Das Autorengespräch Reinhard Rohn: „Beides – das Bücherverlegen und das Schreiben – gehört zu meinem Leben!“

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„Ich würde mir wünschen, dass der Handel den Weg der Verengung auf wenige Bestseller nicht mitgeht. Es muss in den Buchhandlungen immer etwas zu entdecken geben!“

 

Reinhard Rohn  ist seit 1999 Programmchef von Rütten & Loening (Aufbau Verlagsgruppe) in Berlin. Dem Autor von historischen Romanen und  Krimis liegt es am Herzen,  Privates und Geschäftliches zu trennen, und so veröffentlicht er seine Krimis  nicht bei seinem Arbeitgeber.

Zunächst wollte er nicht mal eine ganze Krimi-Serie schreiben, doch als er das erste Buch mit dem Protagonisten Kommissar Matthias Brasch beendet hatte, hatte er das Gefühl, dass er der Figur sehr nahe war und wollte sie weiterentwickeln. Nun ist sein neuester Roman Morgen stirbst du (dtv) erschienen. Anlass dafür, mit Reinhard Rohn über die Besonderheit seiner Krimi-Reihe zu reden und darüber, wie seine Tätigkeit als Autor mit seinem Hauptberuf, Verlagsleiter im Aufbau-Verlag, zusammenpasst.

BuchMarkt: Herr Rohn, worum geht es in Ihrem neuen Roman?

Reinhard Rohn: Meine Kommissarin Lena Larcher tut sich schwer, nach dem Tod ihres Mannes und ihres Sohnes ins Leben zurückzufinden. Aber zum ersten Mal interessiert sie sich wieder für einen Mann: Finn, den sie in der Trauergruppe kennenlernt. Doch beim nächsten Treffen erscheint er nicht – sie findet ihn stattdessen in einem billigen Hotel, zu dem sie gerufen wird. Er liegt tot in der Badewanne, mit gefärbten Haaren. Angeblich hat er Selbstmord begangen. Im zweiten Handlungsstrang wird Finns Geschichte erzählt, der tatsächlich einen anderen Namen trägt und den Tod seiner Frau aufklären will.

Das klingt nach einem vielschichtigen Roman?

Nun, es soll in erster Linie ein spannender Kriminalroman mit interessanten Figuren sein, aber ja, es gibt noch weitere Motive: so etwa die Bilderberger, jene lockere Organisation einflussreicher Persönlichkeiten, die sich seit den fünfziger Jahren völlig abgeschirmt von der Öffentlichkeit einmal im Jahr trifft – in diesem Jahr übrigens ausgerechnet in Dresden. Henry Kissinger, die Familie Rockefeller und andere Größen der Hochfinanz und Politik gehören dazu. Für Verschwörungstheoretiker ein großartiger Stoff. Allerdings behandele ich die Bilderberger nur am Rande.

Wenn Sie die Geschichte in einem Satz zusammenfassen sollten, mit dem der Buchhändler Ihren Roman den Lesern schmackhaft machen könnte – wie würde dieser Satz lauten?

Eine Polizistin kämpft sich ins Leben zurück, indem sie ganz allein den rätselhaften Tod eines Mannes aufklärt – eine spannende, überraschende und auch anrührende Geschichte zweier Menschen.

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Durch Klick auf Cover zum Buch

Warum haben Sie ausgerechnet die Form des Kriminalromans für Ihre Geschichte gewählt?

Ich lese selbst gerne gute Kriminalromane, und ich mag es, einen Spannungsbogen zu kreieren. Der Kriminalroman folgt einer klassischen Dramaturgie. Außerdem kann man im Kriminalroman wunderbar viele sehr facettenreiche Personen einbauen, was mir immer große Freude bereitet – hier etwa eine Frau, die dafür kämpft, dass wir unsere Nationalfahne ändern, weil das Schwarz Erde bedeutet und nach unten gehört. Und einen „Showdown“ zu erfinden macht beim Schreiben besonders viel Arbeit – und, wenn es denn zur eigenen Zufriedenheit gelingt, noch mehr Spaß.

Sie sind nicht nur Autor, sondern im Hauptberuf Verlagsleiter bei Aufbau – wie passt das zusammen?

Für mich passt es wunderbar zusammen. Ich schätze die Arbeit im Verlag sehr – mit Autoren, Übersetzern, Agenten, mit unseren großartigen Mitarbeitern. Da gibt es jeden Tag neue Fragen und Anforderungen. Als Autor jedoch stellen sich mir völlig andere Fragen. Da bin ich ganz frei, etwas zu entwerfen und zu entwickeln. Ich arbeite in Berlin, als Autor  bin ich aber nach wie vor in Köln zu Hause. Da sind meine Figuren, da gehe ich mit ihnen bekannte Wege. Beides – das Bücher verlegen und das Schreiben – gehört zu meinem Leben. Da fühle ich mich sehr privilegiert. Es ist nur gelegentlich ein Zeitproblem, alles unter einen Hut zu bekommen.

Neben den beiden bisher erschienenen Romanen mit Lena Larcher, die bei dtv erschienen sind, gibt es noch eine andere Krimiserie, die Sie schreiben?

Ja, ich habe mit Hejo Emons, den ich wie die Kollegen bei dtv sehr schätze, auf der Leipziger Buchmesse 2007 besprochen, dass ich bei ihm einen Krimi schreibe, der in Köln spielt – mit einem Kommissar mit Kölner Eigenarten und einer Polizistin, die aus Hamburg kommt und das seltsame Rheinland erst einmal gar nicht versteht. Der erste Roman hieß Falsche Herzen und erschien dann 2008. Aus diesem Vorhaben sind mittlerweile sechs Romane geworden, den siebten habe ich soeben beendet. Er wird voraussichtlich im Herbst 2017 bei Emons herauskommen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich vom Buchhandel wünschen?

Erst einmal – wir haben in Deutschland eine großartige Buchhandelslandschaft. Da werden wir von Amerikanern und Briten zu recht sehr beneidet. Ob im unabhängigen Buchhandel oder bei den Filialisten, überall wird mittlerweile sehr mit Blick auf den Kunden gearbeitet. Die vielen Veranstaltungen und Literaturfestivals, die ja oft auch vom Buchhandel ausgehen, sprechen da eine deutliche Sprache. Wünschen würde ich mir, dass der Handel den Weg der Verengung auf wenige Bestseller nicht mitgeht. Es muss in den Buchläden – durch  Präsentation oder durch Empfehlung – immer etwas zu entdecken geben, in allen wichtigen Segmenten, im Krimi, in der allgemeinen Belletristik oder auch im Sachbuch.

In der letzten Woche sprachen wir mit Tim Erzberg über persönliche Vergangenheitsbewältigung und seine Rolle als Autor

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