26. Juni 2006: Dr. Gottfried Honnefelder (60)

Dr. Gottfried Honnefelder wird heute sechzig Jahre alt. Der derzeitige Vorsteher im

Dr. Gottfried Honnefelder

Börsenverein hat schon als junger Hobbyklarinettist einer bekannten Kölner Jazzband gern den Ton angegeben. Das gilt heute noch – und er trifft ihn in der Regel sehr präzise: Wer Honnefelder agieren und diskutieren sieht, ihn als Versammlungsleiter oder als Redner erlebt, der spürt seinen unbedingten Gestaltungs-Willen.

Aber der gebürtige Kölner hat noch ein zweites Gesicht: Er ist auch ein sensibler Buchmacher und leidenschaftlicher Verleger, der allerdings, auch das ist spürbar, nicht unbedingt unter einem Mangel an Selbstbewusstsein leidet.

Selten sind Fremdeinschätzung und Selbsteinschätzung deckungsgleich – für den einstigen Überflieger, Sohn eines Mathematikprofessors, trifft das aber weitgehend zu. Sicherheit und Selbstvertrauen verleihen ihm wohl seine zupackende Intelligenz, seine Auffassungsgabe, seine Arbeitsdisziplin, aber wohl auch das Wissen, dass er sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat: Nach der Promotion bei dem legendären Benno von Wiese (er war dessen letzter Doktorand, mit Prädikats-Abschluss natürlich!) über den „Roman in der Literatur“ hatte er als Assistent von Siegfried Unseld schon mit 32 Jahren die alleinige Vollmacht für den Suhrkamp Taschenbuch Verlag erhalten und diesen in kürzester Zeit zum ökonomischen Rückgrat des Unternehmens gemacht.

Dass es vor Jahren zum Bruch mit seinem Verleger-„Vater“ kam, ja kommen musste, ist ihm nicht anzulasten. Wohl auch nicht, dass er bei DuMont noch einmal an einem starken Mann scheiterte. Das muss wohl so sein, wenn man nicht Königsmörder, aber selbst König sein will.

Die Suhrkamp-Ära hat ihn geprägt und lässt ihn sichtbar bis heute nicht los: Im Eingangsbereich seiner eleganten 300 qm-Wohnung (mitten in Köln und doch nur wenige Schritte vom Stadtwald entfernt) begrüßt den Gast ein einmaliges Kunstobjekt in Regenbogen-Farben: Alle Bände der Edition Suhrkamp im Design seines Freundes und “Entdeckers“ Willy Fleckhaus sind dort mehre Meter hoch zu einer Skulptur in einem eigenem Regal aufgetürmt.

Alt ist man ja erst, wenn man nichts mehr vor hat: Zu einem Zeitpunkt, in dem andere sich zur Ruhe setzen, betritt Honnefelder noch einmal Neuland. Beim Börsenverein, der ihn in diesem Jahr zum Vorsteher gewählt hat, will er noch viel bewegen; dazu will und muss er den im April übernommenen Verlag Berlin University Press behutsam entwickeln. Ach ja: Und dann sollen die Wochenenden in seinem Ferienhaus in der Eifel (das er sich mit seinem Bruder Ludger, einem Philosophie-Professor teilt), auch nicht zu kurz kommen. Der gewichtige Macher ist auch ein Familienmensch, der sich dort am wohlsten fühlt.

Christian v. Zittwitz

NB: Vor zehn Jahren habe ich den Jubilar gefragt, welches Buch er immer noch nicht gelesen habe. Damals hat er geantwortet: “Machiavelli, Der Fürst”.

Kontakt: vorsteher@boev.de

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