden, Politikern und alten Mafiosi, den Strand Roms in eine Betonwüste zu verwandeln und ihre Herrschaft über die Stadt zu erneuern.

Auf Platz 6: Die verlorenen Schwestern von Adrian McKinty (original 2014: In the Morning I’ll Be gone)
Im dritten Band seiner Serie um den katholischen Bullen Sean Duffy lässt McKinty (*1968) seinen Helden nach der Entlassung aus der Polizei beim MI 5 anheuern. Der Geheimdienst hofft, Duffy werde einen ehemaligen Jugendfreund und flüchtigen IRA-Bombenbauer schnappen. Moralische Rechtfertigung erhält Duffy durch die republikanische Schwiegermutter des Flüchtigen. McKinty dreht die Schraube aus Verrat, Enttäuschung und Verzweiflung ins beinahe gänzlich Groteske, nicht zuletzt durch ein symbolisch ins Zentrum der Handlung gesetztes locked room mystery.
„Sean Duffy, eine der herrlichsten kriminalliterarischen Kopfgeburten der letzten Jahre.“ (Elmar Krekeler)

Auf Platz 9: Natchez Burning von Greg Iles (original 2014: Natchez Burning)
Greg Iles (*1960) hat sich Gewaltiges vorgenommen: Die 1000 Seiten von Natchez Burning sind nur das erste Paket einer geplanten Trilogie über die Verwüstungen des Rassismus in den Seelen der Südstaatler. Natchez liegt am Ostufer des Mississippi, gegenüber liegt Louisiana. Selbst wenn 2005 zum Zeitpunkt der Handlung der Rassismus nicht mehr die mörderischen Züge der sechziger Jahre trägt – die Gewalt selbst ist nicht verschwunden und quält das Gewissen einiger alter Männer, die an ihr vor Dekaden beteiligt waren: Die Doppeladler – doppelt so rechts wie der Ku-Klux-Klan – brachten seinerzeit freundliche Afroamerikaner um, mit dem Ziel, letztendlich Bobby Kennedy zu killen.
„Vor allem beweist Iles eine große Meisterschaft darin, Geschichte lebendig zu machen, erfahrbar, spürbar. Natchez Burning ist nicht weniger als the great american novel in der Gestalt eines Thrillers.“ (Marcus Müntefering)

Auf Platz 10: Sturm über New Orleans von James Lee Burke (original 2007: The Tin Roof Blowdown)
Dieser Schatz aus dem Nachlass des Übersetzers (u.a. von Kriminalliteratur) Georg Schmidt wird den Autor James Lee Burke (*1936) hoffentlich endgültig wieder zur festen literarischen Größe in Deutschland machen. Sein Roman Regengötter wurde im letzten Jahr von unserer Jury zum besten Kriminalroman 2013 gewählt und erhielt den Deutschen Krimipreis. In Sturm über New Orleans spielt nun Burkes berkanntester Detektiv Dave Robicheaux, in vielem ein Alter Ego des Autors, wieder eine Rolle, an seiner Seite der trinkfeste Exbulle Clete. In diesem Meisterstück verknüpft Burke die alltäglichen Verbrechen wie Vergewaltigung, Raub, Mord mit der großen Katastrophe des Untergangs von New Orleans, verursacht durch Katrina, befördert duch staatliche Unterlassung.
„In der Krise erfährt Robicheaux, dass sogar Menschen ohne Chance sich ändern können. Denen allerdings, die das nicht tun und ihrem dunklen Stern folgen, geht es dreckig – Robicheaux sucht skrupulös nach Wahrheit, ein Weichei ist der Südstaatler nicht.“ (Tobias Gohlis)

Zum Download: download(04-KrimiZEIT_Bestenliste_April_2015.pdf)

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