24.1.2007: Peter Ripken (65)

Peter Ripken wird heute 65 Jahre alt. So unaussprechlich der Name auch sein mag, so unvergesslich ist er auch – nicht der Name des Geburtstagskinds, sondern derjenige der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika (link:(www.litprom.de)), deren Geschicke er seit mittlerweile 20 Jahren lenkt.

Peter Ripken

Und weil er damit so etwas ist wie der Sammler alles Wissens um Literatur und Literaten, von denen man hierzulande zumeist gar nichts weiß, ist Peter Ripken zur Anlaufstelle für alle die Mühseeligen und Beladenen unter Programm-Machern deutscher Verlage geworden, die neben der deutsch-angelsächsich-resteuropäisch ausgerichteten literarischen Alltagskost auch mal etwas auf den Tisch bringen wollen, das die verödeten Geschmacksknospen belebt.

Diese literarische Weltensammelei – Ilija Trojanow, gemeinsamer Freund von Autor und Geburtstagskind wird den frechen Klau seines Buchtitels verzeihen – hat sicherlich nicht in Peter Ripkens Wiege gelegen, als er vor heute 65 Jahren in Bielsko-Biala im heutigen Polen geboren wurde. Nach der Flucht wurde die Familie in Ostfriesland heimisch, wo der Vater als Dorfschullehrer tätig war und Sohn Peter seinen manchmal beeindruckenden Sturkopf entwickelte. Nur mit einem solchen Dickschädel konnte er dann auch Aufgaben angehen, die ihm sein Job als Entwicklungshelfer im Tschad abverlangte, wohin es ihn nach dem Studium verschlug. So ging er in die Annalen des zentralafrikanischen Landes unter anderem als Tankstellenbetreiber ein – in den 60er Jahren trotz Ölreichtums eine seltene Beschäftigung im Tschad.

Das persönliche Erleben Afrikas und der meisten anderen Gegenden, die hierzulande oft als „Dritte Welt“ abgetan werden, bestimmt bis heute Peter Ripkens Leben und Handeln: Sei es als Initiator und Mitgründer der Anti-Apartheid-Bewegung und der Informationsstelle Südliches Afrika, sei es als wortgewaltiger Streiter für den literarischen Blick über den Tellerrand hinaus, sei es als Ratgeber für Autoren und Verlage in den Ländern des Südens, sei es als unermüdlicher Motivator für deutschsprachige Verlage, die allzu oft gar kein Interesse am Heben von literarischen Schätzen offenbaren – was er anfasst, das macht er mit ganzem Einsatz, viel Charme und einem nicht unerheblichen Quantum an Durchsetzungswillen.

Seit Peter Ripken 1987 die Leitung der „Gesellschaft mit dem langen Namen“ übernahm, wurden hunderte von Titeln aus den Ländern und den Sprachen des Südens ins Deutsche übersetzt – Autoren wie Tahar ben Jalloun, Kiran Nagarkar, Assia Djebar, Naguib Mahfuz, Chinua Achebe oder Wole Soyinka wären ohne die Arbeit der Gesellschaft, die im Rahmen des Buchmesseschwerpunkts „Schwarzafrika“ 1980 vom damaligen Buchmesse-Chef Peter Weidhaas ins Leben gerufen wurde, in Deutschland kaum oder erst mit großer Verspätung bekannt geworden. Was seine Arbeit in diesen Jahren besonders kennzeichnet ist sein Talent, Menschen für seine Themen einzunehmen – wer sich einmal auf Ripken eingelassen hat, der bleibt seinen Themen verbunden, und dem Menschen: Er versteht es, Freundschaften über Jahrzehnte zu hegen und zu pflegen, der Weltensammler ist auch ein Menschenfischer.

Ende Juni wird Peter Ripken die Führung der Gesellschaft in andere Hände übergeben. Aber es muss sich wohl niemand ernsthaft Sorgen machen, dass er nicht auch weiterhin mit Verve die Sache der Literaturen aus den anderen Lebenswelten vertreten wird.

Dafür, lieber Peter, wünsche ich Dir, gemeinsam mit vielen, vielen Freunden aus Afrika, Asien und Lateinamerika, gute Gesundheit, Erfolg und Kraft!

Dein
Holger (Ehling)

Kontakt: ripken@litprom.de

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