Heinold fragte im April nach Callwey

Die richtige Lösung lautet: Callwey, München. Der Verlagsgründer, Georg D(ietrich) W(ilhelm) Callwey, wurde 1854 in Hamm/Westfalen geboren und machte sich 1884 in München nach buchhändlerischer Lehre und Tätigkeit mit einem Verlag selbstständig.

Er verlegte zunächst Belletristik. 1886 kaufte er „Die Mappe“, eine 1881 gegründete „Fachzeitung für Maler, Lackierer und Vergolder, Tapezierer, Bildhauer, Modelleure, Stuckateure, Kunsttischler, Metallarbeiter und Kunsttöpfer“, die heute unter dem Titel „Mappe – Die Malerzeitschrift“ nach wie vorbei Callwey erscheint. 1904 erwarb der Verleger die 1902 gegründete Zeitschrift „Der Baumeister“ mit dem Untertitel „Monatshefte für Architektur und Baupraxis“. Sie ist mit dem Untertitel „Das Architekturmagazin“ noch heute eines der Flaggschiffe des Verlages.

Neben den Fachzeitschriften und den rund um sie gruppierten Fachbüchern sowie einem allgemeinen Buchprogramm wurde die Zeitschrift „Kunstwart – Rundschau über alle Gebiete des Schönen“ zum prägenden Medium. Deren Gründer und Herausgeber Ferdinand Avenarius (1856 – 1923) behielt 50 Prozent der Anteile, als sie im Jahre 1894 an den Callwey Verlag überging. Avenarius hatte die Zeitschrift 1887 gegründet, aber erst bei Callwey wurde sie zum unternehmerischen Erfolg. Die reformerischen Bestrebungen dieser Publikation unterstützten Avenarius und Callwey mit dem 1908 ins Leben gerufenen „Dürerbund, dessen Reihe „Flugschriften“ 250 Titel und eine Gesamtauflage von 2,8 Millionen Exemplaren erreichte. Zu Beginn des Dritten Reiches wurde aus dem „Kunstwart“ die „Deutsche Zeitschrift – Dienst am Geiste“. Sie ging 1937 in der Zeitschrift „Das Innere Reich“ im Langen-Müller Verlag auf, die zwar 1936 wegen einiger Artikel kurzzeitig verboten worden war, aber dennoch bis 1944 erscheinen konnte.

Nachfolger des 1930 verstorbenen Gründungsverlegers wurde der Architekt Karl Baur (1898 – 1984), der 1926 Callweys Tochter Elsbeth geheiratet hatte. Vor der Übernahme der Verlagsleitung erwarb er Branchenkenntnisse durch Volontariate bei Ernst Rowohlt in Berlin und Jakob Hegner in Hellerau bei Dresden. Baur war Altmitglied der NSDAP und übernahm 1934 das Amt des Vorstehers des „Deutschen Verlegervereins“ (spätere „Fachschaft Verlage“ im „Bund reichsdeutscher Buchhändler).

Vorsteher des „Börsenvereins des Deutschen Buchhandels“ wurde im Dritten Reich sein nicht verwandter Namensvetter, der Alt-Nazi Wilhelm Baur (1905 – 1945). Er leitete den Franz Eher Verlag, also den Verlag der NSDAP und war der Sohn jener Schwester Pia, die nach dem „Marsch auf die Feldherrnhalle“ im November 1923 den leicht verletzten Adolf Hitler medizinisch versorgt hatte, von Heinrich Himmler einen hohen SS-Rang verliehen bekam, eine Rolle im Konzentrationslager Dachau spielte und nach einem Ondit während des Zeiten Weltkrieges ein von Reichsmarschall Hermann Göring gelobtes Offiziersbordell geleitet haben soll.

Unter der Verwechslung mit Wilhelm Baur hat Karl Baur ein Leben lang gelitten, zumal er 1941 wegen kulturpolitischer Differenzen mit der NSDAP aller Ehrenämter enthoben worden war. Baur hat darüber und über seinen Lebensweg als Verleger 1968 in seinen Erinnerungen „Wenn ich so zurückdenke …“ berichtet. Der späteren Taschenbuchausgabe hat der dtv-Verleger Heinz Friedrich ein Vorwort beigesteuert, in dem er u. a. feststellte: „Karl Baur war durch diese Vergangenheit belastet und durch das, was er durch sie mit heraufbeschworen hatte und wofür er geradestehen musste und in erstaunlicher Weise geradestand“.

Elsbeth Baur geb. Callwey verstarb 1937. Karl Baur ging 1948 eine neue Ehe mit der Buchhändlerin und promovierten Kunsthistorikerin Margarete Heinhold ein. Mit ihr zusammen führte sein Sohn aus erster Ehe, Hellmuth Baur-Callwey, den Verlag ab 1965, später zusammen mit seiner Ehefrau Veronika geb. Ulmer (aus der Stuttgarter Verlegerfamilie).
Ein erneuter Generationswechsel fand 2010 mit dem Eintritt der Kinder des Ehepaares statt. Dr. Marcella Prior-Callwey und Dominik Baur-Callwey führen das Münchner Haus in nunmehr der vierten Generation.

Unter der Devise „Stilvolles Planen & Gestalten rund ums Haus“ präsentiert die Frühjahrsvorschau 2013 die Verlagsgebiete Garten, Kochen, Wohnen & Leben, Architektur, Fachbücher und Uhren sowie sechs Fachzeitschriften. Mit dem Slogan „Lifestyle statt Hobby“ hat Jens-Peter Arndt, Leiter Marketing und Vertrieb Buch, in einem Interview mit BuchMarkt im Februar 2013 die Programmphilosophie seines Hauses definiert und ausführlich Auskunft über den Unterschied zwischen Ratgebern und Lifestyle-Titeln, über die Zielgruppen des Verlages sowie über das Geschäft mit hochpreisigen Gartenbüchern gegeben.

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