Gabriele Borgmann rollt in "Venus AD" das vermutlich erste Plagiat in der Malerei auf. Was sich daraus entwickelt, ist der Flirt mit einem Genie und ein Augenzwinkern auf die Wissenschaft „Vergnüglich, spannend, mit einem Tupfer Erotik“

Gabriele Borgmann

 

 

Mit Venus AD (PalmArtPress) feiert Gabriele Borgmann ihr literarisches Debüt. Eine romantisch-skurrile Geschichte, in deren Mittelpunkt Albrecht Dürer steht – im heutigen Berlin. Es geht um Kunst, um Politik und darum, dass sich die Zeiten kaum ändern – Anlass für Fragen an die in Berlin lebende Autorin:

 

 

BuchMarkt: Worum geht es in dem Buch?

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Gabriele Borgmann: Stellen Sie sich vor, Sie lesen ein Buch. Schon der erste Satz zieht sie in den Stoff –  und beim zweiten Satz stocken Sie. Unsicher lesen Sie weiter und nach einigen Seiten verschlägt es Ihnen den Atem: Da ist was faul. Ihre Amygdala sendet Botenstoffe der Wut, ihr Herz beschleunigt den Takt, Sie schwitzen, Sie staunen, Sie schreien vor Wut. Denn ihr Gehirn erkennt: Was Sie in diesem Buch lesen, in dem Buch, das die Spiegel-Bestsellerliste gestürmt hat und Hunderttausende literaturverliebte Menschen begeistert, das ist Ihr Buch!  Es ist Ihre Geschichte, die Sie skizziert haben vor einiger Zeit.  Jahrelange Recherche gingen voraus. Immer wieder hatten Sie diese Idee beleuchtet, geschliffen, bis Sie dachten, sie wäre reif. Und dann gerieten Sie in einen Flow an einem Abend im August, die Worte flossen aus Ihnen heraus, Sie empfanden Glück. Und Sie wussten, dass dieser Text, den Sie schrieben, nur Ihrem Talent entsprang, dass kein anderer ihn in dieser Art schreiben könnte. Und nun das! Ihr Text in diesem fremden Buch? Fassungslos suchen Sie das Notizheft von damals – und finden es nicht mehr. So ähnlich geht es Albrecht Dürer in Venus AD. Auf dem Bild, das er ersann, strahlt das Monogramm von Lucas Cranach.

Was ist die Intention dahinter, wie entstand die Buchidee?

Es geht in meinem Buch um das vermutlich älteste Plagiat in der Malerei: um den Raub der Venus. Lucas Cranach malte die „Venus mit Amor“ in rund 70 Varianten, das Bild ist bis heute ein Bestseller. Das darf nicht sein, zürnt Albrecht Dürer, als er den Raub entdeckt – und fällt durch die Zeit, um 510 Jahre später in Berlin aufzuklären, was eine Lüge der Kunstgeschichte ist …

Fest steht, dass Albrecht Dürer früh, sehr früh sich der Nacktmalerei hingab, um zu erforschen, was das Geheimnis der Schönheit ist. Er war beseelt von der Freizügigkeit italienischer Maler und deren Mut, mit Farbe verschwenderisch umzugehen. Unter diesem Einfluss entstand die Venus. Dürer skizzierte sie im Rausch – und Cranach stahl sie in einem unbeobachteten Moment aus der Dürer’schen Werkstatt. Denn Cranach brauchte Motive, außergewöhnliche Motive, um den Kurfürsten zufriedenzustellen. Als er die Venus-Skizze sah, dachte er: Da ließe sich was draus machen! Die Kunstgeschichte weist an dieser Stelle Lücken auf – und die fülle ich als Autorin mit einer Phantasie.

Welche Leser und Leserinnen sollen angesprochen werden?

Ich hoffe, viele! Wer neugierig ist auf den Alltag der Maler im Mittelalter, wer Kunst und Farben liebt, wer das Unerwartete ersehnt, ohne das Wahrhaftige zu verleugnen, der fühlt sich in Venus AD wohl.

Mit welchem Argument kann der Buchhändler das Buch am besten verkaufen?

Es ist ein Buch, das die schönste Sache der Welt in den Mittelpunkt stellt: die Kunst. Es ist ebenso ein Buch, das die Politik und die Wissenschaft mit einem Augenzwinkern betrachtet. Es ist auch ein Buch zwischen Spannung und Vergnügen. Die Botschaft lautet: Kunst ist erhaben über Zweifel und Zeit.

Welche drei Wörter umschreiben das Buch optimal? 

Vergnüglich, spannend, mit einem Tupfer Erotik.

Wird es eine Fortsetzung geben?

Das ist eine gute Frage. Albrecht Dürer hat in Venus AD seine Mission erfüllt oder auch nicht, das will ich nicht verraten. Aber wie sieht es mit Agnes aus, dem Eheweib an seiner Seite? Im Buch heißt es: „Kinder kamen nicht, von Kunst verstand sie nichts, Träume fand sie so überflüssige wie die Ornamente am Bilderrahmen.“ Und doch hat Agnes das Potenzial, meine nächste Protagonistin zu werden, denn bei genauer Betrachtung war sie die erste Galeristin nördlich der Alpen. Sie war eine mutige, eine geschäftstüchtige Frau, die sich von Nürnberg nach Leipzig aufmachte, um die Drucke ihres Mannes zu verkaufen, und dabei so manche Räuber am Wegesrand in die Flucht schlug. Unter ihrer Haube hatte sie sich den Eigensinn bewahrt, das wäre ein Buch wert.

Was lesen Sie privat gerne/aktuell? 

Bücher mit Botschaft, ohne erhobenen Zeigefinger und ohne Brüche in der Logik und doch mit der Kraft, mich in der Geschichte zu halten. Beeindruckt hat mich Saturday von McEwan, ein Genuss!

Sie haben bereits Sachbücher geschrieben, Sie konzipieren und verfassen Unternehmensbücher. Was bedeutet Schreiben für Sie?

Was die Farbe für den Künstler ist. Mit dem letzten Punkt setzt Wehmut ein. Auch Dankbarkeit weitet sich aus und dann der Wunsch, das Buch möge seine Leser finden. Nun ist „Venus AD“ in einem kleinen Verlag erschienen. Es wird vielleicht keine Türme des Titels im Eingangsbereich der großen Buchhandelsfilialen geben. Und doch gibt es erfüllte Hoffnungen. Als eine Leserin rezensierte, mir sei mit der Novelle „ein kleines Meisterwerk“ gelungen, da hat mich das berührt. Auch für solche Momente schreibe ich.

 

 

 

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