Das Sonntagsgespräch Ulrich Erler, Christian Sälzer und Martin Schmitz-Kuhl über das Online-Magazin Bookster-Frankfurt

Print lebt! Lebt Print? Das Online-Magazin Bookster-Franfurt stellt jede Woche ein neues Portrait von Buchmenschen aus Frankfurt. Aus diesem Online-Projekt heraus sollen nun zwei Bücher entstehen.

So ungewöhnlich ist das vielleicht aber auch gar nicht, geht es bei Bookster doch um Menschen aus der Buchbranche. BuchMarkt hat sich mit Ulrich Erler, Christian Sälzer und Martin Schmitz-Kuhl, Gesellschafter der Agentur Schwarzburg und Initiatoren von Bookster, unterhalten.

v.l.n.r.: Martin Schmitz-Kuhl,
Ulrich Erler, Christian Sälzer

Seit Juni diesen Jahres stellen Sie auf www.bookster-frankfurt.de jede Woche einen Frankfurter Buchmenschen vor. Wieso eigentlich?

Ulrich Erler: Das hat viele Gründe. Einer ist, dass wir Frankfurt nicht immer nur als Banken- und Business-Stadt dargestellt haben wollten. Das ist nicht unser Frankfurt. Wir wollten eine andere Seite dieser Stadt zeigen – und wie kann man das besser machen als über Menschen!

Christian Sälzer: Diese Menschen sind für mich der zentrale Grund. Denn Menschen und ihre Geschichten finden wir spannend. Wir wollen diese Geschichten hören und als Journalisten wollen wir sie natürlich auch erzählen.

Was heißt „wir“?

Martin Schmitz-Kuhl: Die Idee für das Online-Magazin hatten wir drei – also die Agentur Schwarzburg. Wir kommen manchmal auf so komische Ideen. Zum Beispiel haben wir vor wenigen Jahren mit ein paar anderen Leuten das Magazin „Nordend“ herausgebracht. Das war ein Magazin, das vom journalistischen wie vom grafischen Anspruch in der Champions-League mitspielte – aber unter dem Strich dann doch „nur“ ein Stadtteilmagazin war.

Erler: Und genauso wie damals bei „Nordend“ können wir so etwas wie Bookster auch nicht alleine stemmen. Es gibt ein Team von Autoren und Autorinnen, die uns helfen, jede Woche einen Bookster vorzustellen. Und darüber hinaus jede Menge andere Menschen, die uns bei der Website geholfen haben. Vor allem jedoch muss man aber wohl unseren Fotografen Stephan Jockel erwähnen, der jede Woche einen Bookster für uns fotografiert.

Und was haben Sie als Agentur davon?

Sälzer: In erster Linie Spaß. Wir wollen neben unserer täglichen Arbeit für Kunden auch freie Projekte, in denen wir auch die Entscheidungen am Ende treffen. Das sind dann unsere „Herzblutprojekte“.

Erler: Abgesehen davon wollten wir als „Printler“ einfach mal ein Online-Magazin machen. Zwar wandert immer mehr in die digitale Welt, aber vieles davon finden wir noch nicht überzeugend. Wir fragen uns: Wie kann man in der Schnelllebigkeit des Internets Inhalte – auch längere Texte – so anbieten, dass die Leute sich wirklich die Zeit nehmen, sie auch zu lesen? Von daher ist Bookster Frankfurt auch für uns ein Experiment: Wir wollten sehen, wie sich unsere Ansprüche an ein gut gemachtes Magazin in die digitale Welt übertragen lassen.

Aber warum wollen Sie dann jetzt noch ein Bookster-Frankfurt-Buch herausbringen. Ist das nicht inkonsequent?

Sälzer: Print und digital schließen sich doch nicht aus. Bei Bookster-Frankfurt geht es ja um Buchmenschen. Da fänden wir es eher inkonsequent, wenn wir die gesammelten Porträts und Interviews, aber auch all die schönen Fotos nicht noch einmal als Buch herausbringen würden.

Aber erst einmal müssen Sie jetzt das Geld für das Buch zusammenbekommen.

Schmitz-Kuhl: Genau! Deshalb haben wir uns so gefreut, als wir von der Initiative KulturMut von der Aventis Stiftung und der Crowdfunding-Plattform StartNext erfuhren. Hier bekommen rund 30 Projekte die Möglichkeit, sich ihre Ideen von der „Crowd“ finanzieren zu lassen. Und das Gute an KulturMut ist: Wenn man viele Unterstützter, aber noch nicht ganz die benötigte Summe beisammen hat, bezahlt die Stiftung den Rest.

Erler: Schön finde ich daran auch, dass die Leute ja einen konkreten Gegenwert für ihre Unterstützung bekommen – nämlich das Buch. Es geht also nicht darum, dass wir Spenden einsammeln oder nur daran appellieren, uns arme Kulturschaffende zu unterstützen. Nein, wir machen ein tolles Buch über die Buchstadt Frankfurt. Und wer es haben möchte, soll es eben jetzt bestellen und kaufen. Es ist also eher eine Vorfinanzierung unseres Buchprojektes.

Streng genommen geht es bei Ihrer Crowdfunding-Kampagne aber doch um zwei Buchprojekte?

Schmitz-Kuhl: Das ist richtig. Parallel zu unserem Bookster-Frankfurt-Projekt hat sich noch ein weiteres Bookster-Projekt entwickelt, in dem es nicht um Frankfurt geht. Wir sind bei unseren Gesprächen immer wieder auf eine Frage gestoßen: Was ist die Zukunft des Buches? Eben hatten wir ja auch schon kurz über „Digital versus Print“ gesprochen. Und dieses Thema ist selbstverständlich auch für die Buchbranche ganz existentiell.

Und davon handelt das zweite Buch, das mit Hilfe der Crowd finanziert werden soll?

Schmitz-Kuhl: Ja, aber auch von Amazon, Selfpublishing, enhanced E-Books oder von Social Reading. Also von all den Themen und Herausforderungen, denen sich die Branche derzeit stellen muss. Hierzu führe ich gerade ein Dutzend Gespräche mit Experten und Branchenkennern. Mit dabei sind einige Frankfurter, zum Beispiel Alexander Skipis oder Juergen Boos, aber auch Menschen „von außerhalb“ – wie Sascha Lobo, Nina Hugendubel und Till Weitendorf.

Aber hätte es sich nicht dann wenigstens für dieses Buch angeboten, es digital zu produzieren – wenn es sich schon um die Zukunft des Buches dreht?

Schmitz-Kuhl: Dieses Buch wird auf jeden Fall als E-Book in den unterschiedlichsten Formaten erscheinen. Und zudem als Social Book auf sobooks und auf Plattformen wie Flipintu. Es wird sogar eine BoD-Taschenbuchausgabe geben. Unser Ziel ist, dass dieses Buch die ganze Bandbreite des „Buchs der Zukunft“ aufzeigt – nicht nur in den Gesprächen, sondern auch mit dem Buch als solches. Aber gerade deshalb ist es uns so wichtig, dass es eben auch eine ausgezeichnet gestaltete und hervorragend verarbeitete Printversion dieses Buches geben wird. Denn wir sind überzeugt, dass Print zumindest in dieser Qualitätsnische dauerhaft überleben wird.

Erler: Vielleicht sind es diese zwei Botschaften, die wir mit den beiden Büchern vermitteln wollen. Erstens: Print lebt! Und zweitens: Die Buchstadt Frankfurt lebt auch. Allen Unkenrufen zum Trotz.

www.bookster-frankfurt.de
Die Crowdfunding-Kampagne„BOOKSTER. Buchstadt Frankfurt und die Zukunft des Buches“ läuft zwischen dem 10. Oktober und dem 11. November 2014 unter www.startnext.de/bookster

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.