"Bücher behandelt er noch immer als Kostbarkeiten" Rainer Moritz (60)

Prof. Dr. Rainer Moritz wird heute 60 Jahre alt. Die Literaturkritikerin  Annemarie Stoltenberg gratuliert dem Leiter des Literaturhauses Hamburg, zum runden Geburtstag:

„Seit mehr als zehn Jahren gehe ich mit Rainer Moritz auf Tour: Wir sprechen über Bücher. In all diesen Jahren habe ich nicht ein einziges Mal erlebt, dass er zu spät, unvorbereitet, schlecht gelaunt oder halbherzig dahergekommen wäre. Nie. Nicht ein einziges Mal. Er vermittelt eine unglaubliche Präsenz, unwiderstehlich gute Laune und ein immer wieder verblüffend mitreißendes Temperament. Ein 150 % Mann, ein Vollprofi in jeder Hinsicht –  und das Arbeiten mit Profis macht Spaß.

Egal ob es sich um einen Klempnermeister oder einen Literaturkritiker handelt. Wenn ihm etwas Missbehagen bereitet oder gar ärgert, sagt er es sofort. Einmal. Es wird nicht in einem Gedankenkorb als Wurfmaterial gelegt, um bei passender Gelegenheit noch mal Verwendung zu finden.  Übrigens reicht bei dieser Form von Gradlinigkeit auch ein Mal, man vermeidet von allein Wiederholungen. Diese Aufzählung ist schon beachtlich.  Aber wofür ich Rainer Moritz wirklich bewundere, sind sein schier unglaublicher Fleiß und diese Arbeitsdisziplin. Morgens um sechs beginnt sein Tag. Mit einem Glas Zitronensaft pur und einer kalten Dusche. Wenn andere ins Büro kommen mit dem ersten Kaffeebecher in den frierenden Händen, hat er schon mehrere Stunden gearbeitet. Er beantwortet Mails sofort und korrekt. Den Tag über ist jede Stunde verplant, auch die, in denen er verträumt aus dem Fenster guckt, um einen Text zu schreiben. Abends Veranstaltungen, danach mit den Akteuren des Abends zum Essen in ein Restaurant. Selten hat ein Arbeitstag weniger als 16 Stunden. Er achtet auf Fehler auch in seinem Umfeld und korrigiert sie ohne großes Trara.

Bücher behandelt er noch immer als Kostbarkeiten, die seiner Obhut anvertraut sind. Ganz zart werden mit einem spitzen Bleistift winzige Striche als Lesespuren von ihm darin zu finden sein, sie werden sorgsam behandelt und vor allem: Sie werden gelesen. Natürlich unterlaufen ihm auch kleine Fehler.  Darauf aufmerksam gemacht, mag er es im ersten Moment nicht glauben, reagiert fuchtig. eigentlich lässt er sich so etwas nicht durchgehen. Aber dann wird korrigiert.

Die in unserer Kulturlandschaft so bitterernst gezogene Mauer zwischen Unterhaltung und Ernst, interessiert ihn wenig. Mit Leidenschaft widmet er sich den Themen Schlagermusik und Fußball (nicht jeder weiß: Er ist auch ausgebildeter Fussball-Schiedsrichter).
Souverän verbindet er Hochkultur mit seinen Spezialthemen. Kafka und der Fußball; Foucault und der Schlager- in einem Satz vereint sind für das Publikum von einer so überraschenden Fallhöhe, das es nahezu hypnotisiert kaum widerstehen kann. Man muss es erlebt haben, wie Rainer Moritz die gebildeten Stände dazu bringt, laut und falsch Schlager zu schmettern und zu schunkeln. Was ich ihm zum 60. Geburtstag wünsche? Manchmal etwas weniger Arbeit. Damit er uns noch lange erhalten bleibt. Das Modell wird in dieser Robustheit nie wieder hergestellt werden.

Deine Annemarie Stoltenberg

Kontakt: RMoritz@literaturhaus-hamburg.de

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