Heinold fragte im August nach Albert Langen

Hier die ausführliche Lösung des Rätsels [mehr…]: Albert Langen (08.07.1869-30.04.1909) kam aus einer rheinischen Familie, die es im Zuge der Industrialisierung innerhalb zweier Generationen zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht hatte.

Geboren in Antwerpen, wuchs er in Köln auf. Nach dem Einjährigen-Examen begann er eine kaufmännische Lehre, die er aber abbrach. Er zog 21-jährig mit dem mütterlichen Erbe nach Paris, wo er zunächst als begüterter Dandy die Weltstadt erkundete und 1893 einen Verlag gründete, um Knut Hamsuns zweiten großen Roman Mysterien in der Übersetzung von Maria von Borch herauszubringen. Zuvor waren bei S.Fischer dessen Roman Hunger und einige kleinere Arbeiten erschienen.

Nach einem kurzen Zwischenspiel in Leipzig siedelte sich Albert Langen mit seinem Verlag in München an, wo das Unternehmen noch heute seinen Sitz hat. Nach Langens Tod wurde der Verlag von vier von ihm eingesetzten Kuratoren geführt, die ihn 1918 käuflich erwarben. 1931 wurde eine Kooperation mit dem Georg Müller Verlag eingegangen, 1932 folgte die Fusion mit diesem Unternehmen, das dem „Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband“ gehörte. Nach wechselnden Schicksalen ging der Doppelverlag Langen-Müller 1967 an Herbert Fleißner über, der ihn 1985 in seine Verlagsgruppe eingliederte.

Mindestens ebenso bekannt wie der Verleger wurde die von ihm herausgebrachte satirische Zeitschrift „Simplizissimus“ mit der von Th.Th.Heine geschaffenen roten Dogge auf schwarzem Grund als Wappentier, die immer wieder Anstoß bei der Zensur erregte und wiederholt verboten wurde. Anläßlich einer Reise Kaiser Wilhelms II. in den Nahen Osten kam eine Palästinanummer heraus (3.Jahrgang, Nr.31). Der wegen des Druckortes Leipzig zuständige sächsische Staatsanwalt erhob Anklage wegen Majestätsbeleidigung. Albert Langen als zuständiger Redakteur floh nach Paris, um der Verhaftung zu entgehen. Der Autor des unter Pseudonym erschienenen Gedichtes „Im Heiuligen Land“, Frank Wedekind, floh zunächst ebenfalls, wanderte aber wie der Zeichner Th.Th.Heine für sechs Monate in Festungshaft.

Langens zweite wichtige Zeitschriftengründung war der „März“ (1907-1917), zu deren
Herausgebern Ludwig Thoma und der spätere Nobelpreisträger Hermann Hesse zählten. Ab 1913 war der spätere Bundespräsident Theodor Heuss verantwortlicher Redakteur.

Langen war mit Dagny Björnson, Tochter des norwegischen Nobelpreisträgers Björnstjerne Björnson verheiratet (Trennung 1906). Zu den großen skandinavischen Autoren seines Buchverlags gehörten neben seinem Schwiegervater und Knut Hamsun Georg Brandes, Jens Peter Jacobsen, Selma Lagerlöf, Sven Lange und Amalie Skram. Namhafte Franzosen in seinem Verlag waren Anatol France, Guy de Maupassant und Marcel Prevost. Wichtige deutsche Autoren zu Langens Lebzeiten sind Ludwig Thoma, Frank Wedekind, Hugo Salus und Heinrich Mann.

Literatur:
Helga Abret: Albert Langen. Ein europäischer Verleger. Langen Müller 1993. ( mit ausführlichem weiterführendem Literaturverzeichnis)

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