19.8.2006: Jürgen Kreuzhage (70)

Jürgen Kreuzhage wird heute 70 Jahre alt. Der ehemalige Goldmann- und Econ-Verleger lebt heute auf seinem Anwesen in der Provence.

Zum Geburtstag gratuliert ihm Hans-Karl von Kupsch, ehemaliger Haupt-Geschäftsführer des Börsenvereins:

“Lieber Jürgen, liebes Geburtstagskind,

weißt Du noch?

Als Du 40 wurdest, also 1976, und in einer Deiner besonders großen Sturm- und Drangphase warst, da feiertest Du Deine runden Geburtstage schon groß. Schon damals

Jürgen Kreuzhage

hast Du – welche Vorbestimmung Deines späteren Lebensweges – zu einer fête provencale eingeladen, freilich noch in Weinheim bzw. Birkenau. Der Börsenverein, bei dem Du schon als VA-Vorsitzender und damit Vorstandsmitglied ein großes Tier warst und wo es Dich noch bis in die Höhen eines Aufsichtsratsvorsitzenden der Frankfurter Buchmesse bringen sollte, war prominent vertreten, ebenso Deine wissenschaftlichen Verleger-Kollegen, denn damals warst Du Geschäftsführer des Verlages Chemie. Am meisten ist mir freilich in Erinnerung geblieben, wie wild Du damals getanzt hast, als ob es um Dein Leben ginge.

Als Du 50 wurdest, also 1986, da hast Du ausnahmsweise kein provenzalisches Fest gegeben, dafür aber zweimal eingeladen, einmal privat und klein in der Henningstraße in München, und einmal geschäftlich und pompös in das Schloss Blutenburg, denn inzwischen warst Du (seit Anfang 1984) ein erfolgreicher Goldmann-Verleger geworden, eine erstaunliche Wendung, aber Brüche und neue Herausforderungen bist Du ja gewöhnt, mit Deiner Vitalität hattest Du sogar einen ganz schlimmen Bergunfall ein Jahr vorher überwunden.

Als Du 60 wurdest, also 1996, da gab es wieder ein provenzalisches Fest, diesmal aber richtig im wundervollen Haus „Font Verger“ in Lioux bei Gordes und Apt, dort, wo das Vaucluse und der Luberon am schönsten sind. Ich bin seit 25 Jahres fast jedes Jahr in der Provence (und in der Regel verbunden mit einem Besuch bei Dir), und ich kenne kein schöneres und schöner gelegenes Haus dort. Das gilt auch für das von Dir inzwischen als Ferienhaus zum Vermieten konzipierte und von Dir zu einem Gutteil mit der eigenen Hände Arbeit erbaute Nachbarhaus „Trois Cloches“. Was man aus der Ruine eines Bauernstalles unter den Augen des Gesetzes doch so alles machen kann! Dorthin, in die Provence, hattest Du Dich zurückgezogen, als es 1987 bei Bertelsmann nicht weiter gegangen war, unterbrochen von zwei Beratungsjahren für Robert Maxwell. Als jeder schon glaubte, das sei es beruflich gewesen und nachdem Du 1992 endlich auch Deine ungemein charmante Irène geheiratet hattest, überraschtest Du erneut: 1994 warst Du als Econ-Verleger in die buchhändlerische Umlaufbahn zurückgeholt worden, maximal engagiert, angriffslustig wie immer und, wie meistens, schwarze Zahlen produzierend. Also konnten wir 1996 nicht nur einen guten Freund feiern, sondern auch – wie eh und je – einen (vollsaftigen) Verleger.

Das wird jetzt, wo du 70 wirst, anders sein. Nachdem Du Dich 1997 mit der Fusion Econ/List selbst verabschiedest hattest, bist Du nun ein echter Pensionär geworden. Eigentlich schade um Deinen Biss, um Deine Power, um Deine Aktionsbereitschaft, die Du Dir fern Deiner eigentlichen Heimat und trotz aller Deiner Klagen über gesundheitliche Wehwehchen bewahrst hast. Aber Du wirst eben 70! Natürlich wird der Geburtstag wieder mit einem provenzalischen Fest gefeiert, diesmal stehen Irène und Dir gleich drei Häuser zur Verfügung, denn inzwischen hast Du erneut das Kunststück fertig gebracht, aus einem alten Schuppen ein ebenfalls wunderschönes kleines Ferienhaus erstehen zu lassen mit dem ulkigen Namen „Grange à Fassi. (Auch daran kann man Deine beachtlichen unternehmerischen Talente erkennen!).

Weil ich zwar mit Hilde im Juni bei Dir war, jetzt im August aber nicht schon wieder kommen kann, meinte unser gemeinsamer Freund Christian, ich solle/könne Dir doch per BuchMarkt online gratulieren, was ich hiermit zusammen mit Hilde von Herzen geschieht! Bleibe oder werde friedlich, fröhlich und gemütlich, alter Löwe Ein anderer Kenner der Materie, unser Freund Joachim Spencker, der Dich zu Deinem 60sten in ziemlich unnachahmlicher Weise im Börsenblatt charakterisierte, schloss damals mit der Beobachtung, in der Sonne der Provence und im Zusammenleben mit Irène seiest Du zu einer ruhigen Gelassenheit gereift, aus der schäumenden Unruhe sei ein harmonisches Ganzes geworden, wie bei einem guten Rotwein, von dem wir beide ja einiges verstehen. Im Namen Deiner vielen Freunde aus dem Buchhandel und auch in Erinnerung an unsere Zeiten beim guten alten Börsenverein erhebe ich auf Dich das Glas, natürlich mit einem Chateauneuf-du-Pape!”

Kontakt: jkreuzhage@free.fr

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