Das Sonntagsgespräch Klaus Schikowski: „Dem Comic steht eine spannende Entwicklung bevor“

Am Freitag wurden in Hamburg mit rd.200 Gästen Fünfzig Jahre Comics bei Carlsen“ gefeiert. Das war Anlass für das heutige Sonntagsgespräch mit Klaus Schikowski, dem  Programmleiter für Comic uns Graphic Novels bei Carlsen –  über die vergangenen 50 Jahre und auch darüber, welche Rolle Comics heute im Buchhandel spielen.

Sie haben ordentlich gefeiert, wie ich höre?

Klaus Schikowski: Nach erfolgreichen und bewegten fünfzig Jahren darf man sich ruhig auch mal feiern lassen. Schließlich zählt Carlsen Comics zu den Comicinstitutionen in Deutschland.

Klaus Schikowsk ist Carlsen-Programmleiter für Comic uns Graphic Novels: „Der Comic wird verändern – aber dadurch können auch wieder neue Zielgruppen angesprochen werden“

 

Mir fällt dabei auf Anhieb  Tim und Stuppi ein…

… ja, Carlsen Comics hat es geschafft, damit den Comic im Buchhandel zu platzieren und zu etablieren. Als 1967 die ersten Tim und Struppi-Softcoveralben bei Carlsen erschienen, nannte man sie noch Tim-Bücher, da man den Begriff Comic im Buchhandel vermeiden wollte. Mit der Zeit wurden die Carlsen-Softcover jedoch zur eigenen Marke und zum festen Inventar in Buchhandlungen.

Wie sieht denn die Akzeptanz im Markt aus?

Heutzutage teilt sich der Markt auf: Auf der einen Seite haben wir den Fachmarkt, also die Comicläden, und auf der anderen Seite den stationären Buchhandel. Beide Vertriebswege sind uns wichtig, weil wir Comicliebhaber und -sammler eher in den Comicläden abholen, aber im stationären Buchhandel auf ein breiteres Publikum stoßen, die nur ab und zu mit Comics zu tun haben, aber neugierig sind.

Was tun Sie, um diese Neugierde zu schüren?

Um wieder die ganze Bandbreite des Programms zu zeigen, haben wir die Tradition des Carlsen-Magazins wiederaufleben lassen und einen 96-seitigen Katalog zum Jubiläum produziert, in dem alle Serien vorgestellt werden. Dieser Katalog ist im gut sortierten Buch- und Fachhandel erhältlich.

Das Ansehen von Comics hat sich geändert

… ja, und auch die Segmentierung ist vielfältiger geworden. Während früher das Credo war, Comics für Leser zwischen 7 und 77 Jahren zu machen, wie es in Tim und Struppi immer so schön hieß, gibt es heutzutage für jede Zielgruppe etwas: Kindercomics, Manga für junge Mädchen, Graphic Novels für ein erwachsenes Publikum und vieles mehr.

Das schlägt sich in Ihrem aktuellen Programm sictbar nieder

… wieder kann ich mit Ja antworten. Mit unserem Jubiläumsprogramm wollten wir die Tradition abbilden, die sich in der langen Geschichte von Carlsen Comics gebildet hat. Es gibt Sammler- und Liebhaberausgaben wie die Gesamtausgabe der Serie Blacksad und erstmals auch eine 24-bändige Tim und Struppi-Gesamtausgabe, Hardcover im hochwertigen Schuber. Und mit unserer Reihe Two-In-One präsentieren wir fünf unserer beliebtesten Serie zum günstigen Probierpreis. Aber es gibt im Programm auch viele Bände, die die Moderne abdecken: So ist mit Die Abenteuer von John Blake eine exklusiv als Graphic Novel geschriebene Geschichte von Philip Pullmann (Der Goldene Kompass) dabei und mit der biografischen Graphic Novel Nick Cave – Mercy On Me von Reinhard Kleist werden wir im September eine der wichtigsten deutschsprachigen Neuerscheinungen des Jahres veröffentlichen.

Das macht mich jetzt neugierig.

Wir freuen uns natürlich besonders, dass unsere Graphic Novel-Neuerscheinungen in diesem Jahr so gut angenommen wurden: Die Leichtigkeit von Catherine Meurisse, die berührende Geschichte der Charlie Hebdo-Zeichnerin nach dem fürchterlichen Anschlag – und Der Nasse Fisch, Arne Jyschs großartige Adaption der berühmten, in der Weimarer Republik spielenden Krimireihe von Volker Kutscher, sind nun schon beide in der vierten Auflage. Das zeigt, dass das Interesse an starken Erzählungen nach wie vor sehr hoch ist.

Ihre Prognose für die nächsten Jahre?

Dem Comic steht eine spannende Entwicklung bevor, denn ihm stehen alle Einflüsse aus den Bereichen, Grafik, Illustration und Design offen, die er integrieren. Das bedeutet aber auch, dass sich der Comic verändern wird – aber genau dadurch können auch wieder neue Zielgruppen angesprochen werden.

Klaus Schikowski (*1966) ist seit 2014 Programmleiter für Comic uns Graphic Novels beim Carlsen Verlag. Er ist auch der Autor des Buches Der Comic (Reclam). Die Fragen stellte Christian von Zittwitz

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.