Der Harbour Front Festival-Mitgründer Peter Lohmann hat sein Buch "Pauli & Konsorten" als Self Publisher auf BOD herausgebracht „Ich muss mich mit niemanden mehr absprechen und herumärgern. Nur mit mir“

Peter Lohmann, lange Verleger und dann Mitgründer des Hamburger Harbour Front Festivals, hat nach seinem Ausscheiden dort ein Buch geschrieben und Pauli & Konsorten als Self Publisher auf BOD heraussgebracht. Warum hat er die Seiten gewechselt? Das war Anlass für unser pfingstliches Sonntagsgepräch:

Warum hast Du die Seiten gewechselt?

Peter Lohmann: Das habe ich doch gar nicht. Dafür ist auch mein Respekt vor der Kunst des Schreibens zu groß, als dass ich behaupten wollte, ich wäre ein Schriftsteller. Nein, ich bin nur ein pensionierter Buchmensch, der statt zu aquarellieren, schreibt. Aber ich bin ich jetzt mein eigener Verleger über BoD.

Warum hast Du Dir nicht einen Verlag für Pauli & Konsorten gesucht? 

Weil das neben den persönlichen Vorteilen der angenehme Zusammenarbeit mit meinem Verleger (er trinkt gerne einen) auch ganz praktische hat. Ich bin gezwungen meine eigene PR-Arbeit zu machen, inklusive der Social Media Kampagnen.

Wie gehst Du es denn an?

So läuft von mir entwickelt und umgesetzt mit Pauli & Konsorten eine kleine Serie  bei Instagram. Ich bin z.Zt. bei Folge 7. Da es sich um ein Buch für Hundeliebhaber handelt zielen die Hashtags vor allem auf diese Zielgruppe. Und ich bin mein eigener Vertriebsmensch. Da aber jetzt nicht 1000 Exempare (wäre schon sehr viel) auf der Reise vorbestellte Bücher in den Buchhandlungen liegen, die darauf warten remittiert zu werden, wenn nicht rechtzeitig die Werbung zieht, ist der ganz relaxed.

Auch wenn nichts verkauft wird? 

Peter Lohmann: „Pauli & Konsorten ist ein kleines Leckerli und Geschenkbuch für alle, die Hunde mögen, Hunde haben oder Freunde kennen, die Hunde lieben und in einer Großstadt leben. Wenn Hunde reden könnten, wären sie die besseren Menschen. Aber da sie das nicht können, holen sie aus ihren Menschen eben das Beste raus.“

 

Ach, es gibt von keinem einen vorwurfsvoller Blick, „aber du hast doch gesagt, das wäre ein Renner!“, Denn bestellt werden kann dieses Buch ja in jeder Buchhandlung oder online. Nur bei der Herstellung habe ich mir Hilfe geholt. Bei redaktion4, einem Büro für Gestaltung, Bildredaktion und Produktion. Da bekommen Verlage, vor allem im Zeitschriftenmarkt, Unterstützung, von der Konzeption bis zur Beratung ,vor allem auch bei Relaunches. Wolf Dammann, der Inhaber, war langjähriger Chefdesigner beim Stern. Mit ihm und Teresa Nunes, der Geschäftsführerin, bin ich seit Jahrzehnten befreundet. Sie sind für das Cover und die Gestaltung verantwortlich.

Dass Du diesen Weg gewählt hast  hat mich trotzdem überrascht.

Aber ist eine logische Entwicklung. Ich habe in den über 40 Jahren Buchbranche reichlich Erfahrungen sammeln können. Vom Kleinverlag Verlag am Galgenberg bis hin zu S. Fischer. Ich denke, vor allem neue junge Verlage können von der heutigen Situation profitieren. Immer unter Druck gesetzt hat uns Kleinverleger damals (70-80ziger Jahre) der Kapitaleinsatz für den Druck der Bücher. Damit verbunden war ein hohes Risiko, den niemand konnte garantieren, dass sich auch alle gedruckten Bücher verkaufen.

Und dieses Risiko ist so geringer geworden?

Ja, vor allem, wenn  man das Ebook und printing on demand mit in Erwägung zieht. Da bekomme ich wieder richtig Lust. Nun ja ein wenig Kapital braucht man schon, aber vielleicht findet sich da ja noch einer. Also Autoren*innen könnten sich auch zusammentun und ihre Sachen gemeinsam in einem kleinen Selbstverlag verlegen. Die großen Verlage, wenn man denn genommen wird, können einem auch nur garantieren, so viel wie möglich Bücher an die Buchhandlungen zu verkaufen. Und das wird auch immer schwieriger. Den Rest (PR und Marketing) muss in den meisten Fällen heute selbst ein Bestsellerautor doch selber machen.

Stimmt, ich  sehe ja, wie aktiv etwa Klaus Peter Wolf oder Peter Prange bei der Vermarktung selber involviert sind.

Da, dann kann man doch gleich alles selbst in die Hand nehmen. Oder? Und viele Selbstverleger*innen sind heute auch sehr erfolgreich. Das beschäftigt mich heute. Aber frag mich doch nach dem großenVorteil meiner Situation.

Und der ist?  

Ich muss mich mit niemanden mehr absprechen und herumärgern. Nur mit mir. Und diese Selbstgespräche führe ich morgens und abends bei meinen Spaziergängen im nahen Wald.

Dann frage ich noch zum Schluss: Warum hast Du Pauli & Konsorten überhaupt geschrieben?

Ganz einfach, weil ich mit meinem Hund Pauli in Hamburg erlebt habe, wie spannend und kommunikativ das Leben eines Hundehalters in einer Großstadt sein kann.

Spannend und kommunikativ?

Ich hatte in Hamburg einen tollen Laden kennengelernt. Die Tierbar – für alle Felle! Diese „Tierbar“ war wie der Tabakladen im Film Smoke mit Harvey Keitel ein Treff unterschiedlichster Menschen mit einem gemeinsamen Interesse, hier: nicht der Tabak, sondern ihr Hund oder ihre Katze. Und diese „Tierbar“ ist ein zentraler Punkt in dem Buch. Wenn Hunde reden könnten, wären sie die besseren Menschen. Aber da sie das nicht können, holen sie aus ihren Menschen eben das Beste raus. Mit etwas Einsatz bringt man sie schon auf den richtigen Weg und macht ihnen klar, worauf es im Leben wirklich ankommt. Und schließlich: Wer könnte ihrer Treue und Zuneigung schon widerstehen?

Und worum geht’s?

In der „Farm für alle Felle“, die Liz und Biggy zusammen aufgemacht haben, können sie sich finden: die Hunde und ihre Menschen aus der ganzen Gegend. Und im Viertel ist einiges los … Dabei freunden sich natürlich nicht nur die Hunde miteinander an, wie sich denken lässt …

Und Pauli ist ein schwarz-weiß gefleckter Mischling aus Collie und Labrador, mit weiß-braunen Strähnen im Gesicht und dicken, braunen Tupfern über den Augen ist der Anführer. Eine Geschichte von Hunden und Menschen, witzig und echt und mit dem Quantum Gefühl, Liebe und Tragik, die wir alle in Büchern suchen.

Was den Verkauf angeht: Und wem würdest Du Dein Buch mit welchem Argument am besten verkaufen?

Vor allem und in erster Linie Leser*innen, die Hunde mögen, Hunde haben oder Freunde kennen, die Hunde lieben und in einer Großstadt leben. Ein kleines Leckerli und Geschenkbuch.

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz. Er und Peter Lohmann sind seit Jahren befreundet. Peter Lohmann hat 1980 den buntbuch-Verlag und 1985 den Verlag am Galgenberg in Hamburg mitbegründet und danach auch immer wieder für BuchMarkt geschrieben.  Ab 1997 war er verlegerischer Geschäftsführer des Scherz Verlages Bern und ab 2002 verlegerischer Geschäftsführer bei den S. Fischer Verlagen. 2009 hat er das Harbour Front Literaturfestival mitbegründet und lebt seit 2019 als freier Autor mit seinem Hund Pauli (s. Foto) auf dem Lande

 

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.