Alexander Skipis über den Deutschen Sachbuchpreis, der 2020 erstmals vergeben wird „Der Preis birgt eine riesige Chance für Buchhandlungen“

Alexander Skipis

Im Juni 2020 zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zum ersten Mal das Sachbuch des Jahres aus. Ab 23. September können Verlage Titel für den Deutschen Sachbuchpreis einreichen. Wir sprachen dazu mit Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis:

BuchMarkt: Der Deutsche Sachbuchpreis zeichnet Sachbücher aus, die Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung geben. Was bedeutet das genau? Welche Titel können Verlage einreichen?

Alexander Skipis: Der Deutsche Sachbuchpreis zeichnet Bücher aus, die einen Beitrag zu aktuellen Debatten leisten oder neue anstoßen können. Damit sind nicht allein politische Bücher gemeint.

Es können Bücher zu Astronomie und Agrarthemen ebenso wie aus der Biologie und Ethnologie bis hin zur Zukunftsforschung sein. Reine Ratgeber fallen nicht darunter, auch wenn man sie weit gefasst als Sachbücher bezeichnen könnte. Entscheidend ist neben der Relevanz des Themas die erzählerische Kraft des Textes, die Art der Darstellung in allgemein verständlicher Sprache sowie die Qualität der Recherche. Die Einschätzung, inwiefern ein Sachbuch diese Kriterien erfüllt, obliegt schlussendlich dem Votum der Jury, die das Buch auch in seiner Zeit einordnet.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat den Deutschen Sachbuchpreis also auch mit einem gesellschaftspolitischen Anspruch initiiert?

Absolut. Die Buchbranche steht seit jeher für die gesellschaftliche Debatte ein und hat den Anspruch, einen Beitrag zum Gelingen einer freien, demokratischen Gesellschaft zu leisten. Dieses Verständnis spiegelt sich im Deutschen Sachbuchpreis wider. Er soll Impulsgeber für Diskurse sein, Räume für Diskussionen öffnen und damit den Meinungsbildungsprozess bereichern. Gleichzeitig rückt er ein Medium in die Öffentlichkeit, das für gesicherte und differenzierte Informationen steht – Kriterium für die Auswahl des Sachbuchs des Jahres ist nicht ohne Grund auch die Qualität der Recherche.
Sachbuchverlage und ihre Autorinnen und Autoren bereiten Informationen verständlich auf, sie leisten fundierte Recherchen, beweisen Mut und Kreativität, neue und abwegige Themen in die Öffentlichkeit zu bringen. Sie wirken als Seismografen gesellschaftlicher Diskurse und tragen entscheidend zu Meinungsvielfalt und Perspektivenreichtum bei. Damit leisten sie einen gewichtigen Beitrag zu einer ausgewogenen und demokratischen Debatte – etwas, was in Zeiten von „fake news“ und alternativen Fakten einmal mehr unabdingbar ist.

Wie können insbesondere Buchhandlungen den Deutschen Sachbuchpreis für sich nutzen?

Der Preis birgt eine riesige Chance für Buchhandlungen: Sie können sich als Dritte Orte positionieren, in denen Debattenkultur gelebt wird und in denen Menschen die Möglichkeit haben, sich über virulente Themen auszutauschen. Deshalb möchten wir Buchhandlungen animieren, den Deutschen Sachbuchpreis aktiv zu nutzen! Denn wer wäre besser geeignet dafür, ein Forum für den gesellschaftlichen Austausch zu bieten, als Buchhandlungen, die mit ihrem Kontakt zu den Menschen in den Stadtteilen und Orten bis in die Kapillaren unserer Gesellschaft wirken. Eine besondere Stärke des Preises sind ja die Themen mit Bezug zur Gegenwart. Denkbar sind Veranstaltungen zu den nominierten Büchern, aber auch Gesprächsrunden zu den Themen mit lokalen Anknüpfungspunkten. Wir werden die Buchhandlungen dafür mit Material und Hilfestellungen versorgen. Darüber hinaus kann die Veröffentlichung der Nominierten am 21. April 2020 für Buchhandlungen natürlich Anlass sein, Sachbücher gezielt zu präsentieren, mit den nominierten Titeln weitere Sachbücher in den Fokus zu rücken und über aktuelle Themen ins Kundengespräch zu kommen.

Das Sachbuch ist derzeit sehr erfolgreich am Buchmarkt, das heißt, es gibt ein gesteigertes Bedürfnis nach Sachinformationen. Insbesondere bei Männern ist dieses Genre beliebt. Der Deutsche Sachbuchpreis verhilft somit nicht nur einem erfolgreichen Genre zu mehr Aufmerksamkeit, sondern spricht auch explizit Zielgruppen an, die in Buchhandlungen eher unterrepräsentiert sind. Der Preis erhöht also zum einen die Sichtbarkeit des Sachbuches in Buchhandlungen, zum anderen stärkt er die Sichtbarkeit von Buchhandlungen selbst.

Was plant der Börsenverein im kommenden Jahr, um dem Anspruch des Preises nach Öffentlichkeit gerecht zu werden?

Von der Bekanntgabe der Nominierten im April bis zur Preisverleihung am 16. Juni 2020 und darüber hinaus sind verschiedene Veranstaltungen und Kommunikationsanlässe zusammen mit unseren Partnern geplant. Neben der Deutsche Bank Stiftung, mit der wir bereits beim Deutschen Buchpreis erfolgreich Formate durchführen, haben wir mit der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss einen wichtigen Partner gewonnen. Ihr Anspruch ist es, Themen international zu spiegeln. Klimawandel, Populismus, alternative Lebens- und Wirtschaftsformen sind längst globale Themen, die wir vernetzt denken müssen. Diesen Gedanken wollen wir auch an die Themen des Deutschen Sachbuchpreises herantragen und Veranstaltungen anbieten, die internationale Perspektiven zulassen. Auch über Medienkooperationen und Social-Media-Aktivitäten wollen wir die nominierten Titel und die darin behandelten Themen in die Öffentlichkeit und ins Gespräch bringen.

Nicht zuletzt lebt der Preis erheblich von seiner Präsenz in den Buchhandlungen. Hier bringen Buchhändlerinnen und Buchhändler die Titel den Menschen nahe, hier entfalten die Themen Resonanz, hier entstehen die Debatten. Der Erfolg des Deutschen Sachbuchpreises bemisst sich schlussendlich daran, ob die Leserinnen und Leser über seine Themen sprechen, sie bestenfalls leidenschaftlich diskutieren.

 

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