26.03.2007: Veit Heinichen (50)

Veit Heinichen

Veit Heinichen wird heute 50 Jahre alt. Deshalb schreibt Antje Kunstmann:

Auguri, auguri lieber Veit!

In irgendeinem Sommer, das ist Jahre her, klingelte das Telefon und ich wusste sofort, dass er es war. Vielleicht, weil es schon spät war, vielleicht, weil es energischer klingelte, als würde die Person am anderen Ende das Klingelgeräusch mit der eigenen Energie aufladen. Ich hob ab. Er war’s, allein seine gute Laune verscheuchte sofort alle Schlafbedürfnisse. Er: Rate, was passiert ist. Ich: Du hast Dir ein Haus gekauft! Schweigen. Dann: Woher weißt Du das?

Ich wusste es nicht, ich hatte wirklich nur geraten und einfach das Absurdeste gesagt, was mir eingefallen war. Ein Haus brauchte dieser Mann zu allerletzt, er war ja kaum in seiner Wohnung anzutreffen, von früh bis spät in die Nacht konnte man ihn im Verlag erreichen, in dem er gleich zwei Büros bewohnte, in die er seine unterschiedlichen Funktionen aufgeteilt hatte: Veit Heinichen. Ohne ihn, den kaufmännischen Geschäftsführer, wäre die aufregendste Verlagsgründung der 90er Jahre, der Berlin Verlag, wohl kaum so schnell zu so einem Erfolg geworden – alle Verdienste von Arnulf Conradi und Elisabeth Ruge in Ehren! Manchmal hatten wir, seine Freunde, schon darüber nachgedacht, ob wir es nicht mit einem workoholic zu tun haben, das aber in dem Moment schon vergessen, als wir mit ihm im Lokal saßen und niemals gingen, bevor alle Stühle hochgestellt waren.

Wir freuten uns über das Haus. In Triest, besser: vor Triest. An einem Hang mit atemberaubenden Blick über die Bucht. Ein Urlaubshaus. Wir gratulierten.
Aber machte dieser Mann Urlaub? Eher nicht. War dieses Haus ein Urlaubshaus? Eher nicht.

Was lag also näher, als Arbeit und Haus zu verbinden, auch wenn das bedeutet, eine sichere Karriere mit erstmal mit dem unsicheren Terrain des freien Autors zu tauschen. Diesen Sprung wagen nicht viele. Und nicht bei vielen wird daraus eine neue Erfolgsgeschichte.

Drei hochgelobte Romane liegen inzwischen vor, Kriminalromane, vielleicht das interessanteste Genre unserer Zeit, auf jeden Fall das beliebteste. Proteo Laurenti ist vielen Lesern inzwischen mehr ans Herz gewachsen als Kommissar Brunetti und hat mit Henry Hübchen eine wunderbare Verkörperung im Fernsehen gefunden. Übersetzungen ins Italienische, Spanische, Französische und Holländische sind erschienen. In Italien hält man ihn zuweilen für einen italienischen Autor, was für seine Romane spricht, in denen Triest, diese durch und durch europäische Stadt an der östlichen italienischen Grenze neben Commissario Laurenti die zweite Hauptrolle hat. Zwischen den Romanen hat er dieser Stadt mit einem schmalen Buch ein schönes Denkmal gesetzt.

Rätselhaft bleibt, wann er das alles macht. Immer, wenn man mit ihm telefoniert, ist Besuch da, oder gerade wieder weg, oder im Anzug. Allen zeigt er „seine“ Stadt, und seine Begeisterung ist so ansteckend, dass alle wiederkommen wollen. Kommt ihm das manchmal wie eine Bedrohung vor? Wir wissen das nicht. Seine Gastfreundschaft, seine Großzügigkeit scheinen unerschöpflich und man fühlt sich in dieser Stadt schon deswegen schnell wie zuhause, weil man überall auf seine Freunde trifft. Und weil man in den besten Restaurants den besten Fisch vorgesetzt kriegt, die besten Weine und den besten Espresso, wofür Triest ja sowieso berühmt ist.

Ich weiß das, weil ich auch schon dort war und nicht nur einmal. Eines Abends saßen wir auf der Piazza, ein ganzer Pulk von deutschen Verlegern, die ihre Tagung nach Triest verlegt hatten, Veit unter uns. Ein Passant näherte sich unserem Tisch und sprach ihn an: Sind Sie der Schriftsteller? Der Mann verwickelte ihn in ein Gespräch auf italienisch. Wir saßen staunend daneben. Das gibt es noch, dass Autoren auf der Straße angesprochen werden, von Lesern!

Da kann man nur gratulieren und sich auf neue Geschichten freuen, die er immer auf Lager hat. Sein Witz, seine Schlagfertigkeit, die unglaubliche Energie, die Fähigkeit, etwas zu gestalten, kreativ und praktisch, seine Neugier, sein Interesse, das macht ihn für so Viele zu einem besonderen Freund. Einer seiner Lieblingssätze ist von Kurt Schwitters „Ich bin als ganz kleines Kind geboren worden.“

Jetzt wird er 50! Auguri, lieber Veit, viel Glück und Erfolg für die kommenden Jahre.

Deine Antje

Kontakt: Veit.Heinichen@tin.it

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