Hans Frieden (60)

Hans Frieden

Hans Frieden wird heute 60 Jahre alt. Libelle-Verleger Ekkehard Faude gratuliert dem Verlagsvertreter zum runden Geburtstag:

Lieber Hans,

was hätten wir wohl gesagt im Jahr, als wir uns kennenlernten (Du schmucke 34), wenn auf dem Display für Künftiges der Satz geblinkt hätte: Glückwunsch zum 60. von Hans Frieden wird fällig? Wahrscheinlich hättest Du mit einem „Item…“ begonnen – das erste von mancherlei Wörtern, die wir von Dir lernten, ein atemholendes Signal für deine Fähigkeit, nachdenkliche Präsenz mit einer zuwartenden Freundlichkeit zu verbinden.

Von Dir sind noch andere Wörter gekommen, die dem Duden ältlich vorkamen; z. B. „Mutation“ und „verknurren“. Das erste stand für deine Veränderungsbereitschaft – und die ist ein Nachgeben nach innerem Maß, keine bewusstlose Anpassung an Bequemlichkeiten neuer Sachzwänge. Und „verknurrt werden“ – eine mit grimmigem Humor übernommene Aufgabe, zum Wohl eines größeren Ganzen: Das hat Dir die Mischung aus Improvisation und Vergesslichkeiten deiner ersten 16 Verlage in einer Bandbreite von Paranoia City bis zur Dieterich‘schen reichlich abverlangt. (Wallstein, Haymon, Weidle und andere Newcomer fanden später zur Frieden-Gruppe …)

Dein Weg seit 1987 als freier Verlagsvertreter, nach neun Jahren in Sortiment und Auslieferung, könnte im Kontext eines unvordenklichen Branchenwandels beschrieben werden: Von den Anfängen eines genossenschaftlichen Konzepts, das Schweizer und dann auch deutschen kleineren Verlagen eine Vertretung im Buchhandel des Markts zwischen Bodensee und Waterkant eröffnete. Eine Pionierleistung. („Frieden kommt!“ titelte deine Anzeige vor Reisebeginn.)

Das war stimmig in einer Zeit von Verlagsgründungen, die Wagenbachs und Nautilus und Limmat hatten es vorgemacht, unsere Branche wuchs sowieso. Ab 1986 berichtete BuchMarkt über die Szene der neuen Verlage und prägte den positiven Begriff: „Independents“.

Du wurdest nicht nur Türöffner in den Sortimenten. Als die Betriebsberater auf Schnelldreher setzten und schwierigere Vielfalt wegrationalisierten, hast du uns gleich nach ‘89 eine behutsame Ost-Erweiterung beigebracht. Leipzig, Dresden, Ahrenshoop. (Noch bei deiner Hochzeit mit Ursula, dem heitersten Fest des frühen Jahrtausends, reisten Büchermenschen von der Ostsee an …)

Diese heikle, bereichernde Kunst, Bücher für ein bedachtsameres Lesen bekannt zu machen. Für Könnerinnen und Macher an den Rändern der Bibliophilie zu arbeiten, das kam deinem Lebensprojekt zupass, der Suche nach Entdeckungen, deiner Freundschaftsfähigkeit, auch der Reiselust im Zug. (Unvergessen, wie du in den Fahnen eines Ritzel-Krimis dem Kommissar aus einem falschen Bahnhof geholfen hast …)

Während Buchkonzerne absurden Renditen nachjagten, Filialisten expandierten, die deine Verlage mehrheitlich draußen hielten (und die nun selbst im Online-Neuland abschrumpfen), während unser altes Problem „Bündelung“ von den Auslieferungen digital gelöst wurde, profitierten die Independents ihrerseits von der Digitalisierung und minimierten die Satz- und Graphikkosten am eigenen PC. Und nachdem deine Vertreterbriefe lang auf Pädagogisches pochten wie: „Vorschau und Formulare, wenn möglich, lochen!“, hast auch du dich den komplexen Segnungen der elektronischen RA ergeben. Da warst du schon branchenweit bekannt, durch Kolumnen, dein Eintreten für die „Buchhandlung des Jahres“ (auch auf youtube zu sehen), zuletzt als Botschafter für die Stiftung Buchkunst.

Botschafter, ja. Und immer noch offenen Herzens vor jeder neuen Reise. Lieber Hans, alles Gute weiterhin.

PS. Das neue Jahrzehnt bringt Vorzüge: Nach kanonischem Brauch werden Menschen, wenn sie die 60 erreichen, vom Fasten befreit.

Wer auch gratulieren möchte: frieden.hans@bluewin.ch

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage}

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