Heinold fragt: Wer war’s?

Verurteilt zu neun Monaten Gefängnis wegen „Aufforderung zur Bildung einer kriminellen Vereinigung, zur erschwerten und einfachen Sachbeschädigung, zum Diebstahl, zur Körperverletzung sowie zum Hausfriedensbruch“ auf Bewährung sowie wegen „Beleidigung und übler Nachrede“ zu einer Geldstrafe von 1.800 DM – Auszüge aus dem Vorstrafenregister des Verlegers, nach dessen Verlag wir heute suchen.

Auch ein vollständiges Einreise- und Durchreiseverbot für die verblichene DDR kann er zu seinen „Ehrungen“ zählen. Der gleiche Verleger ist innerhalb der letzten 25 Jahre mit dem Bundesverdienstkreuzes Erster Klasse und dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und zum Honorarprofessor für neuere deutsche Literatur berufen worden. 2001 wurde er zum „Ritter der französischen Ehrenlegion“ ernannt, 2006 erhielt er den “Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln“.

Da er die weltweit größte Sammlung an Dokumenten zu einem deutschsprachigen Jahrhundertautor besitzt und wegen seiner biografischen Veröffentlichungen über diesen Schriftsteller nennt er dich selbstironisch dessen „dienstälteste, lebende Witwe“.

1964 hat er im Alter von 34 Jahren seinen Verlag unter dem Beistand einer Reihe von namhaften Autorinnen und Autoren und unter dem später formulierten Motto „Geschichtsbewusstsein, Anarchie, Hedonismus“ gegründet und ihn 38 Jahre lang geführt. 2002 übergab er die Leitung seiner dritten Ehefrau. Eine seiner Töchter ist Minderheitsgesellschafterin und leitet den Vertrieb . Er selbst ist weiter als Berater, Autor, Herausgeber und Lektor im Verlag tätig.

Eine schwere Krise durchlebte der Verlag ab 1969, als dem Zeitgeist folgend eine „kollektive, solidarische Führung“ praktiziert und ein Verlagsstatut eingeführt wurde, das eine weitgehende Mitbestimmung aller Verlagsangehörigen vorsah. Nach heftigen internen Konflikten spaltete sich 1973 ein Teil des Verlages ab und wurde unter einem neuen Namen weitergeführt, während der Stammverlag als Firma noch einmal neu gegründet wurde, ohne dass sich am Namen, dem Programm und der Zielsetzung etwas änderte.

Heute charakterisiert sich das Unternehmen selbst so: „Der Verlag ist unabhängig und macht davon Gebrauch, seine Meinungen vertritt er auf eigene Kosten. Er ist nicht groß, aber erkennbar“. Mit diesem Konzept zählt er zu den namhaftesten Independents. Gleichzeitig ist er ein im besten Sinne „klassischer“ Verlag – nicht zuletzt wegen seiner Konsequenz in Ausstattung und literarischer Qualität, die an die großen Verleger Kurt Wolff und Jakob Hegner erinnert. 2010 wurde ihm folgerichtig der Kurt Wolff Preis, eine Auszeichnung für unabhängige, engagierte Verlage, zuerkannt.

Das Verlagsprogramm umfasst namhafte Reihen, Jahrbücher und Anthologien, Hörbücher, internationale Belletristik und großangelegte Editionen wie das Gesamtwerk eines deutschen Exil- und eines berühmten Renaissanceautors. Einen Schwerpunkt bildet seit jeher die Literatur eines südeuropäischen Landes. Kultstatus genießt der alljährlich erscheinende Verlagsalmanach, der nach einer Gemüsesorte benannt ist.

Heinold fragt: Wie heißt der Verlag und wo ist sein Sitz?
Bitte mailen Sie Ihre Lösung an: heinold@buchmarkt.de. Unter den Einsendungen verlosen wir ein Exemplar „Bücher und Buchhändler“ von Wolfgang E. Heinold. Einsendeschluss ist der 16. Februar 2015.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.