Thomas Gruß (65)

Thomas Gruß

Thomas Gruß wird heute 65 Jahre alt. Rowohlt-Geschäftsführer Lutz Kettmann gratuliert dem Chef des HGV-Kundenservices zum runden Geburtstag:

Die Historiker haben ihre festen Bezugspunkte. Und für jemanden, der an einem 4. Juli das Licht der Welt erblickte, liegt der Bezug auf die Proklamation der modernen Staatstheorie des Jahres 1776 nahe. Für den in Hamburg aufgewachsenen soll neben dem Geburtstag das Geburtsjahr 1947 von Bedeutung sein: In diesem Jahr erschien Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ – bei Rowohlt wird das Gesamtwerk 2008 , im 100sten Rowohlt-Jahr, um bisher unveröffentlichte Texte aus dem Nachlass in einer erweiterten Neuausgabe verlegt werden.

Beinahe 20 Jahre und damit den größten Teil seines Berufslebens verbrachte Thomas Gruß in Reinbek – ein Glücksfall für den Verlag! Glücksfall deshalb, weil sich hier geradezu exemplarisch zeigt, dass die Erfahrung der sortimenterischen Praxis die beste Gewähr dafür ist, dass die Bedürfnisse des verbreitenden Buchhandels im Verlag gebührend gehört werden. Sortimentspraxis, dies führt zurück zu den Anfängen: Thomas Gruß begann seine buchhändlerische Laufbahn am 1. November 1970 in einer der feinsten und renommiertesten Buchhandlungen Deutschlands, bei Boysen und Maasch, Fachbuchhandlung für Technik und Naturwissenschaft – zunächst noch am alten Standort in der Poststraße, bald darauf im Herzen der Hamburger Innenstadt, Hermannstrasse 31, geleitet von Martin Maasch und dessen Schwiegersohn Klaus Göppert, der Journalist , nicht Buchhändler war. Die 1. Sortimenterin dieser Fachbuchhandlung hieß 1973 Susanne Beutin.

Zuständig für das Firmenkundengeschäft mit Zeitschriften, war Thomas Gruß wesentlich am Auf- und Ausbau und damit am Erfolg dieser Buchhandlung beteiligt. Als 1979 das Angebot von Gerhard Kurtze kam, die Leitung des Zeitschriften-Exports beim Grossohaus Wegner zu übernehmen, vollzog sich ein folgerichtiger Karriereschritt .Wichtig: die Verbindung zu Boysen und Maasch riss – wie wir sehen werden – dennoch nicht ab.

Denn als sich das Jahr 1983 dem Ende zuneigt, passiert zweierlei: Privat begann ein neuer Zeitabschnitt – aus Susanne Beutin wurde Susanne Gruß. Und, so im sicheren Beziehungshafen angekommen, ging es auf zu neuen Ufern: Mit Beginn des Jahres 1984 sehen wir Thomas Gruß bei Rowohlt als Leiter des Bereichs Auftragsannahme und Auftragsbearbeitung.

Diese Rowohlt-Zeit sollte beinahe 20 Jahre andauern. Aus dem ebenso korrekt wie sachlich-nüchtern bezeichneten Aufgabenbereich entwickelte sich innerhalb weniger Jahre eine Abteilung, die zunehmend von der Bewältigung komplexer EDV- und Logistik-Aufgaben geprägt war. Diesen Bereich den wachsenden Anforderungen des Handels folgend energisch und konsequent ausgebaut zu haben, ist das Verdienst von Thomas Gruß, den man ohne Übertreibung als einen der versiertesten, wenn nicht den versiertesten Auslieferungs- und Logistikexperten unserer Branche auf Verlagsseite bezeichnen darf. Auf eine schnelle und präzise Auslieferung wurde bei Rowohlt traditionell Wert gelegt, Kundenorientierung stand im Mittelpunkt, unter ihm entwickelte sich der Service für die Verlagskunden auf ein hohes Niveau.

Wenn der Rowohlt Verlag in den jährlichen Rankings von BuchMarkt zum „Verlag des Jahres“ stets vordere Plätze belegte, so war dies zuvörderst dem gleichermaßen anspruchsvollen wie verkäuflichen Verlagsprogramm geschuldet, zu einem nicht geringen Teil aber dem hervorragenden Auslieferungsservice, so dass der „Verlag des Jahres“ auch immer der „Auslieferungsleiter des Jahres“, eben Thomas Gruß, war. Dass der Rowohlt Verlag am 1. Juli 1990 mit Beginn der euphemistisch als „Währungs- , Wirtschafts- und Sozialunion“ bezeichneten DM-Einführung mit seinen Büchern und Taschenbüchern in den neuen Bundesländern flächendeckend vertreten war, stellte eine große logistische Leistung dar und ist wiederum das Verdienst von Thomas Gruß.

Als gelernter Sortimentsbuchhändler, zudem von angenehm norddeutsch-ruhiger Wesensart, vertiefte er die frisch geknüpften Kontakte zu den neuen Kunden des Verlags, gab Rat und half, sich in der neuen unbekannten Marktwirtschaft zurechtzufinden. Jahre später bündelten die Publikumsverlage der Holtzbrinck-Verlagsgruppe ihre Auslieferungsaktivitäten bei Sigloch in Blaufelden und die Frage nach einem verlagsübergreifenden Kundenservice wurde aktuell: So wechselte Thomas Gruß nach beinahe 20 Rowohlt-Jahren zusammen mit einer Reihe bewährter Mitarbeiterinnen zur HGV (Hanseatische Gesellschaft für Verlagsservice).

Heute, neun Jahre später und nach einem stürmischen Wachstum der von der HGV betreuten Verlage, dirigiert er als Leiter des Kundenservice in der Alstercity einen Unternehmensbereich, der weiterhin kräftig wächst, zugleich den wachsenden Anforderungen seiner Kunden stets gerecht wird. Eines bleibt nachzutragen und ohne diesen Nachtrag wäre seine Vita unvollständig: das ehrenamtliche Engagement neben seinem gewiss anstrengenden Hauptberuf: Als Beisitzer im Vorstand des Norddeutschen Verleger- und Buchhändler-Verbands, als Schatzmeister im Landesverband, als Vorsitzender des Landesverbands Nord und – aktuell – als Mitglied im Bundesvorstand des Börsenvereins.

Zwei Seiten einer Medaille, hier der erfolgreiche Verlagsmann und Logistik-Experte, dort das Ehrenamt, aber eine Wurzel: Die Kolleginnen und Kollegen im Sortiment kennen und schätzen ihn – so kann es nicht ausbleiben, dass jemand wie er auch als Interessenvertreter und Repräsentant im Ehrenamt gewünscht wird. Hohe Fachkompetenz, persönliche Bescheidenheit, hamburgisches Understatement, hamburgisches Faible für den HSV, Kollegialität, Verständnis für die Sorgen und Nöte seiner Kunden, das ist es, was Thomas Gruß auszeichnet.

Nun der 65. Geburtstag, herzlichen Glückwunsch, lieber Thomas! Wenige Monate verbleiben noch, dann heißt es, Abschied nehmen, Abschied vom geliebten Beruf, Abschied auch vom Ehrenamt. Es war ein langer Weg von der Hermannstraße in Hamburg, von Boysen & Maasch, Mitte der siebziger Jahre bis zur HGV.

Der Verfasser dieser Zeilen kann sich rühmen, eine nicht unbeträchtliche Zeitspanne mit Dirzusammengearbeitet zu haben, das waren gute Zeiten. Und vielleicht ist es daher auch kein Zufall, dass ich Dir zum Jahresende in den Ruhestand nachfolgen werde.

Für den heutigen 65. Geburtstag aber gilt, was auch schon zum 60sten geschrieben wurde:
Bleib, wie Du bist, lieber Thomas!

Kontakt: thomas.gruss@hgv-online.de

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