Das Autorengespräch Tim Erzberg über persönliche Vergangenheitsbewältigung und seine Rolle als Autor

Tim Erzberg ist das Pseudonym des Agenten Thomas Montasser. Mit Hell-Go-Land  (HarperCollins) hat er seinen ersten Thriller vorgelegt, mit dem er auf Anhieb reüssierte. Die HörZu bezeichnete den Roman als beklemmend, fesselnd, atmosphärisch. Die Bunte konstatierte: „Tim Erzberg beschert uns schlaflose Nächte“ – Anlass für BuchMarkt mal ganz genau nachzuhaken, was es mit dem Titel und der Geschichte dahinter auf sich hat..

BuchMarkt: Herr Erzberg, „Hell-Go-Land“ – ein wenig schmeichelhafter Titel für eine der beliebtesten Ausflugsinseln der Deutschen.

Tim Erzberg a.K Thomas Montasser
Tim Erzberg Foto: Martin Hangen

Tim Erzberg: Die Beliebtheit hat leider in den letzten Jahren etwas nachgelassen. Dabei ist die Insel unbedingt eine Reise wert! Sie ist ein Juwel in der Nordsee.

In Ihrem aktuellen Thriller liest es sich eher wie eine Mischung aus Gotham City, Sodom und Gomorra.

Stimmt. Hell-Go-Land spielt im Winter und bei Sturm. Da ist die Insel ein Albtraum, egal wie idyllisch sie in der Saison erscheint. Es ist extrem hart, dort zu leben. Die Nordsee ist nun mal kein Badeteich – und Helgoland liegt verdammt weit draußen. Das wollte ich in meinem Thriller widerspiegeln.

Daher der Titel?

Nein. Der bezieht sich auf die dramatische Geschichte. Helgoland ist im Zweiten Weltkrieg fürchterlich bombardiert worden, anschließend wollten die Briten es buchstäblich vom Planeten sprengen. Und als das nicht klappte, haben sie einen Bombenabwurfplatz daraus gemacht. Der Begriff Hell-Go-Land stammt übrigens von englischen Piloten: das Land, das zur Hölle fahren soll. Das alles hat etwas mit meiner Story zu tun.

Durch Klick auf Cover zum Buch
Durch Klick auf Cover zum Buch

Wenn man dem Klappentext glaubt, haben Sie auch eigene Gewalterfahrungen in dem Buch verarbeitet.

Das war nicht meine Absicht. Aber während der Arbeit an dem Buch habe ich irgendwann festgestellt, dass manches von dem, was ich hier erfunden hatte, sich für mich las wie Erinnerungen an meine eigene Vergangenheit. Es gibt da zum Beispiel eine Gruppe Jugendlicher, die andere tyrannisieren. Plötzlich erkannte ich, dass ich die drei Jungs erschaffen hatte, die mich in der fünften oder sechsten Klasse – damals ging ich auf die Hauptschule – jeden Mittag auf dem Heimweg abpassten, um mich zu verprügeln. Einfach so, weil sie es konnten, weil sie stärker waren.

Das beschäftigt Sie heute noch?

Sagen wir so: Als ich es nun wieder las, wurde mir klar, dass ich es mit diesem Roman verarbeitet hatte.

Inzwischen sind Sie ein erfolgreicher Literaturagent. Hat Sie das beim Schreiben ebenfalls beeinflusst?

Sicher. Wenn man sich Tag für mit Texten auseinandersetzt, wenn man täglich mit Autoren übe Plots und Stil spricht, wenn man um Rat gefragt wird und sich einbringt, dann wäre es schon seltsam, wenn man das beim Schreiben nicht alles im Hinterkopf hätte und immer wieder auch abriefe.

Demnach ist Tim Erzberg ein pflegeleichter Autor für den Agenten Thomas Montasser?

Eher nicht! (lacht) Er mag ja handwerklich das Richtige tun. Aber ich finde es schon interessant, dass sich meine Autorenseite von meiner Agentenseite nicht vorschreiben lassen will, was sie schreibt und wie sie es schreibt.

Der Erfolg scheint dem Autor Erzberg Recht zu geben! Sie ernten viel Lob, werden vom Hamburger Abendblatt bis zur Süddeutschen Zeitung empfohlen, Brigitte und Bunte geben Lesetipps für Hell-Go-Land. Vielleicht sollte der Autor seinen Agenten in die Wüste schicken.

Ich denke, dass beide voneinander profitieren. Tim Erzberg könnte ohne Thomas Montasser nicht so professionell sein. Und der Agent muss stets die Ideen, Motive und Bedürfnisse des Autors aufnehmen, berücksichtigen und nach Kräften fördern. Als Thomas Montasser muss ich Ihnen sagen: Ein Agent ist immer so gut wie seine Autoren. Aber er kann ihnen helfen, immer noch besser zu werden. Als Tim Erzberg kann ich Ihnen versichern: Das hat mein Agent auch getan.

Und die anderen Autoren? Sehen die es nicht mit Argwohn, dass ihr Agent jetzt auch schreibt?

Im Gegenteil. Ich bekomme sehr viel Zuspruch. „Hell-Go-Land“ ist ja nicht mein erstes Buch, nur mein erster Thriller. Die Autoren sehen vor allem, dass ich jedes Problem, jede Sorge, jede Schwierigkeit, auf die man in einem Autorenleben stößt, selbst erfahre und teile und dass ich all das deshalb viel besser nachvollziehen und verstehen kann.

Sie haben mit Anna Krüger eine starke Heldin geschaffen. Wie die Leser des Buchmarkts schon wissen, wurden bereits die Filmrechte an dem Stoff verkauft. Werden wir Anna Krüger also noch in anderen Fällen erleben?

Daran arbeite ich. Zuerst hatten wir, das heißt der Verlag und auch ich, diesen Stoff als ein alleinstehendes Werk gesehen. Aber je länger wir uns damit beschäftigt hatten und je mehr positive Rückmeldungen auf das Buch kamen, umso mehr zog es uns zu einem weiteren Helgoland-Thriller hin. Momentan arbeite ich verschiedene Ideen aus – mal sehen, welcher Stoff als erster zum fertigen Buch wird.

Warum eigentlich musste es ausgerechnet Helgoland sein? Sie sind Münchner..

Interessanterweise fragen mich das alle nur, bevor sie das Buch gelesen haben. Hinterher scheint allen klar zu sein. Also würde ich die Frage gerne unbeantwortet lassen. Vielleicht mögen es ja Ihre Leser selbst herausfinden.

Machen Sie denn jetzt für das Buch das volle Programm – Lesungen, PR-Termine, Autogrammstunden, Messeauftritte etc.?

Zurzeit kann ich mich vor Anfragen und Verpflichtungen kaum retten. Und ich versuche auch, so viel wie möglich zu bedienen. Natürlich war ich zu Hintergrundgesprächen auf der Messe, habe etliche Interviews gegeben, Fotoshootings mitgemacht, private Fotos rausgerückt, halte Lesungen, war auf der Crime Cologne und bin demnächst auf dem Hamburger Krimifestival. Ich finde, Autoren sollten so aktiv wie möglich an der PR für ihre Bücher mitwirken. Der Markt ist schwierig genug, da kann man es nicht dem Zufall überlassen, ob und wie ein Buch wahrgenommen wird.

Wie schaffen Sie das alles? Sie sind Agent, Sie schreiben, Sie haben auch noch Familie…

Fragen Sie nicht. Ich kann es Ihnen nicht sagen. Es gibt eine schöne Szene in dem Film Shakespeare in Love . Da gehen die Proben schief und vor der Premiere eines Stücks herrscht das totale Chaos. Hinter der Bühne ist der Theaterbesitzer völlig mit den Nerven runter und behauptet: „Das wird eine Katastrophe.“ Darauf der Regisseur völlig entspannt: „Keine Sorge, alles wird gut gehen.“ – „Wie soll das bitte gut gehen?“ – Keine Ahnung. Es ist ein Wunder!“

 

Kommentare (1)
  1. Moin Herr Erzberg ,
    tolles Buch . Allein der Titel war ein MUSS für mich . Und nun hätte ich als Cuxhavener Gastronom mit 3 Gastronomien am Wasser und Hafen , einer kultigen Location namens Sturmflut und einem eigenen Schnaps der Sturmflut heißt , eine Anfrage. Ihr Buch wie Titel hat mich so begeistert , dass ich es gerne bei mir mit verkaufen würde.
    Mit über 200.000 Gästen aus allen Teilen Deutschlands ist das definitiv spannend. Über einen baldigen Kontakt freue ich mich

    Übrigens ; Buchvorlesungen und viele andere kulturelle Themen finden bei uns immer großen Anklang.

    Grüße von der Küste
    Jan Fitter aus Cuxhaven

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.