Manfred Bissinger (70)

Manfred Bissinger

Manfred Bissinger wird heute 70.

Der Hamburger Journalist hat dem Kress Report aus diesem Anlass ein Interview gegeben und darin den Satz gesagt, der viel über ihn verrät: “Wer im Mainstream schwimmt, kann wenig falsch machen. Die Konkurrenz ist so scharf geworden, dass keiner mehr freiwillig den Kopf rausstreckt.”

Mainstream, das war nie sein Ding. Risiken ist er nicht aus dem Weg gegangen – das beste Beispiel dafür war die großartige Zeitschrift DIE WOCHE, die er für und mit seinem Verleger Thomas Ganske vergeblich zu etablieren versucht hat und bei dessen Hoffmann & Campe Verlag er bis zum Ende dieses Monats noch Geschäftsführer ist.

Mit ihm geht ein journalistisches Urgestein, der sich immer wieder neuen Aufgaben gestellt hat – und ein brillanter Netzwerker. Seine wohl formulierten Briefe mit der schwungvollen Unterschrift sind legendär. Auf Menschen zuzugehen, sie für sich einzunehmen und den Kontakt (wenn nützlich) über Jahrzehnte zu pflegen, das konnten und können nur wenige wie Manfred Bissinger.

Überdies mit einer feinen journalistischen Nase ausgestattet und furchtlos, wenn es um die Sache geht, hat er mit zurückhaltendem Auftreten und bestens getarnter Härte einen großartigen Karriereweg beschritten. Mit Talent, Charme und Können wurde er Freund und Weggenosse vieler Künstler, Prominenter und Wirtschaftsführer. Zu seinen Freunden kann er Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ebenso zählen wie Nobelpreisträger Günter Grass, die beide gewiss in vielen Dingen gegenteiliger Meinung sein dürften. Auf seinen Geburtstagen preisen ihn gern so unterschiedliche Temperamente wie Ex-Wirtschaftsminister Werner Müller als auch Filmfestival-Boss Dieter Kosslik und Schriftsteller Roger Willemsen.

Grundstein des erfolgreichen Journalistenlebens von Manfred Bissinger ist der Abschluss der mittleren Reife und der Höheren Handelsschule. Ein Volontariat bei der „Vieh- und Fleischwirtschaft“ und einer Tageszeitung sowie eine Hospitanz bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Hamburg. Es folgten Jobs als Redakteur im Europa-Dienst der Agentur, als Regieassis-tent bei Fernsehproduktionen und ein Reportereinsatz beim Fernsehmagazin Panorama.

Als Karrierebeschleuniger erwies sich sein Engagement 1967 als Leserbriefredakteur beim „Stern“. Von dessen Gründer und Chef Henri Nannen gefördert, wurde er Reporter, Chef des Politik-Ressorts, Chef vom Dienst und 1975 Stellvertretender Chefredakteur. Die STERN-Karriere endete im Konflikt wegen eines Wirt-schaftsartikels („…und morgen die ganze Welt“), den Bissinger ins Blatt genommen hatte und für den er die Verantwortung übernahm. Die Story brandmarkte Steuerflüchtlinge und Aus-landskapitalanleger, darunter den einstigen Stern-Teilhaber Richard Gruner und Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn, der am Stern-Verlag Gruner + Jahr beteiligt war. Bissinger musste Anfang 1978 gehen. Er wurde Pressesprecher von Hamburgs Erstem Bürgermeister Ulrich Klose bis zu dessen Rücktritt 1981. Danach heuerte Manfred Bissinger als Chefredakteur der Zeit-schrift „konkret“ an, schied aber 1984 wieder aus und arbeitete eine Weile als freier Autor. Ein Jahr später wurde er Chefredakteur der Zeitschrift „natur“.

1989 engagierte ihn Thomas Ganske als Chefredakteur von Merian. 1991 übernahm er bis 1993 zusätzlich das Amt des Generalsekretärs des PEN Zentrum Deutschland, der Vereinigung von Autoren und Schriftstellern. 1992 wurde er Herausgeber von Merian und bereitete die Gründung der 1993 von Thomas Ganske gestarteten neuen Zeitung „Die Woche“ vor, der er als Geschäftsführer, Herausgeber und Chefredakteur vorstand, bis zur Einstellung des Blattes 2002. Er wechselte als Geschäftsführer des auf Firmenpublikationen spezialisierten Unternehmens Hoffmann und Campe Corporate Publishing. Dort wirkt er noch bis Ende Oktober dieses Jahres und dient dann der Ganske Verlagsgruppe (u.a. Hoffmann und Campe, Gräfe und Unzer und Jahrezeiten Verlag) als Berater. Als Publizist griff Manfred Bissinger immer wieder als Herausgeber von Debatten-Büchern in den öffentlichen Diskurs ein.

Kontakt: manfred.bissinger@hoca.de

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