22.09.2007: Carsten Wist (50)

Carsten Wist wird heute 50 Jahre alt.

Bücher geliebt hat er schon seit er denken kann, mit dem Bücher verkaufen fing er einen Tag nach der Währungsunion an: Mit einem Tapeziertisch und einem ebenso begeisterten Kompagnon. Ein Jahr später, im Sommer 1991, übernahmen Carsten Wist und Siegfried Ressel in Potsdam die August-Bebel-Buchhandlung und verpassten ihr neben einem neuen Namen auch gleich ein neues Konzept:

Carsten Wist

Der „Literaturladen Wist und Ressel“ wurde schnell zu einem Ort für Diskussionen und Lesungen: Toni Morrisson, Paul Auster und Rita Mae Brown waren zu Gast. Bis Siegfried Ressel mit seiner Familie nach Frankreich zog: Im Juni 2001 schloss der „Literaturladen“ seine Pforten. Nach zwei Jahren Pause beschloss Wist, wieder neu anzufangen: „Diesmal aber mit einem maßgeschneiderten Anzug.“

Während andere Buchhändler über die Krise klagten und die eigenen Verkaufsflächen eher verkleinerten als vergrößerten, öffnete am 17. Oktober 2003 „Wist – Der Literaturladen“ seine Türen für die Kundschaft – und war schon nach wenigen Monaten in den schwarzen Zahlen.

Kein Wunder, schließlich ist der „Literaturladen“ nicht nur eine Verkaufsstätte für Bücher, sondern ein Ort der Literatur: Carsten Wist bietet seit vier Jahren ein Literaturdiskussionsforum mit Lesungen für Erwachsene an. Hinzu kommen Lesungen für Kinder und Jugendliche. Im vergangenen Oktober erfüllte sich Carsten Wist mit einer Lesung von Christoph Ransmayr einen lange gehegten Traum.

Bis es so weit war, musste er einige Umwege in Kauf nehmen. Carsten Wist kann nicht das vorweisen, was man landläufig eine typische DDR-Biografie nennt. Es gab Zeiten, in denen er in Babelsberg säckeweise Kastanien sammelte, um wenigstens etwas Geld zu haben.

Zum Lesen kam er bei der Armee, als Kind rannte er lieber über den Sportplatz: „Weil ich bei der NVA unendlich viel Zeit hatte, begann ich mich richtig für Literatur zu interessieren. Aber damals konnte ich mir nicht unbedingt vorstellen, später einmal beruflich etwas mit Büchern zu tun zu machen.“

Sportjournalist wäre er gern geworden. Sein Lehrerstudium der Germanistik und Geschichte an der Pädagogischen Hochschule in Potsdam fand durch die Exmatrikulation von staatlicher Seite ein frühes Ende, Wist schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Bis zur Wiedervereinigung, die für den damals 32jährigen neue Chancen bot. Dann also doch die Literatur.

Und die Familie, die neben den Büchern das Wichtigste in Carsten Wists Leben ist. Gemeinsam mit seiner Freundin hat er drei Söhne, acht, fünf und vier Jahre alt. Der von ihm jährlich verliehene Literaturpreis „Der kleine Hei“, der am 28. November zum fünften Mal an einen jungen Schriftsteller geht, ist nach seinem jüngsten Sohn Heinrich benannt.

Und wenn Carsten Wist nicht gerade mit einem Schriftsteller über sein neuestes Werk diskutiert, oder mit einem seine Kunden ein kleines Schwätzchen hält, sitzt er bei einem Elternabend oder drückt mit einem seiner Söhne Hertha BSC die Daumen. Oder sitzt auf seinem Rennrad und fährt durch die Brandenburger Landschaft.

Alles Gute zum Geburtstag!

Simone Leinkauf

Kontakt: info@wist-derliteraturladen.de

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