Julia Eisele zieht ein halbes Jahr nach Verlagsgründung Resümee Würden Sie es wieder tun, Frau Eisele?

Eine  Topmeldung im Februar diesen Jahres: Julia Eisele gründet ihren eigenen Verlag. Und wie sie das tat: Gleich das erste Buch des neu gegründeten Eisele Verlags, Hanni Münzers Roman Solange es Schmetterlinge gibt, steht seit fünf Wochen auf der Paperback-Bestsellerliste des Spiegel. Ein großer Erfolg für Julia Eisele, die unter dem Motto „die Professionalität der Großen, kombiniert mit der Leidenschaft und dem Wagemut der Unabhängigen“ als Verlegerin an den Start gegangen ist. Zeit für uns die letzte Zeit Revue passieren zu lassen und zu fragen:

BuchMarkt: Wie war Ihr erstes Jahr als Verlagsleiterin bisher, Frau Eisele?

Julia Eisele

Julia Eisele:  Spannend und arbeitssam. Es gab einige Premieren für mich: nicht nur die „Geburt“ der ersten Eisele-Bücher, sondern auch meine Rolle als Verlegerin. Es ist ein befreiendes Gefühl, aber auch eines der Verantwortung.

Sie waren fast 20 Jahre lang als Lektorin und Programmleiterin bei Random House und Bonnier unterwegs. Wie fühlt es sich an, plötzlich sein eigener Herr zu sein?

„Es fühlt sich großartig an“

Ich freue mich jeden Tag aufs Neue darüber, vollkommen selbstbestimmt zu sein, alles, was ich für wichtig halte, umsetzen zu können, in direktem Kontakt mit meinen Autoren, meinem Pressebüro und den Partnern bei den Ullstein Buchverlagen Projekte zu realisieren. Die Arbeit macht riesigen Spaß, mit allen Beteiligten. Besonders schön für mich ist es, dass ich mich trotz der Eigenverantwortung gut in diesem Team aufgehoben fühle und stets professionellen Rat in Dingen einholen kann, die ich jetzt zum ersten Mal mache.

Was für eine Persönlichkeit muss man haben, wie muss man ticken, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen?

Ich schätze, das Wichtigste sind Neugier und Optimismus –  und Selbstdisziplin. Denn wenn ich bestimmte Dinge nicht erledige, dann erledigt sie niemand anderer für mich, dann bleiben sie eben liegen. Sie wissen schon –  „selbst und ständig“. Wenn man das nicht aushält, sollte man die Finger davon lassen.

„Ein bisschen Mut gehört natürlich auch dazu, so einen Schritt zu wagen, denn eines ist klar: Es kann auch schiefgehen“

An der Stelle kommt dann wieder der Optimismus ins Spiel.

Hätten Sie sich das schon vor 15 Jahren vorstellen können? Welcher Kompetenzen bedarf es da?

Auf keinen Fall hätte ich das viel früher tun können. Besonders die letzten Jahre bei Piper, in denen ich ein relativ großes Team von Lektoren und drei Programmbereiche geleitet habe, waren extrem lehrreich für mich. Ein wichtiger Lehrer war auch Marcel Hartges. Er war ein anspruchsvoller Chef, der kritisieren konnte – aber auch loben und fördern. Dafür, dass er mir viel zugetraut hat, bin ich ihm bis heute dankbar. Meine frühen Jahre bei der Verlagsgruppe Random House waren ebenfalls wichtig. Ich weiß nicht, wie viele Taschenbücher ich in meinem Leben schon habe kommen und gehen sehen. Viele, die funktionierten, und viel mehr, die es nicht taten. Auch aus den Misserfolgen lernt man. Und irgendwann stellt man fest, dass überall nur mit Wasser gekocht wird und man nicht zu viel Respekt vor den Dingen haben sollte. Das lähmt nur und hindert einen daran, Entscheidungen zu treffen.

Und – wie läuft’s so bei Eisele?

Sehr gut bis jetzt! Dass gleich das erste Buch des Verlags, Hanni Münzers Solange es Schmetterlinge gibt , in den Top 20 der Bestsellerliste ist, macht natürlich Mut. Auch die Vormerker für Nell Leyshons Die Farbe von Milch, den literarischen Spitzentitel des Verlags, können sich sehen lassen, insofern blicke ich zuversichtlich in die Zukunft. Obwohl mir natürlich klar ist, dass das zweite Programm, wenn die erste Welle der Aufmerksamkeit für die Verlagsgründung erst mal abgeebbt ist, nicht mehr so einfach sein wird.  Das haben mir jedenfalls andere Verleger schon angekündigt, ich bin vorgewarnt. Und mein Mitgesellschafter und Geschäftsführer ist es auch.

Was war bisher Ihr schönster Erfolg?

Dass es mir gelungen ist, die richtigen Leute um mich zu versammeln, mit denen gemeinsam der zukünftige Erfolg erst möglich wird.

Da ist die Vertriebskooperation mit den Ullstein Buchverlagen. Ohne eine solide Vertriebsstruktur wäre es richtig schwierig geworden. Da ist die großartige Unterstützung durch Politycki & Partner, die für eine beachtliche Medienresonanz sorgt. Die tollen Cover vom Favoritbuero und die professionelle Abwicklung der Produktion durch Ullstein. Und dann ist da Peter Biendarra, der Geschäftsführer des Eisele Verlags. Er ist mir ein steter Ratgeber, Mutmacher, sorgfältiger Zahlendompteur und einfach richtig nett und klug. Heute Morgen lag ein dickes Paket mit dem Jahresabschluss für 2016 im Briefkasten. Ein Blick darauf genügt, mich daran zu erinnern, dass es ohne Peter sehr, sehr viel schwerer wäre. Er hält mir den Rücken für die kreative Arbeit frei, und ich kann ihm vertrauen.

Gleich das erste Buch Ihres neu gegründeten Eisele Verlags wurde zum großen Erfolg. Der Titel stieg nur eine Woche nach Erscheinen in die Spiegelbestseller-Liste ein und hielt sich fünf Wochen in Folge in den Top 20. Wie fühlt sich das an?

Das fühlt sich natürlich großartig an. Ich freue mich nicht nur für den Verlag, sondern insbesondere auch für die Autorin. Dass Hanni Münzer mir ihr Vertrauen geschenkt hat, ohne irgendwelche Fragen zu stellen, und das von sich aus und von Minute 1 an –  das war mutig und eine große Freundschaftsgeste. Dass Hanni mit dieser Entscheidung keinen Fehler gemacht zu haben scheint, freut mich am meisten.

Sie und die Autorin sind eng befreundet. Ist das stets Ihr Anliegen? Mit den Autoren und Autorinnen auch freundschaftliche Beziehungen zu pflegen?

Ein so freundschaftliches Vertrauensverhältnis, wie ich es mit Hanni Münzer habe, ist natürlich der Idealfall. Aber im Prinzip kann ich die Frage mit Ja beantworten. Ich glaube schon, dass ich ein besonders enges Verhältnis zu meinen Autoren habe. Im kommenden Jahr erscheinen Bücher bei uns von vier deutschen Autorinnen und Autoren, die ich alle sehr gern mag und mit denen mich große Sympathien verbinden. Ich habe jetzt viel mehr Zeit für meine Autoren und ihre Texte als früher, und das war ja auch einer der Hauptgründe, nur vier Titel pro Saison zu machen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, um mit den Autoren an ihren Büchern arbeiten zu können.

Gab es denn auch schon traurige Misserfolge zu verbuchen?

Kürzlich ist ein kleines Missgeschick beim Drucken eines Umschlags passiert –  zum Glück so früh  vor Erscheinen des Titels, dass wir den Fehler noch rechtzeitig beheben konnten. Das ist tatsächlich das Einzige, was mir einfällt, was bisher schiefgelaufen ist. Ich wundere mich selbst darüber.

Welches wird Ihr wichtigstes Buch in diesem Jahr?

Durch Klick aufs Cover geht’s zum Buch

Wichtig war natürlich die Hanni Münzer. Aber jetzt bin ich extrem gespannt darauf, wie eine bisher völlig unbekannte Autorin da draußen ankommen wird. Die Farbe von Milch von Nell Leyshon ist ein Roman, der so speziell und einzigartig ist, dass er polarisieren könnte.

„Eine einzigartige Erzählstimme, die unvergessliche Bilder in den Kopf des Lesers malt“

sagt zum Beispiel die britische Internet-Zeitschrift THE INDEPENDENT.

Zum Glück bekomme ich bisher sehr begeisterte Rückmeldungen aus dem deutschen Buchhandel, der Roman scheint sich gerade zu so etwas wie einem Geheimtipp unter den unabhängigen Buchhändlerinnen zu entwickeln, wie ich höre.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass sich alles so gut weiterentwickelt, wie es angefangen hat. Dass ich von dem Verlag werde leben können – und dass ich nächstes Jahr vielleicht auch mal Sommerurlaub machen kann.

Wieso sollte der Buchhändler unbedingt auf Eisele bauen?

Weil wir dringend ein Gegengewicht zu den großen Konzernen mit ihrem massenhaften Ausstoß an austauschbaren Titeln brauchen.  Weil im Eisele Verlag emotional berührende Bücher mit besonderen Erzählstimmen erscheinen. Und weil die Verlegerin sich persönlich um jedes einzelne Buch kümmert, mit Liebe und Sorgfalt.

Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie dennoch gerne beantwortet?

Würden Sie es wieder tun?

Hier können Sie die auch beantworten:

Ja!

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