Heinold fragt: Wer war’s?

Heute suchen wir nach dem Namen einer deutsch-jüdischen Familie, aus der viele bedeutende Köpfe hervorgegangen sind. Darunter sind zwei Verleger, deren Bedeutung für das geistige und künstlerische Leben im Kaiserreich und in der Weimarer Republik nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Der Stammvater lebte in Oberschlesien und hatte sieben Söhne. Der zweite von ihnen siedelte sich in einer preußischen Provinzhaupttadt als Webstuhl- und Tuchproduzent an. Er hatte fünf Söhne und zwei Töchter. In deren Generation wurde das seinerzeit noch selbstständige (Berlin-)Charlottenburg zum Hauptwohnsitz der Familie.

Als Fabrikanten und Unternehmer stiegen die Söhne in großbürgerliche Verhältnisse auf; die Töchter heirateten in solche hinein. Die sieben Angehörigen dieser Generation hatten 41 Kinder. Unter ihnen waren zwei Vettern, die sich zusammentaten und 1898 in Berlin eine Kunst- und Verlagsanstalt gründeten. Der um ein Jahr jüngere von ihnen heiratete die Schwester des Älteren, so dass die Vettern und Kompagnons auch Schwäger waren.

Dem Unternehmen der Vettern war eine Kunstgalerie angeschlossenen. Mit ihr setzten sie sich für die damals noch wenig bekannten französischen und deutschen Impressionisten ein. Aber ihr persönliches Verhältnis war von starken Differenzen geprägt. So trennten sie sich schon nach drei Jahren.

Der Ältere führte die Galerie und den Kunsthandel weiter. Nach Ablauf einer achtjährigen Sperrfrist wurde auch er verlegerisch tätig. Er gründete eine eigene Druckanstalt, in der er Pressedrucke herausbrachte, die bis heute legendär sind, und rief eine Zeitschrift ins Leben, der er denselben Namen wie seiner Presse gab.

Sein Leben endete tragisch: Er erschoss sich, während im Nebenraum
über seine Scheidung von einer der berühmtesten Schauspielerinnen ihrer Zeit verhandelt wurde. Seine Nachfolger gingen bei Anbruch des Dritten Reiches ins Exil, ohne den Verlag weiterführen zu können.

Der Jüngere brachte in dem gemeinsam gegründeten Verlag anspruchsvolle Kunstbücher und schöngeistige Titel heraus, begleitet von einem bis heute populären Lyriker als Lektor und wichtigem Verlagsautor. Gegen Ende der Weimarer Republik amtierte der spätere erste Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels als Lektor des Verlages. 1936 erschien das letzte Buch in diesem jüdischen Verlag. Im englischen Exil führte der Schwiegersohn die Tradition des Verlages weiter; er existiert noch heute.

Zur Generation dieser Vettern gehörte einer der renommiertesten Philosophen jener Zeit; er trug den Familiennamen seiner Vettern. Eine ihrer Kusinen heiratete einen namhaften Reformpädagogen und baute mit ihm, unterstützt von ihrem vermögenden Vater, eine Reformschule auf, die im Dritten Reich in die Schweiz verlegt wurde und dort noch heute existiert. Die nach 1945 auch in Deutschland wiederbelebte Schule ist im vergangenen Jahr nach Missbrauchsskandalen in die Insolvenz gegangen.

Heinold fragt: Wie ist der gemeinsame Familienname der beiden Verleger und des Philosophen und der Geburtsname der Schulgründerin? Kleine Ratehilfe: Soeben ist in einem namhaften Verlag eine Biographie der Familie erschienen.

Bitte mailen Sie Ihre Lösung und Ihre Anschrift an: heinold@buchmarkt.de. Unter den Einsendungen verlosen wir ein Exemplar {Bücher und Buchhändler von Wolfgang E. Heinold}

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