Presseerklärung von Kein & Aber zur letzten (inzwischen abgestellten) Beckmann-Kolumne

Gerhard Beckmann hat einen Drang zum Urteil und zum Verurteilen. In seiner Kolumne „Beckmanns Meinung“ bei buchmarkt.de – inzwischen wurde diese durch die Redaktion vom Netz genommen – wirft er dem Kein & Aber Verlag vor, mit der Neuausgabe des Werkes „Moskau – Petuški“ von Venedikt Erofeev „Schande auf die feinen kleinen literarischen Verlage gebracht“ und „alle Regeln des internationalen Rechte- und Lizenzgeschäfts verletzt“ zu haben. Die Argumentation ist sachlich falsch und eine Bankrotterklärung des Journalisten Beckmann.

1. Gerhard Beckmann gibt an, dass er „im Besitz aller relevanten Unterlagen und Aussagen wäre.“ Tatsächlich hat Gerhard Beckmann weder mit Albin Michel noch mit Kein & Aber Kontakt aufgenommen. Seine Argumentation stützt sich allein auf Material, das ihm von anderer Seite zur Verfügung gestellt wurde. Offensichtlich lag Herrn Beckmann mehr daran, ein Urteil in seinem Sinne zu fällen, als eine der Sachlage angemessene Berichterstattung zu leisten. Gerhard Beckmann verurteilt und richtet, ohne die Grundlagen journalistischer Arbeit zu berücksichtigt.

2. Gerhard Beckmann behauptet, dass der Piper Verlag nicht zur Weitergabe der Hardcover-Lizenz an den Verlag Kein & Aber berechtigt war. Diese Rechte wurden von Albin Michel natürlich erteilt. Die entsprechenden Unterlagen liegen vor.

3. Gerhard Beckmann behauptet, dass die beim Verlag Albin Michel erschienene Ausgabe ein „Raubdruck“ gewesen sei, der ohne die Einwilligung Erofeevs publiziert wurde. In einem Brief an Albin Michel vom 5. Juni 1977 schreibt Venedikt Erofeev an den Verleger des „Raubdruckes“: „Ich drücke meine Dankbarkeit aus für die Veröffentlichung meines Buches und die Publizität, die ihm in Frankreich verschafft wurde“.

4. Gerhard Beckmann bezweifelt, dass eine Bekannte des Autors tatsächlich von Venedikt Erofeev für die Verhandlungen mit Albin Michel bevollmächtigt wurde. In dem selben Brief vom 5. Juni 1977 schreibt Venedikt Erofeev an Albin Michel: „Ich habe niemandem jemals Rechte eingeräumt ausser Frau Irène M. Delaunay.“

5. Gerhard Beckmann behauptet, dass die Albin-Michel-Ausgabe nicht vom Autor autorisiert wurde. Venedikt Erofeev schreibt in dem Brief vom 5. Juni 1977: „Ich wäre dem Verlag Albin Michel dankbar, wenn er sich dazu entschlösse, auch meine künftigen Werke zu publizieren.“ Schreibt so ein Autor, der mit der editiorischen Leistung seines Verlages unzufrieden ist?

6. Gerhard Beckmann behauptet, dass der Verlag Kein & Aber „keinerlei Befugnis (hat), von sich aus einen „autorisierten“ Text zu erstellen. Kein & Aber hat die Rechte an seiner Ausgabe rechtlich korrekt erworben. Es wurde kein Nachweis erbracht, dass die sog. „autorisierte Fassung“ tatsächlich von Venedikt Erofeev autorisiert wurde.

7. Die Unterschiede zwischen der Ausgabe von Albin Michel und der angeblich „autorisierten“ Fassung sind minimal. Dies wird auch durch einen Brief der Literaturagentin Galina Dursthoff an den Kein & Aber Verlag deutlich. Sie bot darin neben der sog. „autorisierten Fassung“ eine Neuübersetzung an, die auf Grundlage einer frühen Fassung angefertigt wurde und ursprünglich in der DDR im Verlag Volk & Welt erscheinen sollte. Der Übersetzer müsse noch, so Frau Dursthoff „die Korrekturen letzter Hand (…) einfügen“. In die russischen Ausgaben sind diese Korrekturen schon längst eingearbeitet. Ein Blick in das Typoskript zeigt, dass die Korrekturen an der Substanz des Textes nichts verändern. Für eine Vergabe einer Lizenz würde es eines neuen schöpferischen Werkes bedürfen. Dies ist hier aber nicht der Fall. Ein entsprechendes Gutachten (das auch Herrn Beckmann zur Verfügung gestanden hätte) liegt vor. Es sind weitgehend stilistische Korrekturen, die Venedikt Erofeev vorgenommen hat. Dass Korrekturen „rechtlich geschützt“ sind, entspricht nicht den Tatsachen. Sie sind Bestandteil des üblichen Publikationsprozesses, den ein Buch erfährt. Ein Abweichen von dieser Praxis hätte verheerende Konsequenzen für die Verlagswelt. Das herrschende Urheberrecht lässt da keinen Spielraum zu. Das müsste auch der Ex-Verleger Gerhard Beckmann wissen.

Gerhard Beckmann hat es unterlassen, die notwendigen Unterlagen für eine seriöse Berichterstattung zu beschaffen. Er hat journalistische Grundregeln missachtet, um dem Verlag Kein & Aber zu schaden. Über seine Motive rätseln wir.

Kein & Aber Verlag
23. September 2005

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