Heinold fragt: Wer war’s?

Heute fragen wir nach einem ehemaligen Sakralbau, der sich schon lange im Besitz einer deutschen Metropole befindet und eng mit der Geschichte der Demokratie in Deutschland, aber auch mit der der Buchbranche verbunden ist. Zurück geht der Bau auf einen Bettelorden, was aber dem Buchhandel wohl kaum bewusst war, als er ihm eine bis heute gewichtige Rolle im Jahreslauf der Branche zuwies.

Der aus dem Mittelalter stammende, nach der Reformation säkularisierte Gebäudekomplex wurde 1839 abgerissen. Der dazugehörige Sakralbau war schon 1786/87 der Spitzhacke zum Opfer gefallen. Dessen Ersatzbau schleppte sich über Jahrzehnte hin, weil dem zuständigen Rat der Stadt die Geldmittel fehlten und geistliche Querelen dazwischen kamen. Das halb fertige Gebäude wurde für einige Jahre an Kaufleute als Lagerraum vermietet – ein Omen für die spätere rein weltliche Nutzung. Nach 44jähriger Pause wurde der Neubau fertig gestellt und wieder seiner ursprünglichen sakralen Bestimmung übergeben. Das klassizistische Bauwerk wies nicht nur ein repräsentatives Äußeres auf, sondern enthielt den größten und modernsten Saal der Stadt. Kein Wunder, dass die Wahl auf ihn fiel, als ein Versammlungsraum für eine im Zuge einer Revolution gegründete neuartige Institution gesucht wurde. Ein Jahr später schon löste sich diese Institution wieder auf, da sie ihre politischen Ziele nicht erreichen konnte. Dennoch blieben sie und das ihr als Versammlungsort dienende Gebäude als Markstein der deutschen Demokratiegeschichte im öffentlichen Gedächtnis.

Zwar diente von nun an das markante Nationaldenkmal wieder sakralen Zwecken, konnte sich aber nie ganz von der weltlichen Rolle lösen, die es kurze Zeit in der deutschen Geschichte gespielt hatte. Zahlreiche weltliche Veranstaltungen fanden darin statt, bis hin zur Eröffnungsfeier eines Turnerfestes, das 12.000 Besuchern aus aller Welt zählte.

Im Dritten Reich machte ein mutiger Geistlicher das Gebäude zum Hort des Widerstandes gegen das Naziregime. Im vorletzten Kriegsjahr fiel es einem Bombenangriff zum Opfer, wurde aber schon fünf Jahre später als ein Symbol deutscher Geschichte wieder aufgebaut und hauptsächlich für städtische und staatliche Veranstaltungen und nur noch gelegentlich für religiöse Zwecke genutzt. An die Stelle der früheren Kuppel war ein Flachdach getreten. Unter dem eigentlichen Festsaal war ein Zwischenboden eingezogen worden, wodurch als neues Untergeschoss ein Ausstellungsraum entstand.

Deshalb stand das Gebäude von nun an für Ausstellungen zur Verfügung, und so gastierten hier 1948 ein buchhändlerischer Landesverband mit einer Bücherschau und in den Jahren 1949 und 1950 die ersten beiden größeren Präsentationsveranstaltungen der Buchbranche. Als die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten, wurden die Ausstellungen auf ein Gelände im Westen der Stadt verlagert, wo sie heute noch stattfinden. Am gesuchten Ort aber wurde eine festliche Branchenveranstaltung von erheblicher kultureller und politischer Bedeutung etabliert, die alljährlich stattfindet und weltweit beachtet wird.

Heinold fragt: Wie heißt das Gebäude und in welcher Metropole ist es zu finden?
Antwort an heinold@buchmarkt.de

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