Heinold fragt: Wer war’s?

Wir fragen heute nach einem „Urgestein“ unter den deutschen Verlagen. Als dessen Gründungsjahr gilt das Jahr, in dem ein 21jähriger Buchhändlersohn in einer deutschen Buchhandelsmetropole ein so genanntes „Literarisches Museum“ erwarb – eine Leihbibliothek und Lesehalle für neueste europäische Literatur sowie für Zeitungen und Zeitschriften.

Neun Jahre später verkaufte er sein „Literarisches Museum“ und eröffnete unter eigenen Namen einen Verlag, der noch heute aktiv ist und sich nach wie vor im Besitz seiner Familie befindet Den Buchhandel hatte dieser Gründer in Braunschweig bei seinem Onkel erlernt, dessen Verlag weiterhin existiert – wenn auch nicht mehr als Familienunternehmen und an anderem Ort.

Sein eigentliches Profil gewann der Verlag durch eine Reihe, die er anlässlich einer Änderung des Urheberrechts ins Leben rief und die es ihm ermöglichte, eine Vielzahl klassischer Titel in sein Programm zu übernehmen.

Damit begann eine der ganz großen Erfolgsgeschichten des deutschen Verlagswesens, was die Vielzahl der Titel, ihre literarische Wirkung und die weltweite Verbreitung betrifft. Ein japanischer Verleger ahmte das Konzept der Reihe nach und hatte damit ähnlichen Erfolg wie sein europäisches Vorbild. Das Rezept: Mische das Programm aus Titeln der Hoch- und der Unterhaltungsliteratur, drucke hohe Auflagen, arbeite mit den neuesten Verfahren und Maschinen und verkaufe deine Produkte zu besonders günstigen Preisen!

Editorisches Prinzip ist bis heute, was die erste Börsenblatt-Anzeige versprach: „An der Fortsetzung dieser Sammlung wird unausgesetzt gearbeitet“. Lange Phasen ohne Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes, ein allerdings auffallend häufiger Wechsel des Verlagssignets und das übliche wirtschaftliche Auf und Ab bestimmen die Verlagsgeschichte. Kontinuität ist ihr eigentliches Charakteristikum, denn von der Grundidee wurde über all die Jahrzehnte hin nicht abgewichen.

Die folgenreichsten Einschnitte verursachten das Dritte Reich, der Zweite Weltkrieg und die Nachkriegsereignisse. Hier nur ein paar Stichworte dazu: Publikationsverbote für eine Vielzahl von Titeln, Bombenschäden, Verlust so gut wie des gesamten Verlagslagers, Demontage der verlagseigenen Druckerei durch die Besatzungsmacht, verworrene Eigentumsverhältnisse durch Halbverstaatlichung und Enteignung, Neubeginn in den westlichen Zonen aus dem Nichts heraus mit der starken Marke als Startkapital, die aber auch als Verlagsname beim Stammhaus verblieb, Vertriebsverbote über die innerdeutsche Grenze hinweg, Wiedervereinigung der getrennten Häuser nach dem Ende der DDR und schließlich Einstellung der unwirtschaftlich gewordenen Verlagsproduktion am alten Stammort. Der in Westdeutschland neu gegründete Verlag sicherte sich über alle Nachkriegswirren hinweg die Rechte am Herzstück des Verlages, der oben beschriebenen Reihe. Deren Ausstattungsgeschichte von der Gründung an spiegelt eine kürzlich erschienene Broschüre wider, die
der aktuellen Neuausstattung der Reihe gewidmet ist. Auch liegt neu eine kleine Verlagsgeschichte vor.

Das Verlagsprogramm gliedert sich heute in Hardcover, Taschenbücher und eben jene Stammreihe, die vor 145 Jahren das Licht der Lesewelt erblickte und in mehrere Serien gegliedert ist.

Heinold fragt: Wie heißen Name und Sitz (nicht Postanschrift) des Verlages?
Senden Sie die Lösung an heinold@buchmarkt.de – mit dem Stichwort „Heinold fragt“

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