Das Sonntagsgespräch E-Books: Mikołaj Małaczyński und Balázs Csonka über gemeinsame Ziele, exklusive Geschäftsbeziehungen und diverse Herausforderungen

Was für eine Meldung – „Legimi und Libreka kooperieren. Der polnische E-Book-und Audio-Book-Anbieter Legimi expandiert im Herbst nach Deutschland und wird exklusiv über Libreka E-Books Endkunden zum Einzelverkauf und in einem Abo-Modell zur Verfügung stellen. Somit können Legimi-Kunden von Beginn an auf mehrere Hundert Tausend E-Books zugreifen“ – Soweit so gut. Höchste Zeit für uns mit Legimi-Geschäftsführer  Mikołaj Małaczyński und Libreka-Geschäftsführer Balázs Csonka über das zu reden, was sich jetzt für die Nutzer ändert, über die Frage, warum eine solche Kooperation überhaupt stattgefunden hat und darüber, wie die Verlage  darauf reagieren

 

BuchMarkt: Sie haben auf der Buchmesse eine vielbeachtete Kooperation angekündigt. Warum arbeiten Sie mit exklusiven Lieferanten?

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Mikołaj Małaczyński: „Wir glauben, dass Legimi viel für den deutschen Markt bewirken kann, vor allem auch hinsichtlich der erweiterten Kooperation von e-Book und Audiobook-Verlagen.“

Mikołaj Małaczyński: Vorab sei noch einmal gesagt, dass wir uns sehr über die Kooperation mit unseren deutschen Partnern freuen. Schließlich hat Libreka den signifikant umfangreichsten eBook-Katalog aller deutschen Anbieter, zum anderen wollten wir die komplexen Vorarbeiten und Prozesse, welche zum Launch eines neuen Online-Portals gehören, an möglichst viele Stellen so effizient wie möglich halten. Und so etwas geht am besten, wenn man die Anzahl der involvierten Lieferanten –und damit auch Vertriebsrechteinhaber – so weit wie möglich reduziert bei gleichzeitig größtmöglichen Content-Angebot. Das ist uns mit Libreka bestens gelungen. Schließlich spielte auch der Zeitdruck bei der Umsetzung unseres Vorhabens eine nicht unwichtige Rolle.

Herr Czonka, Sie haben nach Bekanntwerden der exklusiven Vereinbarung mit Legimi nicht nur freudige Zustimmung aus der Branche geerntet.

Balázs Csonka: „Wir werden auch zukünftig exklusive Partnerschaften und Geschäftsbeziehungen anstreben und abschließen – Wirtschaftliche Erwägungen, Marketing und die Platzierung im Markt spielt dabei natürlich eine entscheidende Rolle !“

 

Balázs Csonka: Nun, wir freuen uns natürlich, dass sich  Legimi für unser Angebot entschieden hat. Und wir müssen uns ja schließlich nicht dafür schämen, dass wir der Anbieter mit dem umfangreichsten Titelbestand im deutschen Markt sind. Und was die Zustimmung aus der Branche angeht, bin ich mit der unserer Verlagskunden sehr zufrieden.

Legimi bietet ein kombiniertes Angebot aus eBook-Shop und Flatrate-bzw. Lending-Modell. Warum?

MM: Wir haben mit der Kooperation dieser beiden Angebote im polnischen Markt ausgesprochen positive Erfahrungen gemacht. Unsere Leser nutzen die Verbindung der beiden Angebote intensiv.

Nun ist die Zustimmung zum Abo-Modell, wie man an der Titelanzahl erkennen kann, verlagsseitig aber doch etwas spärlicher ausgefallen als die Freude über einen neuen Wettbewerber im klassischen Ebook-Anbieter-Segment. Worauf führen Sie das zurück?

BC: Nun, „etwas spärlicher“ ist schon der richtige Ausdruck. Wir haben ja auch viele Verlage in unserem Portfolio, welche die Abo-Modelle unterstützen. Sicher spielen da verschiedene Aspekte eine Rolle. Wichtig ist nach wie vor die Rechtefrage. Die Klärung ist insbesondere für Distributoren, mit denen wir auch zusammenarbeiten, nicht einfach. Zum anderen sehen auch unsere Verträge mit den Verlagen eine Zustimmungspflicht  für diese Modelle vor. Und da sind wir dann bei den Motiven und Entscheidungsprozessen innerhalb der Verlage, auf die wir nur Rücksicht nehmen können.

MM: Schon jetzt bieten wir rund 10.000 Titel im Abo-Modell an. Das ist nicht wenig. Natürlich setzen wir darauf, dass die noch unentschlossenen Verlage ihre Bedenken an dieser Stelle aufgeben. Denn wir sind bestrebt, unseren Nutzern einen möglichst vielfältigen und umfassenden Titelkatalog anzubieten. Und mit unserem Erlösmodell haben wir auch für das Abo-Angebot eine unserer Ansicht nach sehr transparente und faire Lösung gefunden. Nachdem 100% der Gesamtseitenzahl eines Titels gelesen worden ist, und das auch von mehreren unterschiedlichen Nutzern, fließt der volle Preis als Erlös an unsere Partner.

Halten Sie beide es für möglich, dass ein solches Angebot wie es Legimi und auch Amazon machen – ein Anbieter für Kauf und Leihe –auf grundsätzliche Bedenken stößt?

BC, MM: Wir glauben eher, dass es hier, ähnlich wie bei anderen neuartigen oder ungewohnten Angeboten und Produkten einen gewissen Gewöhnungsprozess geben wird. Nach dem dann hoffentlich die Einsicht folgt, dass es hier um ein zusätzliches Geschäft mit zusätzlichen Nutzern und nicht um eine Kannibalisierung des eBook-Verkaufs geht.  Aber fragen Sie uns doch lieber mal nach dem Angebot, was wir unseren Nutzern bei Legimi bieten. (lacht)

Also gut. Welche bemerkenswerten Neuerungen dürfen die Nutzer von Legimi erwarten?

MM: Eine tatsächliche und alltagstaugliche Neuerung ist die Möglichkeit nahtlos zwischen den Formaten e-Book und Audio zu wechseln. Dabei wird unser Hörbuch-Katalog in den nächsten Monaten mit den e-Books in unserer Plattform abgestimmt. Und für Titel, welche nur als e-Book verfügbar sind, kommt unsere Text-To-Speech Software zum Einsatz. Nutzer, die ihr e-Book in unserer Cloud gesichert haben und mittels unserer App lesen, können damit auch bei diesen Titeln jederzeit zwischen Lesen und Hören wechseln. Nach unseren bisherigen Erfahrungen wird dieser Service von unseren Lesern sehr intensiv genutzt.

Zudem werden wir bei Abschluss eines 24-Monate-Vertrags unseren Kunden einen Reader für nur einen Euro anbieten. Dieses Angebot ist neu am Markt und wird definitiv neue Kunden erreichen, welche bisher vom Kauf eines eReaders abgesehen haben. Dieses Angebot werden wir mit einer umfassenden Marketingkampagne starten, sobald sich die Anzahl der Titel in unserem Abo-Angebot ungefähr verdreifacht hat.

Ist also das Legimi-Angebot nur für Nutzer der Legimi-App in ganzer Breite nutzbar?

MM, BC: Ja und nein. Bestimmte Features wie die Text-to-Speech-Funktion oder die unterschiedlichen Abo-Modelle setzen die Benutzung der Legimi-App voraus. E-books kaufen können Sie natürlich mit jedem Endgerät, mit dem Sie online gehen und eBooks lesen können. Und selbstverständlich gibt es die App für alle verbreiteten Betriebssysteme, wie iOS, Android.

Ich als Leser kann also auch mit der Legimi-App alle meine bereits erworbenen E-Books nutzen, also auch in der Cloud und mit der Text-to-Speech? Und wie geht das mit Mobis und iBooks?

MM, BC: Zum einen ist ein Mobi ja nur ein bestimmtes Format, welches auf unterschiedlichen Plattformen genutzt werden kann, wie ein EPUB auch. Wichtig ist hier noch einmal darauf hinzuweisen, dass jeder Titel im legimi-Angebot in beiden Formaten verfügbar ist – sowohl als ePub als auch als Mobi-Datei, ohne zusätzliche Kosten. Das bedeutet dass man unser Angebot sowohl mit dem Tolino-Reader, dem Kindle oder mit einem Apple-Endgerät nutzen kann. Natürlich empfehlen wir die Nutzung unserer App, sie ist aber nicht notwendig, wenn Kunden ein eBook bei uns lediglich kaufen aber das Abonnement nicht nutzen wollen. Verlage sollten wissen, dass sowohl die Funktionen des Lesens in der Cloud als auch die Umwandlung von Epub zu Mobi ein „Soft-DRM“, also Watermarking, erfordern.

Im Prinzip haben wir hier also eine zweite Tolino-Cloud oder eher eine komplett offene und formatneutrale Lösung wie etwa log.OS?

MM: Legimi wird immer die „Best practice“ Lösung, die aus Kundensicht auf dem Markt etabliert ist, bevorzugen. Wir möchten vermeiden, dass ein Endnutzer sich eingeschränkt fühlt und möchten diesen ermuntern so lange wie möglich unsere App zu nutzen, egal aus welcher Quelle der Inhalt stammt.

Wenn schon einmal der Geschäftsführer von einem der führenden Watermarking-Tools hier ist: Wie sehen Sie die Entwicklung in Sachen DRM (Digital Right Management) ? Wird es auf Dauer ein Nebeneinander verschiedener Schutzstufen geben?

MM: Wir sind entschiedene Verfechter offener Formate wie Epub und eines „social DRM“. Legimi bietet die führende Lösung für Watermarking in unserem Heimatmarkt an, welche ebenfalls in Deutschland und in Großbritannien genutzt wird. Logischerweise sind wir 100%ige Unterstützer von Watermarking-DRM beim Verkauf von eBooks, dem sogenannten Download to Own. In Streaming-oder Abomodellen stellt sich die Situation jedoch differenzierter dar. Wenn ein Kunde unser Abomodell kündigt, müssen wir sicherstellen, dass er nicht mehr auf die Inhalte im Abonnement zugreifen kann. Dazu bedarf es natürlich eines grundlegenden Digital Rights Management, was von unseren Nutzern auch akzeptiert wird. Beim Verkauf von ebooks auf Endkunden hingegen müssen wir vermeiden, dass Nutzer durch den Einsatz von harten DRM frustriert werden, und das Gefühl haben, reglementiert zu werden, obwohl sie die Inhalte legal erworben haben. Mittlerweile praktiziert wohl auch die überwiegende Anzahl von Verlagen, jedenfalls im Publikumsmarkt, in Deutschland den Schutz von Watermarking, um genau diesen Problemen beim Endkunden zu entgehen. Also ja, es wird aus genau diesen Gründen absehbar ein Nebeneinander verschiedener DRM-Lösungen geben.

Herr Csonka, Sie sind mit Legimi für den Zeitraum von zwei Jahren eine exklusive Partnerschaft eingegangen. Wollen Sie diese Art exklusiver Geschäftsbeziehungen ausbauen?

Nun, es gibt verschiedene Gründe und Motivationen für solche Partnerschaften. Zum einen spielen wirtschaftliche Erwägungen wie Investitionen in Projekte und der erwartete Break Even eine Rolle, zum anderen hat es natürlich auch mit Marketing und der Platzierung im Markt zu tun. Und natürlich mit den Erwartungen und Bedürfnissen der jeweiligen Partner aneinander. Konkret: Ja, wir werden weitere solche Partnerschaften anstreben und abschließen.

Herr Małaczyński , Herr Csonka, wie waren Ihre Eindrücke von der Reaktion des Publikums und der Kollegen auf Ihr Angebot während der Buchmesse?

MM: Unser Angebot die Einführung des Legimi-Readers für einen Euro mit einem 7-stelligen Marketing-Budget zu unterstützen ist auf sehr positive Resonanz gestoßen. Während der Buchmesse haben sich nicht nur deutsche Verlage, Aggregatoren und weitere Dienstleister für den Soft-Launch von Legimi.de interessiert, sondern auch Geschäftspartner aus Polen und anderen Ländern. Wir haben den Eindruck gewonnen, dass der Eintritt von Legimi in den deutschen Markt, in einer Atmosphäre der Zusammenarbeit und gemeinsamen Entwicklung des Marktes stattfand, mit einer ehrlichen und ernstgemeinten Anerkennung sowohl unserer Technology als auch unseres Geschäftsmodells. Den gleichen Eindruck hatte auch die Direktorin der polnischen Buchkammer, Frau Dr.Grazyna Szarszewska-Kuel, und vermittelte diesen während Ihrer Rede am Beginn unserer Launch-Cocktail-Party. Verbunden mit den besten Wünschen für eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den deutschen Verlegern und Aggregatoren sowie Verlagsauslieferungen.

BC: Wir haben mit vielen aktuellen und potentiellen Partnern gesprochen. Nachdem die Verlage verstanden haben, wie das Legimi-Abo abgerechnet wird und dass es ein faires Erlösmodell bietet, konnten wir für dieses Thema viele Zusagen einsammeln. Darüberhinaus hatten wir viele großartige nationale und internationale Reaktionen auf das, was Libreka derzeit macht und bewegt. Ohnehin tut sich viel im Markt, wenn es um das Thema Digitalisierung und E-Books geht. Es wird an neuen Formaten, Plattformen und Angeboten gefeilt. Neue Allianzen werden geschmiedet, neue Synergien gesucht. Was ist die nächste große Sache, hörte man häufig. Wie können wir weiter Prozesse und Kosten optimieren. Hier kann ich nicht ins Detail gehen, aber wir fühlen uns gut aufgestellt. Auch unser kürzlich eingeführtes 1-EUR-Modell für die Auslieferung von E-Books wird gut nachgefragt.

MM: Wir haben auch bemerkt, dass die Erfahrung vieler Verlage mit neuen Geschäftsmodellen wie Abonnement-Angeboten für eBook-Leser noch nicht sehr groß ist. Und immer noch existiert auch in diesem Zusammenhang die Angst vor dem Verlust von Daten bzw. Inhalten. Nichtsdestotrotz hoffen und glauben wir, dass die Verlage auch mit unserer Unterstützung in den nächsten Jahren immer offener für innovative Ideen im eBook-Markt werden, welche letztendlich den Markt wachsen lassen. Zudem haben wir viel Neugier bezogen auf den Legimi-Launch und ebenso Erwartungen an eine weitere Diversifizierung des Marktes in Deutschland  registriert. Wir glauben, dass Legimi viel für den deutschen Markt bewirken kann, vor allem auch hinsichtlich der erweiterten Kooperation von e-Book und Audiobook-Verlagen.

BuchMarkt: Vielen Dank für das Gespräch

Die Fragen stellte Franziska Altepost

In der vorigen Woche sprachen wir mit Nikolaus Hansen über die Wichtigkeit heutiger Übersetzer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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