Das Sonntagsgespräch Reinhold Neven Du Mont: „Ich würde alles noch einmal so machen“

Reinhold Neven Du Mont, bis vor 14 Jahren Kiepenheuer & Witsch-Verleger, hat sich erinnert: In Mit Büchern und Autoren erzählt er Geschichten aus seinen 32 Jahren als Chef eines der renommiertesten Verlagshäuser.

Als damals „jüngster Verleger Deutschlands“ krempelte er das in leichte Schieflage geratene Lebenswerk seines Schwiegervaters Johann Caspar Witsch Stück für Stück um, holte neue, junge Autoren und Autorinnen in den Verlag und machte aus ihm eine der „ersten Adressen für gesellschaftspolitische Publikationen“ – ohne die Klassiker aus den Augen zu verlieren.
In seinem Buch Mit Büchern und Autoren, das am 10. März bei Kiepenheuer & Witsch erschienen ist, erinnert er sich an den Berserker Rolf Dieter Brinkmann, die barbusige Renate Rasp, den gut gelaunten Gabriel García Márquez, den eigenwilligen Günter Wallraff, den besonnenen Heinrich Böll, den ausgebürgerten Wolf Biermann, die strenge Oriana Fallaci und viele mehr. Seine Geschichten sind aber auch eine Hommage an sein Team, ohne das Kiepenheuer & Witsch nicht so erfolgreich geworden wäre.
Einige Kapitel aus Neven Du Monts Buch können Sie als Vorabdruck im aktuellen März-Heft von BuchMarkt lesen.

Warum schreibt ein Verleger seine Memoiren?

Reinhold Neven Du Mont: Ganz auf seine
Erinnerung angewiesen

Reinhold Neven Du Mont: Eine wichtige Voraussetzung dazu ist, dass er Lust dazu hat. Das gilt natürlich für jedes Buch. Ein mühselig geschriebenes Memoirenwerk ist auch mühselig zu lesen. In meinem Fall brauchte ich zeitlichen Abstand. Wie Sie wissen, bin ich Ende 2001 aus dem Verlag ausgeschieden. Damals hatte mich mein Nachfolger Helge Malchow gefragt, ob ich denn nicht meine Verlegerjahre zu Papier bringen könnte. Das war mir damals noch alles viel zu nah, ich musste erst Distanz gewinnen. Jetzt, 2016, konnte ich das alles mit dem nötigen Ernst, aber auch zum Teil amüsiert, aus einer zeitlichen Entfernung betrachten. Aber um auf Ihre Frage zurückzukommen: Natürlich muss kein Verleger seine Erinnerungen aufschreiben. Ich kenne einige, die bescheiden daherkommen und doch die Botschaft transportieren: „Ich war der Allerbeste.“

Und das tun Sie nicht?

Doch, das tue ich auch. Aber ich habe versucht, es in eine Form zu fassen, die für den Leser interessant ist und die auch beiläufig Informationen zur Zeitgeschichte liefert, sodass es nicht nur eine Biografie auf die eigene Person ist, sondern auch eine angenehme Lektüre.

Ist das Buch auch für Leser außerhalb der Buchbranche interessant?

Ich habe in meiner aktiven Zeit, aber auch in den Jahren danach, immer wieder die Erfahrung gemacht, dass der Beruf des Verlegers ein hohes Prestige genießt. Den Verleger umgibt ein gewisser Nimbus. Das hat die Leute auch bei Veranstaltungen interessiert: Was macht ein Verleger eigentlich? Wie trifft er seine Entscheidungen? Wie verhält er sich gegenüber den Autoren? Wie sieht sein Privatleben aus? Hat er überhaupt eins?

Aus Ihrem Privatleben erzählen Sie in Ihrem Buch ja nicht gerade viel.

Das stimmt. Mit Büchern und Autoren sind auch nicht meine Lebenserinnerungen. Der Leser erfährt wenig über mein Elternhaus, meine Mutter, Vater, Geschwister, Kindheit, Jugend usw. Es sind die Verlegerjahre, die ich aufgeschrieben habe.

Haben Sie sich wirklich an alles erinnert oder haben Sie häufig in Archiven stöbern müssen?

Das war ein echtes Problem. All meine Notizen, Unterlagen, mein Briefwechsel, Verträge, Protokolle und dergleichen sind beim Einsturz des Kölner Zentralarchivs verloren gegangen. Das alles stand mir tatsächlich nicht zur Verfügung. Deshalb war ich auf meine Erinnerungen angewiesen. Ich konnte noch einige Personen befragen, wie sie das damals erlebt haben, wie z.B. meine damaligen Lektoren Dieter Wellershoff und Renate Matthaei, oder auch Reinholf Joppich und Helge Malchow. Aber viel Archivmaterial hatte ich in der Tat nicht.

An welche Anekdote erinnern Sie sich besonders gern?

Daran, wie ich mit Carola Stern in einen Nachtklub gegangen bin. Das war ein Erlebnis der besonderen Art.

Was hätten Sie als Verleger lieber nicht erlebt?

Ganz klar die Fatwa gegen Salman Rushdie und alle, die mit der Verbreitung seines Buches Die Satanischen Verse zu tun hatten.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie alles noch einmal so machen?

Ja.

Gab es Reaktionen auf die Ankündigung Ihres Buches? Hat Ihnen z.B. schon jemand Schweigegeld angeboten, damit das Buch vielleicht nicht erscheint?

Schweigegeld? Das müsste aber eine ganz schön dicke Summe sein. Nein, es hat mir auch noch niemand einen Prozess oder eine einstweilige Verfügung angedroht. Das Buch ist ja auch grad erst auf den Markt gekommen.

Die Fragen stellte Cornelia Camen.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.