Heinold fragt: Wer war’s?

Der Verlagsgründer war 23 Jahre alt und als Wahlredner unterwegs, als ihn ein populärer Politiker kennen lernte. Der berief ihn sechs Jahre später zum Geschäftsführer des Verlages in Berlin, in dem eine von ihm herausgegebene einflussreiche Zeitschrift erschien. Deren Schriftleiter war in der gleichen Zeit ein späterer Bundespräsident.

Als sich sein Geschäftsführer im Jahre 1913 unter eigenem Namen in Berlin selbstständig machte, schenkte der Politiker ihm zum Start 5000 Goldmark. Als erstes Verlagswerk erschien der Erstling einer Kindergärtnerin: ein Kunstmärchen, das sofort zum Erfolg wurde. Sie wurde zu einer der Stammautorinnen des Verlages. Das Märchen und viele ihrer Titel sind noch heute lieferbar.

Zum Programm der ersten Jahre gehörten aber auch zeitkritische, politische und philosophische Bücher – Themenbereiche, mit denen heute nicht einmal Sachkenner den Verlag in Verbindung bringen würden. Schon in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts begann die Konzentration auf Bilder-, Kinder- und Jugendbücher. Auf diesem Feld gelang es dem Verleger, „als einem der ersten, seinen Namen als Marke durchzusetzen“ (Lexikon des gesamten Buchwesens, 2. Auflage, Band VI, 2003).

Die Marke erwies sich als so stark, dass sie auch über die Fährnisse des Zweiten Weltkrieges hinwegtrug. Dazu gehörten die Zerstörung des Verlagshauses in Berlin, die Vernichtung der Lagerbestände in Leipzig und die Umsiedlung an einen provisorischen Verlagssitz in Wittenberg. Nach dem Tod des Verlegers im Jahre 1946 begannen dessen Witwe und sein 1925 geborener Sohn mit dem Wiederaufbau in Augsburg und verlegten 1953 den Sitz in eine der deutschen Verlagsmetropolen.

Der Sohn des Gründers trug den Vornamen seines Vaters mit einem durch Bindestrich angehängten zweiten Vornamen. Diesen ließ er im öffentlichen Gebrauch entfallen, so dass Vater und Sohn gleichsam zu einer Figur verschmolzen, die den Leserinnen und Lesern als „Onkel“ entgegentrat – sogar im Fernsehen. Zusammen mit einem im Jahre 1953 kreierten griffigen Slogan, der bis heute über dem Programm steht, war die Markenbildung perfekt. Zu ihr trugen langjährig erscheinende Serientitel und die moderaten Ladenpreise bei. Die Serienautoren wurden ihrerseits zur Marke. Der Verlag avancierte damit zu einem wichtigen Pionier des modernen Buchmarketings.

Während bis dahin deutschsprachige Autoren und Autorinnen das Programm beherrschten, wurden 1963 die deutschen Rechte an einer englischsprachigen Serie erworben. Die Heldinnen und der Handlungsort erhielten deutsche Namen. Damit war einer der großen Erfolge des Verlages geboren. Seit dem Tod der englischsprachigen Originalautorin wird die Serie in Deutschland fortgeschrieben.

1985 verkaufte der Sohn des Gründers das Unternehmen an eine skandinavische Mediengruppe. 2004 wurde der Vertrieb an eine im Rheinland ansässige Tochter der Mutterfirma abgegeben und der Verlag drei Jahre später ganz in diese integriert. Heute präsentiert er sich in einer Sammelvorschau mit zwei Schwesterverlagsprogrammen. Noch immer erscheinen unter der starken Marke spannende Unterhaltungstitel für Jungen und Mädchen von sieben bis 10 Jahren.

Verlagsbezeichnung und Verlagslogo haben mehrfach gewechselt, Hauptbestandteil ist aber nach wie vor der Familienname des Gründers. Heinold fragt: Wie heißt dieser Familienname?

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.