Das Autorengespräch Veit Heinichen über seinen neuen Triest-Krimi und seine neue Heimat bei Piper

Immer ab freitags hier ein Autorengespräch: Diesmal mit Veit Heinichen. Er war Mitgründer und Geschäftsführer des Berlin Verlages, bevor er sich auf die Autorenseite schlug. Seine Triest-Romane haben sich bislang über 300.000 mal verkauft und sind mehrfach erfolgreich verfilmt worden.

Jetzt erscheint am 1. August (erstmals bei Piper) „Die Zeitungsfrau“, sein neunter Roman um Commissario Proteo Laurenti, der (so der SPIEGEL) zu den „großen Kommisaren“ gehört.

Das Autorengespräch - Veit Heinichen in seiner Wahlheimat Triest, der Kulisse seiner Romane(c) Molo Audace
Veit Heinichen in seiner Wahlheimat Triest, der Kulisse seiner Romane (c) Molo Audace

BuchMarkt: Veit, worum geht es in „Die Zeitungsfrau“?

Veit Heinichen: Es geht um eine Jagd von Commissario Proteo Laurenti nach einem alten Gegenspieler, dessen er nie habhaft werden konnte. Es ist ein spannendes Spiel um echte und falsche Identitäten, Wahn, Projektionen und Besessensein fixer Ideen der Protagonisten. Täuschung, Kunstraub, Geldwäsche, Geschichte und Gegenwart – und auch der kulinarische Aspekt kommt dabei nicht zu kurz.

Wen stellst Du Dir als Käufer/Leser vor?

Leserinnen und Leser, die Lust auf eine spannende Reise in die zentraleuropäische Gegenwart haben, die in Triest, der nördlichsten Hafenstadt des Mittelmeerraums und den angrenzenden Ländern zu Hause ist. Eien vielsprachige Stadt voller Kontraste, der Ort, an dem die mediterrane Welt auf den Norden trifft, Meer auf Berg, Osten auf Westen, Kommerz auf Kultur.

Mit welchem Argument könnte der Buchhandel Die Zeitungsfrau am besten verkaufen?

Da zitiere ich einfach den SPIEGEL: „In der Reihe der seit Jahren so überaus erfolgreich ermittelnden Regional-Kommissare ist Proteo Laurenti aus Triest einer der kauzig-köstlichsten. Heinichen beherrscht sein Krimi-Handwerk mit erfreulicher Professionalität“. Commissario Laurenti ist eine gut eingeführte Marke, die dem deutschsprachigen Publikum auch durch die Verfilmungen mit Henry Hübchen bestens bekannt ist. Seine Romane sind in viele europäische Sprachen übersetzt und erhielten zahlreiche internationale Auszeichnungen, darunter den Radio Bremen Krimipreis für seine „feinfühlige, unterhaltsame und genaue Erforschung der historisch-politischen Verflechtungen, die Triest als Schauplatz mitteleuropäischer Kultur kennzeichnen“.

Du hast Deine Verlagsheimat gewechselt, bist von Zsolnay zu Piper gegangen. Weshalb?

Ich habe noch anderes verändert und mich zum ersten Mal einem Literaturagenten anvertraut. Marc Koralnik von der renommierten Liepman Agency in Zürich vertritt mich.

Warum das?

Zuviel hat sich seit meiner langjährigen eigenen Verlagserfahrung im Markt und bei der Rechtesituation verändert, als dass ich mich noch hätte vernünftig selbst vertreten können.

Die Ehe mit Zsolnay schien unverbrüchlich…

Durch Klick auf Cover zum Buch

Ich gebe zu, es war keine einfache Entscheidung, nach fast zwanzig Jahren eine neue verlegerische Heimat zu wählen. Aber es gibt ja kaum noch „Ehen“, die ewig halten. Und wie immer bei Trennungen handelt man dabei nicht überstürzt und lässt sich vielleicht sogar viel zuviel Zeit für den Schnitt. Sentimentalitäten soll es ja auch in unserer Branche geben, sagt man. Unter allen Angeboten habe ich mich schließlich für ein deutlich jüngeres und frischeres Verlagsteam entschieden – und die bisherige gemeinsame Erfahrung, so kurz sie noch ist, bestätigt mich deutlich in diesem Schritt.

In den anderen Ländern bist Du Deinen Verlagen bis heute treu geblieben…

… ja, die italienische Übersetzung der Zeitungsfrau ist bereits in Arbeit und wird wie immer nur wenige Monate nach der deutschen Originalausgabe bei Edizioni E/O in Rom erscheinen. Ein unhabhängiger, erfolgreicher Literaturverlag mit internationalem Programm, der seine Marktposition seit Jahren kontinuierlich auszubauen vermag und in New York in seiner Europa Editions auch ein englischsprachiges Programm verlegt.

Es ist fast zwanzig Jahre her, dass Du die deutsche Buchbranche verlassen hast, um definitiv nach Triest umzuziehen und das Pendler-Dasein zwischen der Adria und Berlin aufzugeben. Wie sieht der Buchmarkt heute für dich aus?

Dank der vielen Übersetzungen und den damit verbundenen Reisen und Veranstaltungen ist es sehr spannend, den Buchmarkt in seinen unterschiedlichsten Facetten zu erleben. Betrüblich dabei ist, dass der Konzentrationsprozess der Branche und der Druck durch Amazon wirklich überall zu spüren ist.

Aber gibt es auch was Positives?

Ja, erfreulich sind dafür die Courage und Entschiedenheit mit der profilierte Buchhändler/innen, für Qualität und ihren Markt zu kämpfen. Und das durchaus mit Erfolg.

Was ist dein nächstes Projekt?

Im Moment sitze ich an der Revision eines fünfhundertseitigen Romanmanuskripts, das mit Commissario Laurenti einmal nichts zu tun hat. Es trägt den (im Buchmarkt geschützten) Titel Borderless und stützt sich, wie immer bei mir, auf eine langjährige Recherche über die dreckigen Spiele einiger europäischer Regierungen und ihrer internationalen Seilschaften, die im laufe der letzten Jahrzehnte mehr als nur eine Krise Europas verursacht haben, deren Konsequenzen erst jetzt immer mehr aufbrechen. Ein harter Stoff, der geographisch von Pullach und Berlin über Rom, Salzburg und Wien, Zagreb, Istanbul, Triest und Rijeka bis in den Nahen Osten reicht. Lange Recherchen, Gespräche, Analysen – und dann der Kampf um die richtige narrative Form. Ich hoffe, es wird die letzte Revision sein, die mir dabei bevorsteht. Seit drei Jahren schreibe ich daran. Mein Agent (der literarische!) sagt, es handle sich um einen Politthriller. Mal sehen…

Sehen wir uns denn mal in Deutschland wieder?

Gewiss. Am 13.8. wird die Matiné im Stadttheater von Bremen vom NDR in den ganzen Nordwesten übertragen, ab 27. September geht dann die Reise durch Deutschland los. Start im Literaturhaus Dortmund, tags drauf im Polizeipräsidium von Bonn usw. Den Abschluss wird wohl die Veranstaltung in Berlin am 24. November mit Henry Hübchen und Wolfgang Herles bilden. Ich lauf mir die Hacken ab, aber.Stefanie Frühauf von Piper plant schon die Reise.

Durch Klick auf das Foto zur Webseite von Veit Heinichen. Die Fragen stellte Christian von Zittwitz.

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