Albrecht Götz von Ohlenhusen (80)

Albrecht Götz von Ohlenhusen

Albrecht Götz von Ohlenhusen wird heute 80 Jahre alt. Ihm gratuliert sein Freund und Verleger Peter Haag:

Als junger Verleger kapierte ich schnell, dass es längst nicht damit getan war, das richtige Buch aufzuspüren, sondern dass der eigentliche Segen für eine erfolgreiche Publikation vor allem in den korrekten vertraglichen Belangen zu finden ist. So kam es, dass ich zu einer Zeit, als Deutschland noch geteilt war, in die beiden Hälften Nord und Süd, für meinen neugegründeten Verlag rechtlichen Beistand suchte.

Nun stellte sich heraus, dass beide Hälften von je einem mächtigen Urheberrechts-Fürsten dominiert wurden: Der Nordfürst sass in Hamburg, der Südfürst residierte in Freiburg im Breisgau. Beide trafen sich – als Kontrahenten mit gegenseitigem Respekt – regelmässig vor Gericht und lieferten sich dort aufsehenerregende Showdowns in spektakulären Urheberrechtsprozessen.

Auffällig war allerdings, dass der Südfürst, weil noch eine Spur abgefeimter, nie einen Prozess verlor. Aus dem südlichen Teil des Sprachgebietes stammend, richtete ich deshalb mein Begehren an den mächtigen Südfürsten und adressierte meine Depesche mit dem hochwohlgeborenen Namen Herrn Rechtsanwalt Prof. Dr. Albrecht Götz von Olenhusen. Worauf ich umgehend zur Audienz in die fürstliche Kanzlei nach Freiburg geladen wurde. Der Urheberrechtsfürst fackelte nicht lange, bot mir sofort den Albrecht an und führte mich gleich mal durch seine unermessliche und einzigartige Sammlung von Raubdrucken. Mir war sofort klar, dass ich hier nicht bei einem obrigkeitsgläubigen Rechtsdiener zu Gast war, sondern bei einem Vollblutjuristen, für den das Gesetz eine Art Vorschlag oder Empfehlung darstellte, alles andere war Auslegung.
Wann immer ich seinen Namen als meinen Rechtsvertreter angab, kam darauf prompt wie kleinlaut: „Muss das sein?“

Von da an durchlebten wir manchen gemeinsamen Prozess, bei dem ich nach stundenlangen Verhandlungen und Urteilsverkündungen jeweils nachfragen musste, ob wir denn eigentlich gewonnen oder verloren hätten. Die Antwort war stets die gleiche, so dass ich mir mit der Zeit diese Frage schenken konnte. Bei unserem internationalen Bestseller „Kunst aufräumen“ etwa bestand sein rechtlicher Dreh darin, weltberühmte Künstler wie Picasso, Miro, Schiele, Magritte, Klee und etliche andere, beziehungsweise deren Erben, davon zu überzeugen, dass ihre Werke höchst unaufgeräumt daherkamen und förmlich danach schrien, von einem peniblen Schweizer zurechtgerückt zu werden. Für Albrecht, mit allen Wassern seiner Kunst gewaschen, ein Leichtes.

Trotz dieser verlässlichen Triumphzüge blieb Albrecht noch Zeit für 713 Publikationen (Stand allerdings: 30.5.2014): darunter „Entwicklung und Stand der Raubdruckbewegung“ (1971), „Old Shatterhand unter Gangstern“ (2005) oder „Die Nachdruckprivilegienpraxis Württembergs im 19. Jahrhundert und ihre Bedeutung für das Urheberrecht im Deutschen Bund“ (2007). Und ausgenommen journalistische Veröffentlichungen seit 1958, Besprechungen vor 1964 von historischen und zeitgeschichtlichen Werken, Rundfunk- und TV-Beiträge, Artikel aus kommunal- und medienpolitischer Tätigkeit oder jene als Ghostwriter verfasste.

Angesichts dieser Latte an Grosstaten dürfte jetzt, insbesondere im Interesse Deiner Gegner, ruhig mal ein kleines bisschen Ruhe einkehren – und gehörig gefeiert werden: Meinen allerherzlichsten Glückwunsch zu Deinem 80. Geburtstag, lieber Albrecht! (Und bitte vergiss nicht, mir nach Deinem Jubeltag am 8. November 2015 Deine aktualisierte Publikationsliste zukommen zu lassen.)

Dein Peter.

Wer auch gratulieren möchte: ra.goetz.von.olenhusen@t-online.de

Möchten auch Sie Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Verlegers oder Teams an: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Jubiläum}

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