Lothar Menne (70)

Lothar Menne

Lothar Menne wird heute 70 Jahre alt. Er war Reporter bei der Zeitschrift Konkret, Lektor bei S. Fischer, Programmchef bei Heyne, Cheflektor, Verlagsleiter und verlegerischer Geschäftsführer bei Hoffmann und Campe, Ullstein-Verleger, Berater bei Weltbild, mit einem Verlagsbüro in Berlin selbständig und persönlicher Berater von Stefan Lübbe. Und wurde in seiner Zeit bei HoCa von BuchMarkt zum “Verleger des Jahres” gekürt. Das war 1996, als er wie kein anderer Kollege mit seinem Programm die Bestsellerlisten anführte. Auch aktuell bleibt er, wie er selbst sagt, im “Hamsterrad” und bereitet neue Verlagsprojekte vor. Jetzt gratulieren ihm einige seiner “Verleger des Jahres“-KollegInnen zum runden Geburtstag:

Gut, daß es Lothar, den Einzigartigen, gibt – sonst müssten wir ihn erfinden, dafür reicht meine Phantasie nicht aus. Besser noch, daß er mittlerweile gereift ist, beinahe abgeklärte Weisheit mit alter Spontaneität verbindet. Am allerbesten, daß wir Gelegenheit haben, den großen Netzwerker und Völkerverständiger heute zu bejubeln – alles Gute, machs gut, besser, am allerbesten, Lothar, Mensch, Kollege, Freund, altes Haus!
Hans-Peter Übleis, Verleger des Jahres 2013

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Lothar, der gute Geist
Lothar, der Türöffner
Lothar, der Zuhörer
Lothar, der Förderer
Lothar, der Behalter
Lothar, der Charmeur
Lothar, der Taktiker
Lothar, der Verantwortungsbewusste
Lothar, der aufrechte Linke
Lothar, der Mainstreamer
Lothar, der Vorkämpfer
Lothar, der Sammler
Lothar, der Interessierte
Lothar, der Leichtfüßige
Lothar, der Jongleur
Lothar, der Abgeklärte
Lothar, der Abgetauchte
Lothar, der Unermüdliche
Lothar, der Mutige
Lothar, der Coole
Lothar, der Freund

Lieber Lothar, zu Deinem Siebzigsten von Herzen alles Gute,
Uli
Ulrich Genzler, Verleger des Jahres 2010

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Sie waren, lieber Herr Menne, als ich 1974 zu S. Fischer kam, ein Mittelpunkt des Lektoratslebens. Immer in Bewegung, äußerst aufmerksam, gut gelaunt und schlagfertig, hielten Sie viele Fäden in der Hand. Der große Erfolg damals von Emile Ajar ist Ihnen zu verdanken.

Ihre Monika Schoeller
Monika Schoeller, Verlegerin des Jahres 2008

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Lothar Menne ist so etwas wie ein Eckpfeiler der Branche, eine Art Legende, sagte man mir beim Eintritt in die Verlagswelt, eine, an der man nicht vorbeikommt.

Für einen Pfeiler ist Lothar aber zu weich, auch ist nicht viel Platz, wenn man sich zum Beispiel in einem Türrahmen an ihm vorbeidrücken wollte. Will man aber auch gar nicht, denn so selbstlos demontiert sich kein Anderer um eine Frau zu unterhalten, gerne alle nebenstehenden dazu.

Lothar, mein Pfeiler, lass Dich zum Geburtstag umarmen – geht schon!
Deine Claudia
Claudia Baumhöver, Verlegerin des Jahres 2007

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Lieber Lothar Menne,

vor kurzem sah ich Dich in Berlin mit dichtem Fidel Castro-Bartbewuchs. Da dachte ich: Der Kreis schließt sich – früh radikal, spät radikal.

Dazwischen viele, viele Bücher, nicht alle radikal, aber viele erfolgreich.
Glückwunsch zum Geburtstag!

Dein Helge
Helge Malchow, Verleger des Jahres 2005

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Lieber Lothar, was haben wir gemeinsam?

Unseren Hang zu Plastiktüten, die viele Inhalte geduldig hüten – als da sind: Steuerunterlagen, Geburtstagsbriefe, Einkaufslisten, Grabstättenverlängerung, Rechnungen und was es sonst noch Wichtiges gibt in unserer Welt, Manuskripte inbegriffen.

Bei mir haben die Tüten nach Verlagsabschied ein neues Plätzchen gefunden – unterm Schreibtisch zu Hause. Und wie sieht es bei Dir aus? Es wäre ja eine Überlegung wert, die Plastiktüten mit 70 endgültig in die Wüste zu schicken (unsere Konsumgesellschaft macht das schon lange). Ich hab’s verpaßt, Du hast die Zukunft noch vor Dir! Nutze alle guten Möglichkeiten, das wünscht Dir

Monika Thaler
Monika Thaler, Verlegerin des Jahres 2002

PS: Mein lieber Mann Gert Frederking fand meine Tüten immer beschämend und ist nun völlig sprachlos, dass auch Du dieser Unsitte verfallen warst (bist). Er hat Dich immer für einen gebildeten, gewitzten, kreativen Geistesmenschen gehalten und möchte auch daran festhalten. Wenn er sich von seinem Schock erholt hat, wird er Dir persönlich gratulieren!

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L ÄSSIGKEIT
O RIGINALITÄT
T OLERANZ
H EITERKEIT
A CTION
R ESILIENZ

M EINUNGSFREUDE
E NERGIE
N ATÜRLICHKEIT
N EUGIER
E RZÄHLTALENT

Es ist immer eine große Freude, diesem Mann mit Eigenschaften zu begegnen.
Lieber Lothar, alles Gute zum Siebzigsten.

Herzlich, Dein Wolfgang
Wolfgang Balk (dtv), Verleger des Jahres 2000

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Lothar, du wirst 70, Glückwunsch. und was mir spontan zu dir einfällt: Citoyen, Freund Jerusalems und Freund Amerikas, Londoner, Frankophiler, Sozialist, Kapitalist, Polyglotter, Gourmand, Embonpoint, Leberwurst, Schlitzohr, Publisher und Authorhunter, Liebhaber, Herzensfreund, Charmebolzen, Existenzialist, Lebenskünstler, Savoir-vivre, viel Ingrid, Waldorfschüler, Humanist, a Meensch!

Viktor
Viktor Niemann, Verleger des Jahres 1998

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Weißt Du noch (Marcuse, Jerusalem, München, Frankfurt etc.)? Wenn nicht, ruf mal an!

Michel, der herzlich zum Geburtstag gratuliert.
Michael Krüger, Verleger des Jahres 1995

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Und weil im Fernsehen auch alles wiederholt wird, hier noch einmal das Profil, das Droemer Knaur-Geschäftsführer Hans-Peter Übleis zu Lothar Mennes 65stem Geburtstag geschrieben hatte:

Lothar Menne ist die Netrebko der Branche

Lotharotti

Ein Niederschlag jagt den anderen – 2009 ist ein Feuchtgebietsjahr, aber auch Joseph Haydn- und Edgar Allan Poe-Jahr, insbesondere ist es (schon wieder) ein Menne-Jahr.

Lothar Menne als Anna Netrebko der Bücherwelt? Quasi unser Lotharotti? Auch wenn der körperliche Augenschein mit oder ohne Opernglas diese These in erkennbar wesentlichen Punkten Lügen strafen mag, so sei hier doch erdrückendes Beweismaterial zusammen getragen:

Jeder will sie haben – aber man muss sich Superstars und Diven vom Range Netrebko und Menne auch leisten können. Wo sie auftreten, sind Festspiele, er ist wie sie in den schwierigsten Partien zu Hause, sein Repertoire versöhnt das ernste mit dem heiteren Fach, er leistet Wunderdinge mit seiner Stimme, beschwört, flüstert, lacht und überzeugt in jeder Tonlage und in allen bekannten Sprachen.

Keiner seiner Intendanten – weder Monika Schoeller noch Thomas Ganske bei zwei Versuchen, nicht Rolf Heyne (ebenfalls zwei Versuche), Christian Strasser, Carel Halff noch wahrscheinlich Stefan Lübbe – konnten ihn, den Vielgeliebten und Umschwärmten, nach einem seiner Gastspiele dauerhaft seinem Ensemble einverleiben: Lotharotti zog es wieder fort, denn eine Diva fordert nie, will aber stets aufs Neue und immer wieder gebeten werden.

Keiner hat je einen Misston von ihm gehört, keinen Auftritt vor Höchstpreise zahlendem Publikum hat er, der fliegende Rheinländer, je abgesagt – und nach den wundervollsten Soloarien und zauberhaften Liebesduetten, nach dem schönsten und ergreifendsten Tod auf offener Bühne stand er am Ende der Galavorstellung strahlend vor dem Vorhang und nahm den wohlverdienten und begeisterten Applaus des hin- und hergerissenen Publikums von den Logen wie auch von den billigen Plätzen dankbar entgegen.

Neben dieser gewichtigen Bühnenpräsenz verblassen andere leicht zu Statisten und Stichwortgebern, aber unser Heldentenor fördert auch großzügig und gerne aufstrebende Talente. Wer jemals mit ihm im Duett singen durfte – oder gegen in ansingen musste – weiß, wie sehr dies die eigene Stimme zu Spitzentönen anspornt. Daher muss die Kehle natürlich regelmäßig geölt werden, sie und die Lungen sind die empfindlichsten Körperteile in unserem Hochleistungsberuf (nein, nicht mehr die Leber, diese wuchs ohnedies mit ihren – mittlerweile reduzierten – Aufgaben).

Von keinem Regisseur oder Souffleuse ließ Lotharotti sich je dazwischen funken, längst ist er als lebende Legende über die frühen Lieblingsrollen des Parsifal ( = der reine Tor), des Rosenkavaliers, der gerne zur Arie der Königin der Nacht auf der Zauberflöte spielte, gereift zum Freischütz (ja, er kann nicht nur mit Engelszungen sprechen, sondern verbündet sich im Notfall auch mit dem Satan, um ans Ziel zu gelangen), dessen treffsichere Auftritte den kapitalsten Autorenbock zur Strecke bringen. Siegfried kann Lothar nicht sein, da Ingrid keine Walküre ist, aber als Tristan und Isolde verkörpern die beiden das Traumpaar, von keiner Götterdämmerung getrübt.

Auf allen Brettern, die die Bücherwelt bedeuten, ist er zu Hause, spielt großes Theater vor ausverkauftem Haus in New York, London, Paris, Zürich, Jerusalem, Hamburg und München. Am liebsten studiert der mit allen Wassern gewaschene Wassermann seine verschiedenen Rollen (Wer bin ich gerade, und wenn ja, wie viele?) in Berlin, auf Sylt oder im Flugzeug ein, harmonisch über den Dingen und den Wolken schwebend, den Chor der Gefangenen in Bergisch Gladbach weit unter sich lassend.

Aber es gibt auch gravierende Unterschiede zwischen La Netrebko und Le Menne: Sie ist nach ihrer Schwangerschaft wieder leidlich schlank und rank, Schokofreund Lotharotti hat noch einige Akte der Kasteiung und Selbstüberwindung vor sich. Annas Partner ist Schrott aus Uruguay, Lothars Partnerin Ingrid hingegen eine Perle aus Berlin, die ihresgleichen sucht (und gefunden hat).

Den mächtigen Chor seiner Feinde (Controller, Hersteller, Langweiler, Perfektionisten, Schreibtischtäter, Routinisten, Deadlinefetischisten, Ordnungsfanatiker, Kleinkarierte & Großkotze etc.) überhört und ignoriert er mit souveräner und bewundernswerter Gelassenheit und enteilt ihnen mit fliegenden Schritten, um in den Armen seiner zahllosen Freunde – Autoren, Agenten, Kreative aller Art, Kollegen, Taxifahrer, Kellner, Buchmesseveranstalter, Reisebüros, Journalisten, Mitraucher, Mitesser und -trinker ( bevorzugt Jack Daniels, Bombay Saphire) – gemeinsam die Ode an die Freude anzustimmen.

Voll Dankbarkeit stimmt das Starensemble der Autoren, denen er als Solist oder im Duett/Terzett zu mehr Geld und noch mehr Ruhm verhalf, dem beinahe allerersten vom BuchMarkt erwählten Verleger des Jahres (nur Michael Krüger, auch er ein Gesamtkunstwerk und Primadonna assoluta, hatte noch früher „hier!“ gerufen) ihr Loblied an: Hannibal Lecter singt sein grausig Lied, es zwitschert die liebliche Amelie friedlich, fröhlich trällert der bunte Vogel Karasek, es thrillert der Grisham, unheimlich raunt Stephen King vom Friedhof der Kuscheltiere, Douglas Adams lässt Sphärenmusik erschallen, der Siegfried Lenz ist auch da, der sonore Wickert brummt und alle anderen hauen tausendfach auf die Pauke zum Finale.

Ach ja, warum ist eigentlich Lothar-Jahr?

Kalender lügen leider nicht: Er hat am 18. Februar schon wieder Geburtstag, irgendwie einen halbrunden. Aber mal ausnahmsweise ganz im Ernst: Würden Sie die Netrebko je nach ihrem Alter fragen?

Vorhang, Beifall, Bravissimo – wir freuen uns auf viele weitere Galas, Premieren, Neuinszenierungen, Fest- und Gastspiele und auf Lothar’sche Arien jeder Art.

Hans-Peter Übleis

PS: Was man von der Netrebko nicht lernen kann, wohl aber von Lothar: Jeder Mann braucht eine Muse, die Quadratur des Kreises ist möglich, Harmonie ist fast immer machbar, Freundschaft und Kollegialität sind unverzichtbar, aber schließen Konkurrenz keineswegs aus.Talent hat man oder eben nicht, der wahre Kosmopolit ist überall zu Hause, Drama und Komödie sind die zwei Seiten einer Medaille namens Leben – und das nehme man gefälligst nicht immer ganz so wichtig.

Wer auch gratulieren möchte: lothar@mennemedia.com

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum “Runden Geburtstag” gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage

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